Ruhner Widerstand gegen geplante Ortsumgehung

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80 Bürger aus Ruhne und Gerlingen hatten sich in der Kurfürstenhalle eingefunden, um sich über die geplante Ortsumgehung Bremen/Ruhne zu informieren.

Ruhne - Gegen die Aufnahme einer Ortsumgehung Bremen/Ruhne in den Bundesverkehrswegeplan 2016 bis 2030 gibt es Widerstand.

So haben rund 80 Anwohner aus Ruhne und Gerlingen beschlossen, eine Eingabe zu formulieren, um das Vorhaben in der ihnen bekannten Form zu verhindern. Derweil bemüht sich die Verwaltung um eine Beruhigung der Gemüter. Weder gebe es abschließende Aussagen zum Bedarf einer solchen Trasse noch zur Linienführung. Zudem sei die Gemeinde offiziell in dem Verfahren noch gar nicht beteiligt.

Dabei platzte das Ruhner Dorfheim am Dienstagabend förmlich aus allen Nähten. Über 80 Anwohner vornehmlich aus Ruhne, aber auch Gerlingen hatten sich dort eingefunden, um nach der Anzeiger-Berichterstattung zur Aufnahme der Ortsumgehung in den Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplanes am 18. März alle verfügbaren Informationen zu sammeln und ein mögliches Vorgehen abzustimmen. Dabei stützen sich die Ruhner vor allem auf im Internet nachzulesende Aussagen zu dem Gesamtprojekt des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, zu der auch die Skizze einer möglichen Trassenführung gehört. Und wie Thomas Dreschler nach der hinter verschlossenen Türen stattgefundenen Versammlung gegenüber dem Anzeiger erläuterte, sorgt man sich in Ruhne vor allem um Folgendes: So befürchtet man, dass die zukünftige Ortsumgehung nur 50 Meter am Baugebiet „Bördeblick“ vorbeiführe, das Dorf massiv zerschneide, wovon übrigens auch Oberense betroffen sei. Dabei, so Thomas Dreschler weiter, handle es sich um zwischenzeitlich abgeänderte Planungen, um einen Eingriff in das vorhandene Vogelschutzgebiet zu vermeiden. Wer diese Veränderungen vorgenommen habe, entziehe sich allerdings seiner Kenntnis. Und was die Ruhner zudem besorgt: Im vorhandenen Entwurf wird die Ortsumgehung als „vordringlich“ eingestuft, sollen Eingaben dagegen nur noch bis zum 2. Mai möglich sein.

Indes: Während in Ruhne und Gerlingen die Befürchtungen ob der vermeintlichen Planungen groß sind, versucht man im Rathaus für eine Beruhigung zu sorgen. So erklärte Enses Beigeordneter Andreas Fresen auf Anzeiger-Nachfrage, dass ihm die für das Verfahren zuständige Behörde Straßen NRW in einem Telefonat mitgeteilt habe, dass vor einer Bestimmung der endgültigen Trassenführung erst einmal eine Bedarfsabfrage bezüglich der geplanten Ortsumgehung erfolge. Mithin stelle die im Internet kursierende Variante nur „eine der Lösungsmöglichkeiten dar.“ Dieser Verlauf, so heißt es unter dem Punkt „Wichtiger Hinweis“, liege „der gesamtwirtschaftlichen, umweltfachlichen, städtebaulichen und raumordnerischen Bewertung bzw. Beurteilung zugrunde. In den nachfolgenden Planungsstufen kann sich der Verlauf verändern. In diesem Fall wird regelmäßig eine neue gesamtwirtschaftliche Bewertung zum Nachweis der Bauwürdigkeit des Projekts durchgeführt.“ Und: Bei dem von den Ruhnern und Gerlingern genannten 2. Mai handelt es sich nach Aussage von Andreas Fresen tatsächlich um einen Stichtag zur Beteiligung der Öffentlichkeit. Diesen habe die Gemeinde auch insofern wahrgenommen, als sie mitgeteilt habe, dass der Bau einer Ortsumgehung Bremen/Ruhne im „vordringlichen Bedarf“ gewünscht werde. Hierfür, so Andreas Fresen, hätten die Abstimmungen in den politischen Gremien in den vergangenen Jahren, in denen man sich für den Bau der Umgehung auch zur besseren Anbindung des Industriegebietes ausgesprochen habe, die Grundlage gebildet. Für eine weitere Stellungnahme gebe es mithin keine Veranlassung. Jetzt gehe es nur noch darum, eine für alle verträgliche Linienführung zu finden.

Laut Aussagen des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird die Einstufung der Ortsumgehung in den „vordringlichen Bedarf“ mit dem „hohen Nutzen-Kosten-Verhältnis“ und der „hohen städtebaulichen Bedeutung“ begründet. Zur Notwendigkeit wird ausgeführt, dass die B 516 Bremen „auf großer Länge durchquert“, durch die Autobahn-Anschlussstelle Werl-Süd sich die „Verkehrsbelastung in einigen Abschnitten deutlich erhöht“ habe. Die angrenzende Wohnbebauung leide „stark unter der Verkehrsbelastung. Die Ortsumgehung würde diese Belastung stark reduzieren und die Wohn- und Aufenthaltsqualität im Ortskern deutlich verbessern“, heißt es in dem Papier weiter.

Die Länge der Ortsumgehung wird mit 3,1 Kilometern angegeben, wobei es sich um einen zweistreifigen Neubau handeln soll. Und was die Ruhner vollkommen unverständlich finden: Die Zahl der Personen, die durch die Trasse entlastet werden sollen, gibt man in den Unterlagen mit 996 an. Die Zahl derer, die neubelastet oder „stärker betroffen würden“ mit Null.

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