Vergehen im Lagerraum

Jüngere Kollegin am Arbeitsplatz sexuell genötigt - Gericht verurteilt Enser

Gericht Justitia Waagschalen
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Ein Enser musste sich wegen sexueller Nötigung vor dem Soester Schöffengericht verantworten.

Weil er seine Finger nicht von einer deutlich jüngeren Kollegin lassen konnte, fand sich ein Enser jetzt vor dem Soester Schöffengericht wieder. Schon nach dem ersten Verhandlungstermin, bei dem die Frau unter Tränen aussagte, gab es ein Urteil.

Der Enser wurde unter anderem zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, und einer Schadensersatzzahlung verurteilt.

Im Sommer vergangenen Jahres soll der verheiratete Familienvater, damals in einem Enser Unternehmen tätig, eine Mitarbeiterin unter einem Vorwand in einen Lagerraum gelockt haben. Dort habe er sie geküsst, sie angefasst, seine Hose geöffnet, ihre Hand zu seinem Schritt geführt und versucht, sie dazu zu bringen, ihn oral zu befriedigen. Erst als sie sich weiterhin wehrte, soll er abgelassen haben. Die Frau zeigte ihn an, der Mann verlor durch den Vorfall einige Zeit später seine Anstellung.

Der Angeklagte räumte ein, dass der Vorfall sich weitgehend wie geschildert zugetragen habe. Allerdings behauptete er, dass sich zwischen den beiden in den Tagen zuvor etwas angebahnt habe. Während einer Inventur habe man mehrere Tage zusammengearbeitet und ständig Augenkontakt gehabt. Am Freitag vor jenem Montag habe es auch einen ersten Kuss gegeben. Seine Frage, ob sie mehr wolle, habe sie bejaht.

Ihr Auftritt heute hat mich schockiert.

Anwalt des Opfers

Am frühen Montagmorgen schließlich ging der Mann zu weit. „Und hätte ich gedacht, dass sie all das gar nicht wollte, dann hätte ich doch nicht die beiden Türen zu dem Lagerraum geöffnet gelassen.“ Schließlich habe sie selber zunächst Hand bei ihm angelegt und von sich aus versucht, seine Hose zu öffnen. Danach habe er durchaus ihre Hand an sein Genital geführt. Nein habe sie nicht gesagt, lediglich seine Küsse nicht erwidert: „Ich dachte, es liege daran, dass ich nach Nikotin schmeckte.“

Aussage unter Tränen

Dass er mögliche Zeichen offenbar völlig falsch interpretiert haben könnte, wollte er nicht ausschließen. Das wäre zwar die einzig mögliche Entschuldigung, erschien allerdings völlig unglaubwürdig nach der Aussage des Opfers. Denn die Zeugin gab zu verstehen, dass sie sich ihm gegenüber stets sehr distanziert gezeigt habe. Mehr noch, schon im Vorfeld habe er sie mehrfach unsittlich berührt, führte sie unter Tränen aus. Diese Annäherungsversuche bemerkten auch die Kollegen, ebenso das Unbehagen der Frau, so ein weiterer Mitarbeiter des Unternehmens. Und an jenem Montag habe sie sich deutlich gewehrt und geäußert, dass sie nicht einverstanden war – „das hätte er merken müssen“.

Protokolle eines Chats direkt nach dem Vorfall, in dem sich die verängstigte Frau ihrer besten Freundin offenbarte, belegen, dass sie sich ihre belastenden Aussagen nicht erst Tage oder Wochen später ausdachte: „Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden soll, er hat das schon bei zwei anderen Frauen gemacht, denen nicht geglaubt wurde und die seinetwegen gekündigt haben“, schrieb sie darin sinngemäß. Die Freundin berichtete, ebenfalls mit den Tränen kämpfend, wie sie die völlig aufgelöste Frau von der Arbeit abholte. Um seinen Ortsteil mache sie seither einen weiten Bogen, zuweilen tauche er in ihren Träumen auf.

Der Enser war bislang nicht vorbestraft. Neben der Bewährungsstrafe muss er die Verfahrenskosten, das Honorar des Anwalts der Geschädigten, die als Nebenklägerin auftrat, und außerdem einen Schadensersatz in Höhe von 2000 Euro an das Opfer zahlen. „Für sie war das heute noch einmal die Hölle“, sagte ihr Anwalt, „so wie die Wochen, die sie mit Ihnen hat arbeiten müssen.“ Mit einem Geständnis hätte der Angeklagte ihr diese Hölle erspart, „doch Ihr Auftritt heute hat mich schockiert.“

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