Meteorologischer Sommeranfang

Kühl und nass - Förster und Ortslandwirt aus dem Kreis Soest freuen sich über das Wetter

Dunkle Regenwolken über der Feldflur in Ense: Leser Egbert Radine hat das Mai-Wetter auf seinem Bild malerisch festgehalten. Nach den Sonnenstrahlen zum meteorologischen Sommeranfang bahnt sich für Fronleichnam am Donnerstag die erste Gewitterlage des Sommers an. Teilweise müsse man mit Starkregen, Hagel und Sturmböen rechnen, so die Wetterexperten.
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Dunkle Regenwolken über der Feldflur in Ense: Leser Egbert Radine hat das Mai-Wetter auf seinem Bild malerisch festgehalten. Nach den Sonnenstrahlen zum meteorologischen Sommeranfang bahnt sich für Fronleichnam am Donnerstag die erste Gewitterlage des Sommers an. Teilweise müsse man mit Starkregen, Hagel und Sturmböen rechnen, so die Wetterexperten.

Des einen Leid ist des anderen Freud: Der Sommer ist endlich da, vorausgegangen ist aber ein regnerischer und kühler Frühjahr. Revierförster Allan Mitchell und Ortslandwirt Bernd Walter-Langesberg haben sich über die Wassermassen gefreut, die in den vergangenen Wochen vom Himmel gefallen sind. Sie sagen: Wir brauchen noch viel mehr Regen.

Waltringen/Höingen - Frühstücken auf der Terrasse, spazieren gehen in kurzer Hose oder oberkörperfrei im Garten die Sonne genießen – pünktlich zum meteorologischen Sommeranfang am 1. Juni wird es warm in Ense und Umgebung. Dabei zählte der Regenschirm zuletzt noch zur Grundausstattung, wenn man sich aus dem Haus begeben wollte. Im Mai war es nass, im April kalt – doch stimmt der Eindruck vom ungemütlichen Frühling?

„Es war endlich mal wieder ein normales Jahr“, sagt Revierförster Allan Mitchell zufrieden. Der studierte Forstwirt ist für die Privatwälder in Ense, Welver, Werl und Wickede zuständig. Im Mai habe man eher April-Wetter gehabt, sagt er – frei nach dem eigentlichen Sprichwort: Der April macht, was er will.

„Die Menge an Regen war grundsätzlich super“, sagt Mitchell. Er hoffe, dass die Feuchtigkeit nach und nach in den Untergrund sickert und der Grundwasserspiegel, der in den vergangenen drei heißen Sommern gelitten hat, wieder ansteigt. Noch erkenne man aber, dass die Bäume gestresst sind. „Viele Baumkronen sind noch sehr licht. Eschen und Eichen haben erst spät ausgetrieben“, erklärt Allan Mitchell. Anders als die älteren Bäume, die mit ihren Wurzeln das Wasser aus tiefen Bodenschichten holen, sei der Regen aus den vergangenen Wochen vor allem für junge Kulturen wie im Waltringer Bürgerwald ein Segen.

Aufforsten im Kreis Soest: 100.000 neue Bäume wurden gepflanzt

Allan Mitchells Hoffnung: Es bleibt ein feuchtes Jahr. „Werden die nächsten drei oder vier Monate wieder trocken, kann das für Freiflächen dramatisch sein. Bei 33 bzw. 34 Grad werden Bäume extrem belastet.“

Die vor rund einem halben Jahr gepflanzten kleinen Bäume im Bürgerwald in Waltringen sind zwischen den anderen Pflanzen kaum noch zu erkennen.

Um 1270 Hektar Waldfläche kümmert sich der Förster in seinem Revier. „Auf 20 Hektar haben wir 100 000 neue Bäume gepflanzt. Wir hatten insgesamt aber eine Kahlfläche von 200 Hektar“, sagt Mitchell. Die Wiederaufforstung der dem Borkenkäfer zum Opfer gefallenen alten Fichten-Flächen bleibe in den nächsten Jahren die Hauptaufgabe. Ziel sei es, 250 000 Pflanzen pro Jahr zu pflanzen.

Der Borkenkäfer bleibe weiter ein Problem. „Die Population war so hoch, die verschwindet ja nicht einfach“, sagt Mitchell. Viele der gefräßigen Käfer ziehe es ins Sauerland. Aber auch in Ense hätten die Käfer schon neue Ziele ins Auge gefasst, so Mitchell. Ein Douglasien-Bestand habe den Käfer-Befall erfolgreich ausgehalten. Lärchen und Kiefern habe man wegschneiden müssen. Dass der Borkenkäfer weiter so großen Schaden wie an den Fichten anrichten wird, damit rechnet der Förster aber nicht. Es sei das Beste, wenn die Bäume die Käfer selber abwehren können, doch dafür müssen sie vital sein und brauchen noch mehr Feuchtigkeit.

Landwirt aus dem Kreis Soest erwarten gute Ernte

Mehr Regen? Das wünscht sich auch der Enser Ortslandwirt Bernd Walter-Langesberg. „Wir haben noch lange nicht genug“, sagt der Höinger. Die obersten zehn, 15 Zentimeter des Bodens seien aber wieder mit Feuchtigkeit durchzogen. Und deswegen geht Bernd Walter-Langesberg davon aus, dass man im August eine gute Erntebilanz ziehen werde. Getreide, Raps, Ackerbohnen und Mais baut der Landwirt, der seit 2014 die heimischen Landwirte als Ortslandwirt vertritt, selber an. Nur der Mais habe noch etwas „kalte Füße“, sagt er. Das werde sich aber ändern, wenn es wärmer wird.

Die Trockenheit in den vergangenen Jahren habe die Ernte beeinflusst. „Wir sind aber noch mit einem blauen Auge davongekommen, andere Regionen hat es da deutlich härter getroffen“, sagt Walter-Langesberg.

„Sonnenschein am Tag und Regen in der Nacht, das wäre doch ein fairer Kompromiss“, sagt Förster Allan Mitchell mit Blick auf den jetzt beginnenden Sommer.

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