Waltringer Schützen öffnen als erste Bruderschaft ihren Verein für Nicht-Christen

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Freuten sich über das Abstimmungsergebis: Brudermeister Guido Stahlberg (von links), Präses Pastor Carsten Scheunemann, Adjutant Klaus Hennemann, Fähnrich Michael Bühner und das amtierende Königspaar Carsten und Ivonne Buchholz.

Waltringen - Die Satzungsänderung zur Öffnung der Bruderschaft für Nicht-Christen war rasch abgenickt – mit nur einer Handvoll Gegenstimmen und Enthaltungen wurde sie am Samstagabend von den St.-Marien-Schützen mit breiter Mehrheit verabschiedet. Ein anderes Thema bereitete den Schützen deutlich größeres Kopfzerbrechen.

Als die Schützen gegen 21.30 Uhr endlich an die Theke zu Bier und Schnitzelbrötchen wechseln dürfen, haben sie eine lange Sitzung hinter sich, rund 150 Minuten mit zum Teil hitzigen, aber stets sachlich geführten Debatten. Dreh- und Angelpunkt: Die Finanzen des Vereins.

Um die sieht es wenig rosig aus, da die Bruderschaft immer noch und nach aktueller Planung bis 2020 die durch die Renovierung ihrer Halle entstandenen Kosten von 2012 tilgt. Da reichte auch das moderate Plus, das sie im vergangenen Jahr erwirtschaftete, bei Weitem nicht aus. Die Vorstandsmitglieder hatten sogar die Reisekasse geplündert, um mit den Darlehen nicht in Verzug zu geraten.

So äußern sich die heimischen Bruderschaften zum Thema Liberalisierung der Satzung

Was tun? Eine Beitragserhöhung? Dagegen hatte sich der Vorstand ebenso ausgesprochen wie gegen eine Einmalzahlung. Damit hatte der Verein schon einmal Schiffbruch erlitten und 20 Vereinsaustritte verbuchen müssen. Eine weitere Crowdfunding-Aktion soll zumindest 1500 Euro bringen.

DJ statt Live-Band

Doch an anderen Schrauben gelte es auch noch zu drehen, räumten manche Schützen ein. Warum eine Band zum Fest? An allen Abenden ein deutlich günstigerer DJ reiche völlig, da sei die Stimmung sogar besser gewesen beim letzten Mal. Und warum drei Tage volles Festprogramm? Vielleicht einfach nur ein Stangenabend am Freitag, Vollgas am Samstag und Ausklang beim Frühschoppen am Sonntag.

Umso unkomplizierter gestaltete sich die Satzungsänderung, die es auch Nicht-Christen erlauben soll, in die Bruderschaft einzutreten. Wie berichtet, nehmen die Marien-Schützen hier eine Vorreiterstellung im Bezirk Werl-Ense ein, „und ich bin sicher, viele Bruderschaften werden unserem Beispiel folgen“, so Brudermeister Guido Stahlberg.

Auslöser waren die Folgen der Debatte, die der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften losgetreten hatte, nachdem 2014 in Werl-Sönnern ein Muslim Schützenkönig geworden war.

Weiterhin gemeinnützig

Natürlich dient diese Anpassung, rechtlich unter der Supervision eines Notars und kirchlich unter der von Präses Pastor Carsten Scheunemann, auch dazu, vor dem Vereinsregister nicht die Gemeinnützigkeit zu verlieren. Denn in wie weit Menschen mit anderer Glaubensrichtung wirklich der Bruderschaft werden beitreten wollen, das sei erst einmal dahingestellt.

Stahlberg: „Dann gibt es eine Einzelfallprüfung mit dem geschäftsführenden Vorstand und dem Präses. Wir sagen dem Bewerber, dass wir gewisse Grundwerte vertreten, und fragen ihn, ob er sie mittragen will, auch wenn er nicht unseren Glauben teilt. Wenn er das glaubwürdig vertritt, dann werden wir diesem Antrag auch stattgeben. Und wenn jemand das will, dann wird er sicherlich auch kein Problem damit haben, am Kirchgang beim Schützenfest mitzukommen, denn wir wären die Letzten, die ihn davon ausschlössen.“

"Mitglied" statt "Schützenbruder"

Eine weitere Änderung in der Satzung besteht darin, dass jede Erwähnung des Wortes „Schützenbruder“ gegen ein geschlechtsneutrales „Mitglied“ ersetzt wurde. „Könnten wir dann theoretisch auch eine Schützenschwester bekommen?“, wollte einer der Anwesenden wissen. Ja, theoretisch schon. Aber die müsse ja wie jeder andere auch einen Mitgliedsantrag stellen, der positiv bestätigt werden müsse – aber eben auch abgelehnt werden könne.

„Doch diese Frage stellt sich noch nicht“, meint Stahlberg, „da es zurzeit einfach völlig unwahrscheinlich ist, dass eine Frau diesen Antrag stellt. In anderen Bruderschaften ist das passiert, dass sich eine ganze Gruppe von Frauen zusammentat, die beitreten wollten. Dann wurde das in der ganzen Bruderschaft besprochen und positiv beschlossen.“

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