Über 30 Bittinger protestieren gegen neue Vorrangzone

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Als „menschenverachtend und unerträglich“ empfinden die Bittinger „die Aufhebung sämtlicher Höhenbeschränkungen“ in der geplanten neuen Konzentrationszone.

Bittingen - Die Planung, eine 32 Hektar große Fläche östlich von Bittingen als Konzentrationszone für Windkraftanlagen auszuweisen, stößt auf Widerstand. So liegt Verwaltung und Politik ein Schreiben von über 30 Anwohnern vor, in dem das Vorhaben „gänzlich abgelehnt“ wird.

Dabei kommt der Widerstand nicht unerwartet. Denn bereits im Zuge der Informationsveranstaltung zur Ausweisung von Konzentrationszonen im Ruhner Dorfheim Anfang September hatten die Bittinger ihren Unmut kundgetan, der nun eben in einem offiziellen Brief mündet.

Und in ihm weisen sie darauf hin, dass bei einer Umsetzung der Planungen bezüglich der Ausweisung von Konzentrationszonen für die Windkraftnutzung „Bittingen mit Bestands- und Planflächen von rund 70 Hektar eingekreist und beeinträchtigt“ wäre, was „wohl einzigartig im Kreisgebiet sein dürfte.“

Zwar liege die Planungshoheit bei der Ausweisung neuer Wohnbaugebiete, Gewerbeflächen oder sonstigen städtebaulichen Zielen im Grundsatz bei den Städten und Gemeinden und schaffe Planungssicherheit für Bauherren und Investoren. „Bei der hier vorgelegten Planung handelt es sich aus unserer Sicht um eine reine Gefälligkeitsplanung für die Windkraftanlagenbe- und vertreiber“, fahren die Beschwerdeführer schweres Geschütz auf.

„Wir kennen nicht die gesetzlichen Vorgaben und unterstellen hier mal die grundsätzliche Einhaltung aller Rahmenbedingungen. Aber schon die bestehende Konzentrationsfläche und die aktuell gerade errichteten bzw. in Bau befindlichen Anlagen sind in ihrem Erscheinungsbild nicht mehr aus dem Dorfgeschehen wegzudiskutieren“, heißt es in dem Brief weiter.

Mit diesen Erkenntnissen „halten wir es für fahrlässig und ignorant, weitere Flächen mit einem Radius von 400 Metern zu den Gebäuden auszuweisen. Gesetzlich mag die Kategorisierung ‘Einzelgehöft in Außenbereichslage’ zulässig sein, wird aber in anderen Städten und Gemeinden – mit Rücksicht auf die Bürger – selbst bei kleineren Ansiedlungen bereits als zu gering angesehen“, lässt man Verwaltung und Politik wissen. Die Gleichsetzung mit einem Einzelgehöft im Außenbereich hält man „für verwerflich.“ Immerhin sei Bittingen ein Dorf mit rund 100 Einwohnern und einer zusammenhängenden Bebauung. Ein Mindestradius von 600 Metern sollte generell nicht unterschritten werden.

„Als menschenverachtend und unerträglich empfinden“ die Bittinger „die Aufhebung sämtlicher Höhenbeschränkungen.“ Selbst wenn es der Wahrheit entspräche, dass bisher keinerlei Erkenntnisse über eine mögliche Bebauung vorliegen würde, so ist man sich seitens der Beschwerdeführer sicher, dass Firmen sich schon mit dem Entwurf beschäftigt und innerhalb kürzester Zeit „eine Maximalplanung aus der Schublade ziehen können.“

Mit solchen Planungen würden dann die Grundstücksbesitzer aufgesucht und beraten. „Und machen wir uns nichts vor. Selbst wer keine eigene Anlage baut, kommt bei den aktuellen Gewinnmargen zumindest in Versuchung, sein Eigentum zu verpachten“, mutmaßt man.

Die technische Entwicklung auf diesem Gebiet sei in der Vergangenheit rasant fortgeschritten und ein Ende nicht in Sicht. Seien Anlagen mit ca. 70 Meter Höhe vor zehn Jahren noch das Maximum gewesen, seien 200 Meter heute kein Problem mehr. „Schon jetzt ist die erdrückende Wirkung von jedem Standort im Dorf erkennbar.“

Mit der Ausweisung der Konzentrationsflächen im vorgesehenen Entwurf erteile die Gemeinde „einen Freifahrtsschein für die Windkraftbetreiber zu Lasten der Bewohner.“ Die Verantwortung für das, was auf die Bittinger zukomme, werde an die zuständige Genehmigungsbehörde weitergereicht.

„Soweit soll es nicht kommen. Wir möchten nicht gegen finanzstarke Investoren, Energiekonzerne oder sonstige Lobbyisten klagen, sondern erwarten eine adäquate Berücksichtigung unserer Bedürfnisse und Ängste durch die von uns gewählten Vertreter und politischen Entscheidungsträger und einen gerechten und offenen Abwägungsprozess. Aus den vorgenannten Gründen lehnen wir Änderung des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Ense zur Darstellung von Konzentrationszonen für die Windenergienutzung im Gemeindegebiet ab“, heißt es abschließend.

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