Mit der Spürnase auf Personensuche

Rettungshundestaffel des DRK Ense ist einmalig im Kreis Soest

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Katrin Eschkamp und ihre Schäferhündin Nesquik haben die Prüfung zum Flächensuchhund im vergangenen Jahr erfolgreich absolviert.

Bremen – Als vor wenigen Tagen bei Erwitte eine Scheune eingestürzt ist, sollte Heinrich Portmann mit seiner Mannschaft in den Trümmern der Scheune nach verschütteten Personen suchen.

Doch der Staffelleiter der Rettungshundestaffel Hellweg vom Deutschen-Roten-Kreuz-Ortsverband Ense musste ablehnen. „Wir haben keine Hunde, die auf die Suche in Trümmern spezialisiert sind“, erklärt der Staffelleiter. 

Gerade einmal zu vier Einsätzen wurde die Rettungshundestaffel im vergangenen Jahr gerufen. Zu wenig, findet Heinrich Portmann, man könne nämlich viel häufiger helfen. Dabei ist die Rettungshundestaffel aus Ense die einzige ihrer Art im Kreis Soest.

Vor allem bei der Suche nach vermissten Personen in unbewohnten Gebieten, sind Hunde und Hundeführer eine echte Alternative zum Helikopter. „Ein Beispiel: Wenn ein Pilzsucher nicht zurück aus dem Wald kommt“, erklärt Portmann. Aus einem Hubschrauber sei das bewaldete Gebiet nicht zu überblicken. Hunde hingegen können große Flächen in kürzester Zeit gründlich absuchen – mindestens 30 000 Quadratmeter in 25 Minuten, so viel muss ein Rettungshund nämlich in der Prüfung schaffen. 

Auf sechs geprüfte Rettungshunde mit Führer kann Staffelleiter Portmann derzeit zurückgreifen. Die Hunde in Ense sind allesamt auf die sogenannte Flächensuche spezialisiert. Das heißt, dass sie weitgehend selbstständig große Flächen unwegsamen Geländes durchsuchen können. Heinrich Portmann erklärt, dass die Hunde nach allgemeinen Geruchsstoffen von Menschen suchen. Die bekannten Mitglieder der Rettungshundestaffel werden vom Tier dabei ausgeschlossen. 

„Vor eineinhalb Jahren haben wir uns entschlossen, auch Mantrailer auszubilden“, sagt Portmann. Im November sollen die Hunde ihre Ausbildung abschließen. Beim Mantrailing muss ein ganz bestimmter Mensch gefunden werden. „Die Hunde können auch in einer Stadt eingesetzt werden“, erklärt Portmann. Dem Hund wird dazu eine Geruchsprobe präsentiert, anschließend wird er an die Stelle gebracht, wo die Spur des Vermissten vermutlich beginnt. Der Personensuchhund verfolgt die Geruchsspur dann im Idealfall bis zum Aufenthaltsort des Menschen.

Seit Oktober 2019 gehört Katrin Eschbach mit ihrer sechsjährigen Schäferhündin Nesquik zum Team von Staffelleiter Heinrich Portmann. Stundenlang haben Katrin Eschbach und Nesquik die Suche im Training geübt. „Wenn ich ihr die Kenndecke anlege, dann weiß Nesquik, dass sie im Einsatz ist“, erklärt Eschbach.

Kaum hat sie der Schäferhündin das Geschirr angelegt, ändert sich deren ganze Körperhaltung. Jetzt ist sie nicht mehr der nette Familienhund, sondern ein Rettungshund im Einsatz. Mit dem Kommando „Such und hilf“, schickt Katrin Eschbach Nesquik auf die Suche. Es dauert nur wenige Augenblicke, dann hat die Schäferhündin ein zuvor verstecktes Spielzeug gefunden. 

Im Einsatz, erklärt Heinrich Portmann, wird der Hundeführer von mindestens einem Helfer unterstützt, denn „vier oder sechs Augen, sehen mehr als zwei“. Nesquik sei übrigens ein sehr „laufstarker Hund“, erklärt Portmann. Es ist seine Aufgabe, die Hunde am Einsatzort nach ihren jeweiligen Stärken zu koordinieren und einzusetzen. Oskar, der 2,5 Jahre alte Labrador von Celeste Vielberg, und der fünfjährige Labrador Digger von Thomas Klenter hingegen seien eher robuste Tiere. „Digger macht vor keinem Gestrüpp halt“, sagt Thomas Klenter und lacht. Zwischen zwei und drei Jahren dauert die Ausbildung eines Hundes. Die Rasse spielt keine Rolle, vielmehr muss der Hund charakterlich für die Arbeit geeignet sein.

Aber nicht nur der Hund wird für den Sucheinsatz geschult, auch der Hundeführer muss eine Prüfung ablegen. Beispielsweise müssen sie einen 80-stündigen Sanitätslehrgang mit praktischer Prüfung ablegen. 

Trainiert wird beim Ortsverein in Ense am Mittwochabend und am Wochenende – das können schon mal fünf Stunden werden. „Die Tendenz geht zum Zweithund“, sagt Heinrich Portmann. Da sich die Ausbildung der Hunde über mehrere Jahre erstreckt, würden viele Mitglieder mit der Ausbildung eines jüngeren Hundes beginnen, während sie mit dem älteren Hund noch Einsätze absolvieren.

Portmann beklagt, dass die Hundestaffel in vielen Fällen zu spät oder gar nicht alarmiert wird. „Es ist uns völlig egal, wer am Ende die vermisste Person findet, aber bei einer rechtzeitigen Alarmierung können wir helfen“, sagt er. Denn bei der Suche nach vermissten Menschen, spiele der Faktor Zeit eine große Rolle. Je schneller die Hundeführer alarmiert sind, desto eher können sie am Einsatzort mit der Suche beginnen. 

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