Sechsstellige Investition in den Lärmschutz: Produktions-Geräusche stören Parsiter

Markus Stock hat sich einen kleinen Dezibelmesser besorgt.
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Markus Stock hat sich einen kleinen Dezibelmesser besorgt.

Eine halbe Million Euro hat die Firma Pauli in den vergangenen Monaten in den Lärmschutz investiert. Und trotzdem wird weiter hitzig über den Geräuschpegel des Unternehmens diskutiert. Der Parsiter Markus Stock hat in den sozialen Medien sein Leid mit dem „Lärm“ geklagt und viele Reaktionen erhalten. Dem Kreis Soest soll kurzfristig ein neues Lärmgutachten vorliegen.

Parsit - „Als ich gegen 23 Uhr ins Bett gehen wollte, wurde es lauter. Es ist ein ständig gleichbleibender, dumpfer Knall, der durch alles hindurchfährt“, sagt der 56-jährige Stock zur Nacht vor seinem Facebook-Beitrag. Mit seiner Frau Elke wohnt Markus Stock im Meisenweg, in unmittelbarer Nähe zum Firmengelände. Aus seinem Schlafzimmerfenster blickt er auf die Firma, erklärt Stock. „Ich drehe dann am Abend die Musik auf, das ist zwar nicht angenehm, aber immer noch besser als das Geräusch der Stanze. Das ist kein Geräusch, an das man sich gewöhnt.“ Markus und Elke Stock wohnen seit 1992 in Parsit, jahrelang ohne störende Geräuschkulisse, die sei erst in den vergangenen Jahren hinzugekommen.

Lärmschutz bleibt für Unternehmen Daueraufgabe

Dass die Stanzautomaten nicht ohne Geräusche arbeiten, müsse allen bewusst sein, erklärt Ulrich Häken, Leiter Energie- und Umweltmanagement bei Pauli. 500 000 Euro hat das Unternehmen allein in den letzten 15 Monaten in den Lärmschutz investiert, erklärt er. Und es soll weiter investiert werden: „Lärm- und Klimaschutz ist eine Daueraufgabe.“ Mit dem Einbau moderner, schallgedämmter Lüftungselemente sowie Lärmschutzelementen in Wänden und Dächern sei im vergangenen Jahr ein weiterer Schritt getan worden. Außerdem will Pauli nach und nach mehrere Maschinen einhausen – dabei wird ein Kasten um den Stanzautomaten gebaut, der Schall reduziert. Das gehe aber nicht von heute auf morgen. „Eine Einhausung kostet rund 150 000 Euro“, sagt Häken. Die erste Maschine bei Pauli ist damit ausgestattet. Als nächstes soll der größte Stanzautomat der Firma eingehaust werden, eine Maschine mit 800 Tonnen Presskraft. Häken geht davon aus, dass es dieser Stanzautomat ist, den die Anwohner wahrnehmen. In den nächsten drei bis fünf Jahren sollen die Einhausungen abgeschlossen werden, kündigt Ulrich Häken an.

Das Unternehmen

Seit dem Gründungsjahr 1956 ist die Franz Pauli GmbH & Co. KG in Parsit ansässig. Die Kunden des Stanz- und Umformtechnikunternehmens kommen aus dem Automobil- und Nutzfahrzeugbereich, dem Bausektor und weiteren Branchen. Rund 175 Mitarbeiter und einige Lehrkräfte sind in Parsit beschäftigt. Nach der Corona-bedingten Kurzarbeit im Sommer 2020 ist Pauli mittlerweile wieder bei Vollauslastung. Mittelfristig soll der Standort in Parsit mit einem Sozialgebäude erweitert werden.

Ein Schallgutachten des Kreises Soest hat vor einem Jahr bereits bescheinigt, dass sich die Lärmentwicklung der Firma im gesetzlichen Rahmen bewegt. Derzeit wartet der Kreis auf ein neues Gutachten, das die durchgeführten Lärmminderungsmaßnahmen des Unternehmens berücksichtigt. „Dies soll uns kurzfristig zur Prüfung vorgelegt werden“, teilt Kreissprecher Wilhelm Müschenborn mit. Die zulässigen Werte liegen demnach tagsüber bei 55 Dezibel und nachts bei 40.

Markus Stock sagt, dass der Umbau des Daches nichts an der Geräuschkulisse verändert hat. Er hat sich einen kleinen Dezibelmesser angeschafft. Der sei zwar nicht repräsentativ, „aber wenn ich nachts am Fenster messe, dann überschreitet es ab und zu die 50-Dezibel-Grenze.“

Ulrich Häken zeigt den ersten Stanzautomaten bei Pauli mit einer Einhausung – weitere sollen folgen.

Dabei sei es in der Corona-Zeit lange sehr ruhig gewesen. Stock geht davon aus, dass in den Nächten, in denen es besonders laut ist, die Tore zur Werkshalle offen stehen. In der Werkshalle hängen Hinweisschilder, die genau darauf aufmerksam machen. „Für den erholsamen Schlaf und Ruhe in der Nachbarschaft!“, heißt es dort. Menschliche Fehler will Ulrich Häken nicht ausschließen, man wolle vermehrt darauf achten. Ein Verzicht auf die Nachtschicht, wie ihn Stock vorschlägt, sei aber nicht möglich. „Das wäre unwirtschaftlich“, sagt Firmenchef Franz Pauli. Um den Lärm weiter zu reduzieren habe die Firma zudem die Arbeitszeiten verschoben: Statt 6 Uhr beginnt die Frühschicht erst eine halbe Stunde später.

„Wir wollen das Problem insgesamt lösen“, sagen Pauli und Häken, schließlich sei das Unternehmen in Parsit groß geworden und fühle sich am Standort wohl. Mit den Anwohnern habe sich das Unternehmen bereits vor den weiteren Lärmschutzmaßnahmen ausgetauscht und der Gesprächsfaden könne wieder aufgenommen werden, bietet Häken an.

Lärmschutz: Schnelle Lösung gegen hupende Lkw

Die Diskussionen in den sozialen Medien hat Häken verfolgt und eine Anregung soll kurzfristig umgesetzt werden. Corona-bedingt hupen tagsüber Lkw-Fahrer, die das Betriebsgelände wieder verlassen wollen, sodass der Empfang das Tor ohne persönlichen Kontakt öffnen kann, erklärt Häken. Das sei einfach eine praktikable Lösung gewesen; dass auch das Anwohner stören könne, habe man nicht bedacht. Eine Lichtschranke oder Induktionsschleifen sollen jetzt kurzfristig Abhilfe schaffen.

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