Emily Seibel aus Ense-Bilme

Leidenschaft und Job zugleich: "Reiten ist mein Leben"

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Der „Fürst von Soest“ ist das renommierteste Pferd im Stall von Emily Seibel in Bilme.

Bilme - Dressursport auf ganz hohem Niveau – das gibt es tatsächlich in der Gemeinde Ense. Emily Seibel ist eine erfolgreiche Reiterin und Ausbilderin aus Bilme. Sie sagt: „Reiten ist mein Leben.“

Emily Charlotte Seibel hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Die 30-Jährige hat sich vor vier Jahren selbstständig gemacht, lebt seit 2015 in Bilme und pachtet dort einen Stalltrakt auf dem Hof „Gut Wrede“. Seibel beschäftigt sich vor allem mit der Dressurausbildung von Reitern und Pferden sowie der Aufzucht von Jungpferden. Sie ist also praktisch Schülerin und Lehrerin zugleich, denn die gebürtige Lippstädterin wird noch von ihrem Trainer Norbert van Laak unterrichtet.

 Bis zu ihrem Umzug von den Niederlanden nach Ense konzentrierte sich die Reiterin noch auf den eigenen Sport, inzwischen unterstützt sie zusätzlich rund 20 Reiter auf der Anlage in Bilme. Emily Seibel studierte nach dem Besuch eines Internats bei Münster Luft- und Raumfahrttechnik in den Niederlanden, wo sie sieben Jahre gelebt und damals noch Unterricht von Hans Bernoski bekommen hat. „Weil meine Eltern wollten, dass ich etwas Ordentliches lerne“, sagt sie. Als sich dann aber die Möglichkeit ergeben hat, ihren Kindheitstraum zu erfüllen, musste sie die Chance ergreifen: „Ich bin jemand, der sich gern Herausforderungen stellt.“ 

Leistungssportler Pferd: Athlet unterm Sattel

Mit dem Reiten hat Seibel schon ihr ganzes Leben lang zu tun. „Das war von Kind auf meine Passion. Ich habe diese Begeisterung einfach in die Wiege gelegt bekommen“, erklärt sie. Die Arbeit mit den Tieren mache den Sport aus – so habe jedes Pferd seinen individuellen Charakter. Ihre Eltern hatten mit dem Reitsport nichts am Hut – „die haben das nur ertragen“, sagt Emily Seibel lachend. Ihr Uronkel war allerdings eine „Koryphäe unter den Pferdezüchtern“.

 Ihre Karriere ist bereits jetzt ziemlich erfolgreich: CHIO-Siegerin in den Niederlanden, zweifache Westfalen-Vizemeisterin, Vierte bei der Deutschen Meisterschaft der dreijährigen Pferde, Deutsche Quadrille-Meisterin. Die Liste der Auszeichnungen kann sich sehen lassen. Heute betreut Seibel etwa 50 Pferde, darunter auch eins der renommiertesten in der Gegend, den „Fürst von Soest“. Der Deckhengst kommt vom bekannten Züchter Prof. Dr. Albrecht Schneider aus Soest und hat mittlerweile nationale Bekanntheit erlangt.

Baby-Glück

 Auch privat läuft bei Emily Seibel alles gut: Nach der Geburt ihrer Tochter Karlotta im vergangenen Jahr erwarten die junge Mutter und ihr Lebensgefährte Hendrik Küppers im August ihr zweites Kind. Aufgrund der Schwangerschaft widmet sich die 30-Jährige zurzeit mehr der Ausbildung und nimmt selbst vorübergehend an keinen Turnieren teil. Ihr Team mit zwei Mitarbeitern fange das aber gut auf. 

Seibel beschreibt sich als sehr ehrgeizig. Ihre Freunde sagen, sie sei immer für einen Spaß zu haben und jemand, der gerne lacht. Die Reiterin spricht von zwei Gesichtern: „Privat bin ich eher der zerstreute Professor, beim Reiten wiederum sehr genau und teils streng.“ Während sie in der Freizeit „auch mal als letzte nach Hause geht“, zähle im Stall nur eins: Perfektion. „Das ist wichtig, sonst wird man nicht erfolgreich.“

Emily Seibel ist unter anderem zweifache Westfalen-Vizemeisterin und Siegerin des Concours Hippique International Officiel (CHIO) in Rotterdam.

 Dass das Reiten zu ihrem Beruf geworden ist, stellt für die Enserin kein Problem dar: „Natürlich wird einem das Hobby ein Stück weit genommen, zudem gibt es da den wirtschaftlichen Zwiespalt – wenn ich ein Pferd aus geschäftlicher Sicht verkaufen muss, aber mein Herz daran hängt. Ich habe den Spagat aber trotzdem ganz gut geschafft, indem ich zwischen ,meinen‘ und den beruflichen Pferden trenne.“ Der Sport bleibe ihre große Leidenschaft: „Ich stehe am Morgen damit auf und gehe abends damit ins Bett.“ 

Ihr sportliches Ziel ist es, „so weit wie möglich zu kommen, viele weitere Erfolge auf verschiedenen Pferden zu sammeln und einen Grand Prix zu reiten“. Beruflich sei der Fokus darauf gerichtet, einen Stall aufzubauen, der „ambitionierten Amateuren alles bietet, wo man gut trainieren kann und sich wohlfühlt“. 

Hoffnung auf "Fürst von Soest"

Das Reiten vergleicht Emily Seibel oft mit Ballett: „Man muss hart an sich arbeiten und sehr kritikfähig sein. Ein guter Reiter kann mit vielen Pferden viel erreichen.“ Um international erfolgreich zu sein, brauche man aber neben guten Fähigkeiten, ein „Ausnahmepferd“ – da müsse dann alles zusammen passen, Qualität von Reiter und Pferd. 

Ob auch der „Fürst von Soest“ so eins ist, wird die Zukunft zeigen. Mit einem Alter von sieben Jahren sei er noch relativ jung, die „Topzeit“ erreichten Pferde mit zehn bis zwölf Jahren oder sogar noch bis 18. „Wir hoffen, dass Fürst von Soest noch einiges erreichen wird.“ Für Laien sei laut Seibel ein ruhiges Pferd besser, für den Profi müsse es ein wenig wild und frisch sein. „Die Pferde vereinen dann oft Genie und Wahnsinn.“ 

Übrigens sind die Sportler in Bilme keine Schön-Wetter-Reiter: Auch bei Regen, wie in dieser Woche, wird aufgesattelt – dann aber in der Halle statt auf dem Außenplatz.

Erlebnis in Essen

Bei der Weltmesse des Pferdesports in Essen, der "Equitana", die noch bis zum 17. März läuft, ist für Emily Seibel jetzt ein weiterer Traum wahr geworden: Sie durfte die sechsfache Olympiasiegerin Isabell Werth treffen. 2018 hatte Seibel sich für eine Reitstunde bei der 49-Jährigen beworben, die schon jeweils 14 Mal Deutsche und Europa-Meisterin war. Wegen der Schwangerschaft hat sie nun ihre 22-jährige Schülerin Merle Ochsenfarth reiten lassen. 

„Es war trotzdem ein tolles Erlebnis, mit dabei zu sein. Es war eine super Kulisse vor 2500 Zuschauern“, so Seibel. Außerdem gab es wertvolle Tipps von „der Allerbesten“.

Weitere Infos gibt es hier:

https://www.emilycharlottedressage.com/

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