Auf, zu, auf, halb auf, zu

Kosmetikbranche unter Druck: Schwierige Zeiten für die Schönheit

Für die Kosmetik-Branche sind die vergangenen Monate ein einziges Stop-and-go.
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Für die Kosmetik-Branche sind die vergangenen Monate ein einziges Stop-and-go.

Rein ins Arbeitsverbot wieder raus und wieder rein: So lässt sich die Situation in den „körpernahen Dienstleistungen“ beschreiben.

Ense – Von Frisören und Fußpflegern einmal abgesehen, hat der Rest der Branche derzeit erneut die Hände in den Schoß zu legen und sich stattdessen mit den Mühlen der Bürokratie zu beschäftigen, wenn es um die Beantragung von Hilfsgeldern geht. Für die Kosmetik-Branche sind die vergangenen Monate ein einziges Stop-and-go: Anfang November musste sie schließen, Anfang März durften sie wieder öffnen bei Nachweis eines negativen Selbsttests, einen Monat später reichte der nicht mehr aus, da musste ein offizielles Testzentrum die Virenfreiheit nachweisen. Die Kosmetiker mussten sich der Prozedur sogar alle zwei Tage unterziehen. „Warum wir nicht so weitermachen können sollen, erschließt sich mir nicht“, meint Britta Doffiné, die in Hünningen ein Kosmetikstudio betreibt. „Wenn alle im Raum einen aktuellen negativen Test vorweisen können, was soll denn noch passieren?“

Kosmetikbranche hat hohe Hygiene-Standards

So sieht es auch Sonja Werthschulte, die unter anderem Permanent Make-up und Mikroblaiding in ihren Studios in Niederense und Neheim anbietet: „Ich glaube, die Politiker waren noch nie in einem Kosmetikstudio und wissen daher nicht, welche hohe Hygienestandards dort eh schon herrschen. Wir desinfizieren in den vergangen Monaten wirklich alles, was irgendwie berührt wird, und haben uns selber qualifizieren lassen zum Testen.“

In den wenigen Wochen, die sie öffnen durfte, sei der Andrang deutlich zurückgegangen: „Die Leute warten offenbar lieber, bis alles vorbei ist, um sich mal wieder die Fingernägel ode die Wimpern machen zu lassen.“ Je länger sie schließen muss, desto mehr spüre sie das „finanzielle Loch und den Druck, auf Dauer zermürbt es und geht an die Psyche. In der Branche der körpernahen Dienstleistungen arbeiten überwiegend Frauen, viele alleinerziehend. In diesen Jobs wird man nicht reich, es reicht normalerweise, um gut über die Runden zu kommen. Große Rücklagen kann man jedoch nicht bilden.“ Viele gingen bereits Nebenjobs nach, sie selber habe ein zweites Standbein im Produktverkauf und werde zusätzlich in Kürze in einem Testzentrum mitanpacken.

Kosmetiker greifen auf Reserven zurück

Britta Doffiné ist froh, durch ihren Mann finanziell abgesichert zu sein, „daher wird es meinen Betrieb sicher in zwei oder drei Monaten noch geben“, gibt sie sich zuversichtlich. Und trotz aller Kritik, die allgemein geleistet werde an Bund und Ländern, wenn es um die zäh fließenden Hilfsgelder ging, so seien die doch bei ihr angekommen: „Wir wurden vom Staat nicht alleine gelassen.“ Dennoch: „Man greift die Reserven an, arbeitet und lebt vorausschauender, die dritte Welle war ja abzusehen. Man kauft viel verhaltener ein.“

Hinzu kommt, dass sie Kurse an sechs Volkshochschulen gibt, „und die Chefin einer dieser Schulen erzählte mir, dass manche Dozenten von dieser Arbeit leben – und die bekommen vom Staat keine Förderung.“

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