Suche nach alternativem Standort für Güllebehalter in Ense-Lüttringen

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Groß war das Interesse an der Bürgerinformationsveranstaltung. Zahlreiche Anwohner, Politiker, zwei Vertreter der Verwaltung und der antragstellende Landwirt tauschten ihre Argumente weitestgehend sachlich aus.

Lüttringen – Überraschende Entwicklung in Sachen Güllebehälter in Lüttringen: So haben sich der antragstellende Landwirt Richard Schulze Geiping, die Gemeindeverwaltung Ense und der Kreis Soest gestern darauf verständigt, nach einem „alternativen Standort zu suchen“. Ein möglicher „Ansatzpunkt“ deutet sich an.

Das hat Enses Beigeordneter Andreas Fresen im Anzeiger-Gespräch erklärt. Und ließe sich das Vorhaben statt am bislang geplanten Platz nahe der K 30 und des Heiligenhäuschens tatsächlich an anderer Stelle realisieren, dann wäre die Bitte von Vize-Bürgermeisterin Dagmar Dülberg (SPD) am Donnerstagabend nicht wirkungslos geblieben.

Denn am Ende der gut 60-minütigen Bürgerinformationsveranstaltung vor Ort war es die Sozialdemokratin, die auf den Punkt brachte, was viele bewegt hatte: Auf die Lüttringer zuzugehen, diesen Wunsch gab sie Richard Schulze Geiping mit auf den Weg. Und auch die Anlieger hatten zuvor verdeutlicht, die Notwendigkeit der Expansion des landwirtschaftlichen Betriebes und den Bau eines Güllebehälters nachvollziehen zu können. „Aber muss es in dieser Form sein?“ so Alfred Bieker als Sprecher der Bürgerschaft.

Und noch einmal fasste er die Bedenken gegen den Standort zusammen: So würde das 21 Meter Durchmesser und gut sechs Meter hohe Bauwerk das Landschaftsbild nachhaltig verändern, sei die Kreuzung am Heiligenhäuschen für den Verkehr der schweren Lkw nicht ausgelegt. Wunsch der Anwohner sei mithin, den Güllebehälter 200 Meter nach Norden zu verschieben, wo man ihn als weniger störend empfinde.

Einer Bitte, der Richard Schulze Geiping am Donnerstagabend skeptisch gegenüberstand. So biete der von ihm ausgesuchte Platz aus seiner Sicht gleich mehrere Vorteile: Denn anders als bei einem Standort auf seinem Hof, müssten bei der ausgesuchten Fläche nahe der K 30 die Lkw zur Anlieferung und Ausbringung der Gülle auf die Felder rund um Lüttringen eben nicht durch den Ort, sondern könnten direkt in Richtung Hünningen abfahren. Die Gülle-Anlieferung von Oktober bis Dezember würde im Jahr von 65 Lkw übernommen. Die Ausbringung erfolge ab Februar bis Mitte April. Zeiten, in denen niemand sich im Garten sitzend gestört fühlen könnte. Mit Blick auf den Behälter als solchen kündigte Richard Schulze Geiping an, dass dieser ein Meter tief in die Erde versenkt werde, mehr ginge aus technischen Gründen nicht. Hinzu komme, dass das Bauwerk hinter einem begrünten Erdwall verschwinde. Auch über eine optische „Verschönerung“ des Bauwerks sei er zu sprechen bereit. Ein Aspekt, der CDU-Ratsherr Georg Busemann bedeutsam war. Eine Verlagerung des Behälters um 200 Meter Richtung Norden ist für Richard Schulze Geiping insofern problematisch, als so der Eingriff in die Natur noch größer werde, da man dann neben der geschotterten Zu- und Abfahrt noch einen Wendeplatz für die Lkw anlegen müsste. Neue Planungen, so der Landwirt, würden auch neue Planungskosten mit sich bringen. Und: Eine Verlagerung des Behälters um 200 Meter führe zu längeren Wegen bei der An- und Auslieferung der Gülle. Und gerade diese kurz zu halten, sei Ziel der Planung.

Enses Beigeordneter Andreas Fresen verdeutlichte ebenso wie zuvor CDU-Parteichefin Silvia Klein, dass die Gemeinde bei derartigen Vorhaben kein wirkliches Mitspracherecht besäße. Würde man in Ense das Vorhaben ablehnen, würde der Kreis Soest es genehmigen müssen. Weil schlicht die Rechtslage von einer „Zustimmungspflicht“ spreche. Dennoch deutete Andreas Fresen an, dass es bei der beantragten Zu- und Abfahrt über die Gemeinde- bzw. Kreisstraße Probleme geben könne.

Inwieweit die Suche nach einem „alternativen Standort“ die Ratssitzung am Dienstag, 2. Juli, im Rathaus um 18 Uhr, in der das Einvernehmen über den Güllebehälter hergestellt werden soll, beeinflusst, ist offen. Die Anwohner jedenfalls wollen sich in der Einwohnerfragestunde zu Wort zu melden.

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