Corona-Pandemie

Lange Bildschirmzeit bedroht Sehstärke: Optiker gibt Tipps, um Augen zu schonen

Blicken ihren Kunden tief in die Augen: Nicole Hauptmann und Andreas Dietrich von „Optik in Ense“ haben geöffnet. Optiker wurden von der Regierung als systemrelevant eingestuft.
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Blicken ihren Kunden tief in die Augen: Nicole Hauptmann und Andreas Dietrich von „Optik in Ense“ haben geöffnet. Optiker wurden von der Regierung als systemrelevant eingestuft.

Seit der Corona-Pandemie steigt die Zeit, die Kinder und Jugendliche vor Smartphone, Tablet und Co. verbringen. Das hat die vom Medienpädagogischen Forschungsverband Südwest (mpfs) veröffentlichte JIM-Studie 2020 herausgefunden. Optikermeister Andreas Dietrich vom Geschäft „Optik in Ense“ in Bremen befürchtet, dass dadurch die Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen gefördert wird. Er gibt Tipps, wie sich die Nutzung der Endgeräte für die Augen angenehmer gestalten lässt.

Bremen - „Jeder kennt das Gefühl, wenn man am Abend in moderne Autoscheinwerfer schaut“, sagt Andreas Dietrich. Der Blick auf Smartphones und Tablets habe eine ähnliche, wenn auch stark abgeschwächte Wirkung. Hintergrund, so Dietrich, ist der blaue Lichtanteil, der jeweils auf die Augen wirkt. „Es ist kein Drama, aber Studien gehen mittlerweile davon aus, dass Grüner und Grauer Star gefördert werden“, erklärt der Optikermeister.

Für Brillengläser wurden spezielle Filter entwickelt, die die blauen Lichtwellen vom Auge fernhalten, aber nicht jeder Mensch trägt eine Brille. Bei Smartphones und Tablets sei es hilfreich, die Lichtfrequenz zu regulieren, sagt Andreas Dietrich. „Apple macht das mit dem Night-Shift-Modus automatisch, auch bei Microsoft gibt es eine Funktion.“ Andernfalls lasse sich die Lichtfrequenz manuell einstellen. Aber aufgepasst: Nicht die Helligkeit des Geräts muss nach unten geregelt werden, sondern die Lichttemperatur, erklärt Dietrich.

Laut JIM-Studie ist die Mediennutzung bei den befragten Zwölf- bis 19-Jährigen die Freizeitbeschäftigung Nummer eins. 1200 Jugendliche wurden für die Studie befragt. Bei der Ausstattung mit Mediengeräten wurde ebenfalls ein Zuwachs festgestellt. Demnach stieg der Anteil von Jugendlichen, die einen eigene Computer oder ein eigenes Laptop besitzen, in dieser Zeit von 65 auf 72 Prozent, bei Tablets sogar um 13 Punkte auf 38 Prozent. Die Internetnutzung stieg auf täglich durchschnittlich 258 Minuten an. In 2019 waren es noch 205 Minuten.

Blick in die Ferne entspannt das Auge

Optikermeister Andreas Dietrich rät: „Das dauerhafte Starren auf den Bildschirm kann bei Kindern und Jugendlichen die Kurzsichtigkeit fördern. Das Auge ist so aufgebaut, dass es sich beim Blick in die Ferne entspannt, im Nahbereich hingegen muss es sich anstrengen.“

Dietrich empfiehlt, bei längerer Nutzung von beispielsweise Smartphone oder Tablet, regelmäßig für einige Sekunden aus dem Fenster zu gucken. Schon 15 Sekunden genügen, um das Auge für eine gewisse Zeit zu entspannen.

Auch auf den eigenen Lid-reflex könne geachtet werden. „Wer sich stark konzentriert, der zwinkert nicht mehr“, sagt Dietrich. Die Folge: Das Auge wird nicht mehr ausreichend befeuchtet, Rötungen oder Reizungen können auftreten.

Optiker werden von der Regierung als systemrelevant eingestuft, Andreas Dietrich darf sein Geschäft weiter öffnen. „Doch was nutzt die Systemrelevanz, wenn die Menschen zu Hause bleiben“, sagt Dietrich, denn auch er verzeichnet Einnahme-Einbrüche. „Es ist aber nur Geld.“ Wichtiger sei, dass er und seine Mitarbeiterin weiter für die Kunden da sein könne, schließlich sei er der einzige Optiker in der Gemeinde. „Was sollen die Leute denn machen, wenn die Brille verbogen ist?“, fragt Andreas Dietrich.

Verzicht auf Dienstleistung

Die Corona-Schutzmaßnahmen hat Dietrich in seinem Geschäft hochgefahren. Es wird mit Trennscheiben und FFP2-Maske gearbeitet. Natürlich gebe es Dienstleistungen, bei denen Optiker und Kunde sich näher kommen. „Wir halten bei der Stärkenbestimmung großzügig Abstand“, erklärt Dietrich beispielhaft. Auf die Anpassung von Kontaktlinsen verzichtet der Optiker – wie viele Kollegen in der Umgebung – gänzlich. „Probiert ein Kunde 15 Modelle aus, werden alle Brillen desinfiziert“, berichtet der Optiker auch von Mehrarbeit.

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