Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde Ense wollen "Anna" behalten 

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Frisch renoviert ist die Kapelle. Auch deshalb will man sie nicht aufgeben

Bremen – Die Evangelische Kirchengemeinde Ense steht vor der Entscheidung, den Mietvertrag für die Anna-Kapelle testweise für ein weiteres Jahr zu verlängern oder das Gotteshaus auf dem Bernhardusplatz in Niederense nur noch bei Bedarf für besondere Gottesdienste oder Anlässe zu pachten.

Das ist das Ergebnis der Gemeindeversammlung vom Sonntagmittag in der Paulus-Kirche. Mehrheitlich verworfen wurde dagegen die Option, die Kapelle aufzugeben. 

Hintergrund der Überlegungen ist ein neuer Mietvertrag, der der evangelischen Kirchengemeinde seitens der katholischen Pfarrei St. Lambertus Bremen als Eigentümerin der Kapelle vorgelegt worden ist. Und vor allem der darin enthaltene Passus über die zukünftige monatliche Miete ist Auslöser der Gedankenspiele.

Klar aber auch: Das Votum der Gemeindemitglieder sei nur ein „Stimmungsbild“. Entschieden werde letztlich im Presbyterium, wo man allerdings „hin- und hergerissen“ sei, wie Pfarrerin Christine Dinter zu Beginn der Versammlung einräumte. Jedoch machte sie ebenso wie Presbyterin Johanna Dülberg deutlich: Die erkennbar nur geringe Bereitschaft, die Anna-Kapelle bereits zum jetzigen Zeitpunkt komplett aufzugeben, werde bei den abschließenden Beratungen nicht übergangen beziehungsweise berücksichtigt. Das Presbyterium tagt bereits am Dienstagabend.

Wobei am Sonntag von Teilnehmern der Versammlung auch deutlich gemacht wurde: Das geforderte monatliche Entgelt von demnächst 150 Euro sollte nicht der Grund sein, die Anna-Kapelle als Gottesdienst-Ort zu verlassen. Wohl aber könne es der Anlass sein, um der Frage nachzugehen, ob die Evangelische Kirchengemeinde gleich zwei Gottesdienst-Häuser in Ense benötigt. Zumal vor dem Hintergrund des in den Sommermonaten nicht gerade starken Besuchs. Lediglich zwischen neun und elf Gläubige zähle man an manchen Sonntagen in der Kapelle. Grund für einige, die Frage zu stellen, ob man sich angesichts dessen nicht auf die Paulus-Kirche konzentrieren sollte. Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass nur ein geringer Teil der Gottesdienst-Besucher aus Niederense komme. Und den übrigen sei es gleichgültig, ob sie nach Bremen oder in den Möhneort zum Gottesdienst fahren müssten, so ein Argument am Sonntagmorgen.

Dennoch: Dem Vorschlag, den Mietvertrag mit der katholischen Kirchengemeinde nicht mehr zu verlängern, stimmten am Sonntagmorgen nur eine Handvoll Gemeindemitglieder zu. Jeweils 13 Stimmen entfielen auf die Varianten einer testweisen Anmietung für ein weiteres Jahr und die Idee, die Kapelle nur noch bei Bedarf beziehungsweise nur in den Sommermonaten anzupachten. In diesem Zusammenhang wies Pfarrerin Christine Dinter darauf hin, dass nach der Renovierung der Kapelle weder die Konformation noch das Krippenspiel an Weihnachten wegen Platzmangels weiter in Niederense stattfinden könnten. Und am Sonntag wurde zudem der Beschluss gefasst, auch die Osternacht in der Paulus-Kirche zu feiern.

Für die dauerhafte Weiternutzung der Kapelle durch die Evangelische Kirchengemeinde wurde am Sonntagmorgen die nicht zuletzt mit erheblicher finanzieller Unterstützung des Fördervereins in Höhe von 70.000 Euro abgeschlossene Renovierung des Gotteshauses angeführt. Statt über eine Aufgabe der Kapelle nachzudenken, sollte man überlegen, die Gottesdienste in der Kapelle attraktiver zu gestalten, war am Sonntagmittag ebenfalls zu vernehmen. 

Wie Presbyterin Johanna Dülberg mitteilte, sieht man wenig Chancen, über die Höhe der Miete nochmals mit der katholischen Kirchengemeinde erfolgreich in Verhandlungen treten zu können. Bislang zahlt man neben der obligatorischen Miete von 1 Euro gut 500 Euro im Jahr für die Nutzung des Kapelle. Auch ist offen, ob die katholische Kirche der erst am Sonntag geborenen Idee, die Kapellen nur bei Bedarf anzumieten, stimmt.

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