Abriss des Gebäudes soll erst 2019 erfolgen

Wehmut und Vorfreude: Tapetenhaus Klenter schließt am 15. Dezember

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Eva Menge wird Erinnerungsstücke aus der 95-jährigen Firmengeschichte, hier der Meisterbrief ihres Vaters Franz-Josef, aufbewahren und in Ehre halten.

Bremen - Wenn Eva Menge am 15. Dezember den Tapetenladen Klenter in der Bremer Ortsmitte für immer schließt, dann geht sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Einerseits ist es traurig, aber ich freue mich auch auf die neuen Herausforderungen“, sagt sie.

Denn für die 52-jährige Geschäftsfrau geht es beruflich weiter – und es steht im wahrsten Sinne des Wortes ein „Tapetenwechsel“ an. Ab Januar arbeitet sie nicht mehr als Selbstständige im eigenen Laden, sondern als Teilzeitbeschäftigte im Edeka in Niederense. „Ich freue mich auf die Arbeit im Team, mit vielen Kollegen und den Kundenkontakt“, sagt Menge, die ihren Fachhandel seit 2011 allein geführt hat. Auch erhofft sie sich durch ihre neue Stelle mehr Zeit für ihre Enkelkinder. „Als Alleininhaber war ich immer ans Geschäft gebunden, hatte 40 Stunden an Ort und Stelle zu tun“, sagt sie. Durch den künftigen Job habe sie mehr Freizeit und Möglichkeiten, auch unter der Woche etwas zu unternehmen. 

Mit der Aufgabe des Geschäfts kommt aber auch Wehmut daher. „Ich bin in diesem Haus aufgewachsen, bin 1993 als mitarbeitendes Familienmitglied eingestiegen“, sagt Menge. Da es keinen Nachfolger gibt, endet eine 95-jährige Firmengeschichte in der Gemeinde. Gegründet wurde das familiengeführte Tapetenhaus am 1. März 1923 von Franz Klenter. „Wir halten es in guter Erinnerung, werden Bilder und Meisterbriefe in unserem Wohnhaus aufhängen“, sagt Eva Menge, die sich sowohl aus privaten als auch wirtschaftlichen Gründen geplant aus dem Gewerbe zurückzieht. „Der Onlinehandel macht auch vor Tapeten keinen Halt“, weiß die Bremerin. 

Das Bedauern über das Aus von Klenter ist in Ense groß. „Ich habe von vielen Menschen gehört, dass ihnen das Geschäft und der Service fehlen werden“, sagt Menge. Ganz kann sie ihre Finger von ihrem Fachgebiet aber auch nicht lassen: Als Nebenerwerb will sie auf telefonische Anfrage für Kunden Farben, Eimer und vieles mehr von Brillux ordern und zur Abholung bereitstellen. „So reißt der Kontakt zu früheren Stammkunden nicht ab“, hofft die Geschäftsfrau. 

Durch einen zeitlichen Verzug soll das Tapetenhaus anders als geplant nicht noch in diesem Jahr abgerissen werden. Der Termin fällt ins nächste Jahr, der nähere Zeitraum bleibt aber zunächst unklar. Damit der Laden vor der Schließung möglichst leer wird, findet bis zum 15. Dezember ein Räumungsverkauf zu den bekannten Öffnungszeiten statt.

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