Conrad-von-Ense-Schule

Vor dem Abschied: Schulleiterin Stephanie Bingener blickt auf elf Jahre in Ense zurück

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Stephanie Bingener nimmt in zwei Wochen Abschied von „ihrer“ Conrad-von-Ense-Schule.

Ense - Weil sie die Conrad-von-Ense-Schule in zwei Wochen verlässt, ist Schulleiterin Stephanie Bingener nicht mehr fest im Stundenplan eingeplant. So wird sie auf ihre letzten Tage in Bremen Vertretungslehrerin für Englisch. Das sei zwar eigentlich nicht ihr Fach, aber in der fünften Klasse werde sie schon klar kommen, ist Bingener überzeugt. In den vergangenen elf Jahren in Bremen musste sich die 53-Jährige immer wieder auf Neues einlassen, Umbrüche gestalten und mit ihrem Team Konzepte für die Zukunft entwickeln.

Dass ihr dies gelungen ist, darüber sind sich wohl die meisten Weggefährten einig: „Ich habe Stephanie Bingener als fachlich sehr qualifiziert und engagiert erlebt“, sagt Bürgermeister Hubert Wegener. „Sie hat immer im Interesse der Kinder gehandelt.“ Sie sei für den Träger ein angenehmer Verhandlungspartner gewesen und verlasse eine Schule, „die in alle Richtungen in Ordnung ist“. „Wir finden schade, dass sie geht, können den Schritt aber nachvollziehen.“

Auch Ralf Hettwer, Chef des Initiativkreises, der Bingener und die Schule 2012 auszeichnete, bedauert Bingeners Weggang. „Sie ist überaus engagiert, hat immer ein offenes Ohr und Visionen, die sie auch umgesetzt hat.“ Bingener habe erkannt, dass es wichtig ist, dass viele Schülern einen Arbeitsplatz in der Gemeinde Ense finden. Von der Ausbildungsmesse Amie über Langzeitpraktika bis zum Werkunterricht gebe es auch dank Bingener eine enge Verzahnung von Schule und Wirtschaft. „Ich hoffe, dass das so bleibt“, so Hettwer. 

Stefanie Neumann, Leiterin der Bernhardusgrundschule, berichtet von einer „ganz tollen Zusammenarbeit“ mit der Conrad-von-Ense-Schule. Bingener habe sie als „sehr offen und kooperativ“ erlebt. Sie habe viele Angebote gemacht, wie etwa die MINT-Tage. Yvonne Wien, Rektorin der Fürstenbergschule, beschreibt Stephanie Bingener als eine Frau, „die immer wusste, was sie wollte“. Sie habe sich sehr viel Mühe gegeben, den Eltern der Grundschüler das Konzept der Conrad-von-Ense-Schule näher zu bringen. 

"Hochengagiert und nahbar"

Antje Heydecke, Leiterin der Höinger Gemeinschaftsgrundschule, beschreibt Bingener als „hochengagiert“. Sie habe sie als sehr nahbar erlebt, auch für die Fragen der Eltern sei sie sehr offen gewesen. „Unsere Schützlinge, die wir in ihre Hände gegeben haben, sind in der Conrad-von-Ense-Schule gut aufgehoben. „Sie hinterlässt ein großes Erbe.“ Doch Heydecke ist zuversichtlich, dass dies so bleiben wird. „Frauke Jüptner, die in der Sekundarschule die Klassen fünf bis sieben betreut, hat sich schon an unserem ersten Schultag hier gemeldet und uns einen schönen Schulanfang gewünscht.“

Bingener selbst freut sich darüber, dass sie noch ausreichend Zeit hat, die Schule ordentlich zu übergeben und sich von den Menschen zu verabschieden, mit denen sie „gut und vertrauensvoll“ zusammengearbeitet habe. Den baldigen Wechsel in die Schulaufsicht vor Augen wirkt Bingener aufgeräumt und zufrieden. Nach elf Jahren sei nun der richtige Zeitpunkt, mit gutem Gewissen etwas Neues anzufangen. 

Es sei durchaus typisch für ihren bisherigen Werdegang, dass sie eine neue Herausforderung sucht, wenn sie eine Aufgabe längere Zeit gut und gerne gemacht hat. „Und ich weiß auch nicht, ob es für die Schule so gut wäre, wenn ich noch mal elf Jahre hierbliebe.“ Nicht nur für sie, auch für die Schule sei es vielleicht an der Zeit, dass jemand Neues neue Dinge ausprobiert und neue Pointen setzt. 

Bingener wird bei der Bezirksregierung schulfachliche Dezernentin für Sekundar- und Gesamtschulen. „Dabei kann ich meine Erfahrungen vom Aufbau zweier Schulformen mit einbringen, kann sie bei Wandelprozessen begleiten.“ Denn genau das waren die großen Herausforderungen, die Bingener in Ense bewältigen musste. 

Anfang war nicht leicht

„Der Anfang war nicht einfach“, erinnert sie sich an das Jahr 2008. Der vorherige Schulleiter Werner Hütten war plötzlich verstorben. Nun war es an Bingener, den bereits beschlossenen Aufbau einer Verbundschule mit Real- und Hauptschulzweig umzusetzen. 

