Türöffner des EC-Automaten ist defekt

In Höingen ist Bares Rares

Werner Schrage an der Tür zur gemeinsamen SB-Filiale von Volksbank und Sparkasse in Höingen
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Der „24-Service“ gilt im Moment weder für Werner Schrage noch für andere Kunden: Der Kartenleser an der Tür zur gemeinsamen SB-Filiale von Volksbank und Sparkasse verwehrt ihnen den Eintritt.

In Höingen ist Bares zurzeit Rares:  Der Kartenleser an der Tür zur gemeinsamen SB-Filiale von Volksbank und Sparkasse verwehrt Kunden den Eintritt – rund um die Uhr.

Ense - Sicher, vieles kann man mit der EC-Karte bezahlen. Oder sogar mit dem Smartphone. Aber bei Kleinstbeträgen wie für zwei Brötchen beim Bäcker oder eine Portion Pommes an der Imbissbude, da greift man doch lieber zum Bargeld.

Das wächst nicht an den Bäumen, sondern kommt aus einem EC-Automaten. Und der verbirgt sich hinter einer Automatiktür, die über die EC-Karte geöffnet wird. Genau hier fangen in Höingen die Probleme an: Hier ist Bares zurzeit Rares.

„Wir machen den Weg frei“, lautet seit jeher der Slogan der Volksbanken, doch für Werner Schrage endet der Weg zu seinem Geld vor einer Glastür: „Seit einem Monat komme ich da nicht mehr rein“, berichtet der Anzeiger-Leser. „Da“, das ist die SB-Filiale am Kapellenweg, die sich die Sparkasse Soest-Werl als Eigentümer des Gebäudes mit der Volksbank teilt. Denn wozu an zwei Standorten zwei teure „Gelddrucker“ aufstellen, wenn es auch einer tut? An mehreren Orten machen die beiden großen Banken gemeinsame Sache. Mitarbeiter aus Fleisch und Blut gibt es in diesen Selbstbedienungs-Filialen nicht.

„Das Display des Türöffners zeigt immer die Meldung: Karte ungültig“, ärgert sich Schrage. Natürlich bieten die beiden Banken keine gemeinsamen EC-Karten an, und auch Kunden anderer Institute wollen hier mal Geld zapfen. Schrage selber ist Kunde der Volksbank: „Am Mittwoch standen wir da zu fünft, darunter auch Kunden der Postbank und der Commerzbank. Der Kartenleser nimmt nur die Karten der Sparkasse und der Commerzbank.“

Eine Stichprobe unserer Zeitung vor Ort mit drei weiteren Kunden bestätigt das Problem. Wenn man erst einmal drin sei, kein Problem, der Geldautomat funktioniert und spuckt Scheine aus. Doch wenn gerade niemand vor Ort oder bereits in der Filiale ist, der einem die Tür öffnen kann, dann muss der Höinger eben beim Bäcker anschreiben lassen – oder seine zwei Brötchen mit der Kate bezahlen.

Schrage blickt jedoch über den Frühstückstellerrand hinaus: „Das bedeutet im Endeffekt, dass man den nächstgelegenen Bankautomaten in Bremen aufsuchen muss. Doch was ist mit älteren Menschen, die nicht mobil sind? Ich bin 69 und fit, aber andere müssen sich fahren lassen oder jemandem ihre EC-Karte samt PIN-Code anvertrauen.“ Mehrfach habe er bereits versucht, bei der Volksbank Hellweg das Problem anzumahnen.

Im Ort kämen sogar bereits Gerüchte auf, berichtet Schrage: „Vor drei Jahren wollte man die Filiale schließen und sah erst durch den öffentlichen Druck einer Unterschriftenaktion davon ab.“ Da äußere mancher den Verdacht, dass die Bank nun versuche, durch diese „Schließung“ der Vordertür eine komplette Schließung durch die Hintertür herbeizuführen – denn wo niemand etwas abhebt, braucht auch niemand einen Geldautomaten.

Das klingt ein wenig nach Verschwörungstheorie, und Petra Golz von der Marketing-Abteilung der Volksbank Hellweg weist diesen Vorwurf ab, machte sich auf unsere Anfrage direkt kundig bei den Kollegen der Sparkasse und verweist auf einen technischen Fehler: „Da der aber nicht bei allen Karten auftaucht, hat man den Grund dafür noch nicht herausgefunden“, teilt sie mit und hat auch direkt einen Lösungsansatz parat: Sollte der Fehler sich nicht in den kommenden Tagen beheben lassen, so werde man die Tür generell geöffnet lassen – die Karte benötige man dann nicht, die Tür wird über den Bewegungsmelder geöffnet.

Schrage befürchtet, dass dann jene Jugendlichen, die schon jetzt auf dem Dorfplatz ihren Mangel an Sinn für Recht und Ordnung vermissen ließen, dann erst recht in der SB-Filiale ihr Unwesen treiben werden. Schon jetzt weist daher ein Aushang darauf hin, dass sie zwischen 24 Uhr und 5 Uhr morgens geschlossen ist. Doch wenn alles gut geht, ist dies ja ohnehin nur eine vorübergehende Lösung.

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