Joscha aus Ense hat den Bogen raus 

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Intensiv übt Joscha Bäcker mit seinem Cello-Lehrer Thomas Büttner in diesen Tagen für die erste Probe im Kinderorchester NRW.

Niederense – Cello und Fußball. Für Joscha Bäcker eigentlich gut zu vereinbaren. Und doch muss in diesen Tagen das eine für das andere etwas zurückstehen. Allerdings aus einem sehr guten Grund.

Wenn Joschas Kumpels sich in diesen Tagen nämlich nach den Hausaufgaben den Ball schnappen und sich auf ein spannendes Fußballspiel auf einem der Plätze in Niederense mit ihrem Mannschaftskameraden freuen, dann müssen sie zurzeit auf ihren elfjährigen Freund verzichten. 

Nicht etwa, weil er verletzt ist oder – als durchaus sehr guter Spieler – die Lust am Kicken verloren hätte. Seine freie Zeit nutzt er vielmehr lieber, um sich fit zu machen für eine Herausforderung in einer weitaus größeren als der sonst üblichen elfköpfigen Mannschaft: Joscha Bäcker ist seit kurzem Mitglied des Landeskinder-Orchesters NRW und steht vor der ersten Probe in dem 80 Musiker zählenden Ensemble.

Am 21. September ist es soweit. Und bis dahin gilt es intensiv jene Literatur zu üben, die bei insgesamt drei Auftritten im November zu hören sein wird. Eine halbe Stunde am Tag probt Joscha mindestens. Trifft er sich mit seinem Lehrer Thomas Büttner von der Musikschule Werl, dann können daraus schnell bis zu 75 Minuten werden. Für den Schüler des Werler Mariengymnasiums ist das allerdings alles andere als belastend oder nervig. Ganz im Gegenteil:

„Kein Ding für den King“ sei das, lässt Joscha wissen. Und auch Thomas Büttner ist beeindruckt von der Lockerheit seines Schülers, dem hohen Niveau, mit dem Joscha den Bogen über die Saiten streichen lässt, und dem für das Alter ungewöhnlich ausgeprägten Verständnis für Musik. Dabei unterrichtet er Joscha, seit dieser sechs Jahre alt ist. Und mit Beginn dieses Jahres trug das intensive Proben dann die aktuellen Früchte. Denn beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ belegte Joscha in Hamm den 1. Platz. Das berechtigte ihn kurz darauf zur Teilnahme an dem Wettbewerb auf Landesebene in Köln. Mit dem 3. Preis trat Joscha die Rückreise nach Niederense an, um wenige Tage später ganz besondere Post in Händen zu halten: die Einladung zum Vorspiel beim Landeskinderorchester NRW. Und nachdem er sich entschieden hatte, dieses Angebot auch anzunehmen, kam ein ganzer Stapel Noten ins Haus zur Vorbereitung dieses Bewerbungsvorspiels.

„Ich war schon erstaunt, wie anspruchsvoll die Stücke waren“, erinnert sich Thomas Büttner. Doch Joscha stellte sich begeistert der Herausforderung. Mit Erfolg. Denn beim Vorspiel in der Bochumer Musikschule war schnell klar, dass die Dozenten „Joscha dringend haben wollten“, erzählt Mutter Alexandra. Sechs Cellisten waren für die drei begehrten Plätze eingeladen worden, Joscha bekam einen davon. Und so darf er sich seither Mitglied des Landeskinderorchesters NRW nennen. Die erste Probe des Ensembles ist nun für den 21. September in Hamm angesetzt. Eine Proben-Woche in Nottuln wird folgen, ehe drei Auftritte vor Publikum anstehen. Und als Hausaufgaben stehen bis dahin unter anderem Stücke von Bach, Sibelius oder Debussy auf dem Stundenplan. „Profi-Literatur“, wie Thomas Büttner erläutert. 

Wobei Joscha durchaus Erfahrung mitbringt, wenn es darum geht, in großen Ensembles zu spielen. Als die Kölner Philharmoniker im Dortmunder Konzerthaus jüngst junge Musiker fürs „Maus-Orchester“ suchten, auch da fiel die Wahl auf den elfjährigen Niederenser. „Es ist einfach schön zu erleben, wie viel Eigenmotivation Joscha mitbringt, wie er die Klassik lieben gelernt hat und welch ein Verständnis er für die unterschiedlichen Stilrichtungen mitbringt“, gerät Thomas Büttner ins Schwärmen. 

Aber der Pädagoge weiß seinen Schüler trotz aller Euphorie auch zu erden. Denn wenn Joscha kommende Woche auf Klassenfahrt geht und auch das Cello mitnimmt, dann legt Thomas Büttner ihm ans Herz, zumindest in der zweiten Halbzeit bei den Fußballspielen der Schulkameraden mitzukicken.

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