Ein Neuaufbau im wahrsten Sinne des Wortes. Denn auch baulich mussten die Voraussetzungen für die neue Schulform erst noch geschaffen werden, die Schüler zum Teil in Container ausweichen. Bingener lobt das Public-private-Partnership-Modell (Öffentlich-private Partnerschaft), das der Schule viel Möglichkeiten zur Mitbestimmung gegeben habe. „Wir habe über jede Türklinke mit drüber geguckt.“ Heute würde sie wohl einiges anders entscheiden: „Wir haben ja noch für eine Verbundschule und nicht für eine Sekundarschule gebaut.“ Aber das Entscheidende sei, dass die Schule eine helle und freundliche Atmosphäre ausstrahle und von Schülern und Lehrern gut angenommen werde. 

Geholfen habe ihr bei ihrem Start in Ense das Kollegium, das sehr gut mitgearbeitet habe. Die Gemeinde als Schulträger habe sie mit offenen Armen aufgenommen. Sie habe am Anfang aber auch lernen müssen, dass eine Gemeinde wie Ense anders funktioniert als eine Großstadt wie Hamm. „Die Strukturen sind viel stärker aufs Miteinander der Menschen ausgelegt. Man kennt sich.“ Gerade dieses Netzwerk sei oft hilfreich gewesen. 

Eine Veränderung folgt der nächsten

Zeit zum Verschnaufen gab es für Bingener und die Schule kaum. Die nächste Veränderung kündigte sich an. Spätestens bis 2020 sollten alle Verbundschulen zu Sekundarschulen werden. „Uns war klar, dass wir sehr schnell an den Start gehen wollen“, erinnert sich Bingener. „Das war für uns die pädagogisch sinnvolle Konsequenz aus der täglichen Arbeit.“ Schließlich habe man gemerkt, dass die unterschiedlichen Fähigkeiten der Schüler nicht einfach den Schulformen zuzuordnen sind. 

Der große Vorteil bei diesem zweiten Umwandlungsprozess sei gewesen, „dass wir schon eine gut funktionierende Verbundschule waren“. „Wir haben das neue Konzept aus unserer Mitte geschrieben. Und alle wussten, wenn ich plane, gehöre ich auch zu denen, die das später umsetzen.“ Und das Konzept sei aufgegangen: „Schön ist, dass die Schüler sich heute mehr als Gemeinschaft verstehen.“ 

Es hat sich viel getan in den elf Jahren: Die Zusammenarbeit mit den Grundschulen beim Übergang der neuen Schüler, die individuelle Förderung und Berufsorientierung wurden ausgebaut. Die Ausbildungsmesse Amie wurde zu einer Erfolgsgeschichte, und die Conrad-von-Ense-Schule kooperiert inzwischen mit dem Mariengymnasium in Werl und den Berufskollegs im Kreis Soest, um ihren Schülern den Weg zum Abitur zu ermöglichen. 

Die Schüler werden ihr fehlen

Bingener bezeichnet die Conrad-von-Ense-Schule als ihr „pädagogisches Zuhause“. Dass sie dies künftig nicht mehr haben wird, ist aus ihrer Sicht einer der größten Unterschiede, mit denen sie im neuen Job klar kommen muss. Und die Kinder werde sie sicher vermissen, sagt Bingener. Wie stark, das werde sie sehen. Schließlich habe sie trotz ihrer Aufgabe als Schulleiterin immer noch regelmäßig Unterricht in Deutsch, Sport und Biologie gegeben und auch als Schulleiterin immer wieder mit den Belangen und Problemen der Schüler zu tun gehabt. 

Um die Zukunft „ihrer“ Schule macht sich Bingener keine Sorgen: Mit Michaela Götte als kommissarischer Leiterin, Claudia Holz als didaktischer Leiterin und Frauke Jüptner als Abteilungsleiterin der Stufen fünf bis sieben und einem tollen Kollegium sei die Schule bestens aufgestellt. Gerade dieses tolle Team habe ihr die Entscheidung nicht leicht gemacht. Und deshalb sei sie sich sehr sicher: „Mein Weggang wird die Schule bestimmt nicht ins Chaos stürzen.“

Zur Person

Stephanie Bingener ist 53 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Soest. Sie stammt aus Siegen. Nach dem Abitur studierte sie Sport und Biologie auf Lehramt und absolvierte ein Referendariat an einer Gesamtschule in Hessen. Anschließend half sie zwei Jahre lang als Vertretungslehrerin an einer Grundschule aus. Ihre erste feste Anstellung bekam Bingener an der Thomä-Hauptschule in Soest. Am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Arnsberg war Bingener parallel in der Lehrerausbildung tätig, bevor sie 2007 stellvertretende Leiterin der Anne-Frank-Hauptschule in Hamm wurde. Nach dem plötzlichen Tod des vorherigen Schulleiters Werner Hütten wurde Bingener 2008 neue Leiterin der Conrad-von-Ense-Schule.

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