1. Soester Anzeiger
  2. Lokales
  3. Ense

Immer im Takt: Kinder lernen im Erste-Hilfe-Kurs Leben retten

Erstellt:

Von: Karin Hillebrand

Kommentare

Alexander gibt, unter der Anleitung von Rettungssanitäter Jörg Werth, Übungspuppe Anne eine Herzdruckmassage. Die anderen Kinder zählen bis 30 mit.
Alexander gibt, unter der Anleitung von Rettungssanitäter Jörg Werth, Übungspuppe Anne eine Herzdruckmassage. Die anderen Kinder zählen bis 30 mit. © KHI

In der Bernhardusschule in Niederense lernen die Kleinen, wie man richtig Leben rettet. Ob Herzmassage oder Defibrillator, die Schüler waren mit Eifer bei der Sache und wussten bereits eine Menge zum Thema Erste Hilfe.

Niederense – In der Bernhardusschule ist es auffällig still. Es ist Freitag nach Fronleichnam, und nur elf Kinder aus den Klassen eins bis vier sind heute in der Offenen Ganztagsbetreuung erschienen.

26, 27, 28 - aus den Räumen dringt ein vielstimmiges Zählen nach draußen.

Herzmassage ist „ganz schön anstrengend“

Es sind jedoch keine Rechenaufgaben, die es zu lösen gilt. Alexander beugt sich über Trainingspuppe Anne und drückt in regelmäßigen Abständen mit übereinander geschlagenen Händen auf das Brustbein, dreißigmal insgesamt - die anderen Kinder feuern ihn an und zählen mit.

„Ganz schön anstrengend“, findet der Schüler. Dann beginnt Jörg Werth von den Johannitern in Soest mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung und erklärt, worauf dabei zu achten ist.

Rettungssanitäter ist erfreut über das Wissen der Kinder

Der Rettungssanitäter unterrichtete im Frühjahr das Schulpersonal, denn die Mitarbeiter erneuern alle zwei Jahre ihren Ersthelferschein. Nun bekommen die Kleinen einen Erste-Hilfe-Kurs.

„Im normalen Schulalltag ist das zeitlich gar nicht möglich“, sagt Bianca Baader vom OGS-Team. „Wir sind normalerweise bis 16 Uhr hier - da gibt es immer mal wieder eine Schürfwunde oder ähnliches. Eine gewisse Sicherheit im Umgang mit kleineren Wunden ist schon hilfreich.“

Ruhig bleiben und Hilfe holen

Heute bekommen die Schüler einen Einblick, wie sie hilflosen Personen helfen, ruhig bleiben und Hilfe holen können. Immer wieder stellt Jörg Werth Fragen, viele davon werden überraschend präzise beantwortet - Werths Augen leuchten bei jeder richtigen Antwort auf.

„Wie erkenne ich denn, ob jemand atmet“, will er als nächstes wissen. „Ich halte mein Ohr über den Mund und kann es hören“, ruft ein Junge. „Oder den Atem fühlen“, ergänzt ein Mädchen, „oder sehen, wie sich der Bauch bewegt“.

Das Innenleben eines Defibrillators

Als nächstes holt der Übungsleiter einen Defibrillator heraus und will wissen, ob jemand so einen schon mal gesehen hat. Am Sportplatz und beim Edeka gibt es einen, soviel wissen die Kinder. Werth zeigt das Innenleben des Gerätes und erklärt: „Ihr könnt hiermit gar nichts falsch machen. Der Defibrillator sagt euch, was ihr als nächstes tun müsst - Kleidung entfernen, Elektroden wie auf dem Bild anbringen. Und den Körper nicht berühren, wenn ihr einen Stromstoß auslöst.“

Die 4 „K‘s“

Im nächsten Schritt geht es um die vier „K’s“, die daran erinnern, in welcher Reihenfolge man jemanden in die stabile Seitenlage bringt: Kaktus, Kuscheln, Knie, Kopf.

Annika winkelt den rechten Arm eines scheinbar Verletzten wie bei einem Kaktus ab. Sie legt die Hand seines anderen Arms zum Kuscheln an die gegenüberliegende Wange, stellt ein Knie auf und dreht den Patienten vorsichtig auf die Seite. Zum Schluss überstreckt sie seinen Kopf.

Wundreinigung und sterile Verpackung

Auch die Wundreinigung und -versorgung, der Umgang mit Verstauchungen oder Brüchen und der Inhalt des Verbandskastens werden besprochen. Die Kinder berichten von ihren eigenen Erfahrungen und erstaunen den erfahrenen Sanitäter immer wieder mit ihrem Fachwissen.

„Die in Papier verpackten Sachen sind steril“, weiß Mike. Ein Mädchen erklärt die Wirkung der goldenen und silbernen Farbe der Rettungsdecke, während Clara das Anlegen eines Verbandes ausprobieren darf.

Zum Abschluss bekommen die OGS-Schüler noch zwei Hausaufgaben mit auf den Weg: Schauen, wo im Dorf Defibrillatoren hängen und nachsehen, wo im Auto der Eltern der Verbandskasten steckt.

Auch interessant

Kommentare