Gemeinde Ense ehrt den "Enser Warenkorb"

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Im Kreise von Vertretern aus Politik und Verwaltung nahmen Horst-Peter Robert, Doris Keysselitz und Johannes Weber (vorne zweiter bis vierter von links) die Ehrung für den „Enser Warenkorb“ gestern Abend entgegen.

Höingen – „Wir können alle froh sein, dass unsere Gemeinde Sie als Bürgerinnen und Bürger hat.“ Bürgermeister Hubert Wegener sparte nicht mit Lob.

Ganz im Gegenteil: „Wir wollen diesen Dank auch in die Öffentlichkeit bringen und Ihre Verdienste ins Rampenlicht stellen. Gleichzeitig wollen wir mit diesem Abend und der damit verbundenen Ehrung Ihnen zeigen, welch’ außerordentliches Maß an Hochachtung wir Ihrem Engagement entgegenbringen. Neben dem herzlichen Dank gilt Ihnen ebenso mein Respekt vor Ihrer Leistung.“ 

Und gemeint waren damit die regelmäßig für den Verein „Enser Warenkorb“ unter der Federführung von Doris Keysselitz tätigen Frauen und Männer. Ihnen galt die seit 1983 jeweils am 1. April durchgeführte Ehrung verdienstvoller Persönlichkeiten oder besonderer ehrenamtlicher Tätigkeiten in der Gemeinde Ense.

Dabei ließ Bürgermeister Hubert Wegener in seiner Ansprache am Montagabend im Steakhaus Schwarze in Höingen zunächst Zahlen sprechen. So werden heute 600 Kunden im „Enser Warenkorb“ gezählt, davon 200 aus Wickede. Pro Ausgabetermin werden durchschnittlich 40 Bedarfsgemeinschaften bedient, darunter viele Alleinstehende und Familien mit 200 Kindern. 

Begonnen hatte die „Erfolgsgeschichte“ des „Enser Warenkorbs“ dabei im Sommer 2010. So habe Doris Keysselitz die Idee, eine Tafel in Ense für bedürftige Bürger einzurichten, ins Rathaus getragen und von Erfahrungen ihrer Schwägerin berichtet, die die ‘Würseler Tafel’ damals leitete. Und Doris Keysselitz, so Hubert Wegener, habe die Ansicht vertreten, ein solches Angebot auch in Ense einzurichten, um das soziale Hilfs- und Unterstützungsangebot vor Ort zu erweitern. „Die Idee fand Zustimmung, besonders bei der Sozialarbeiterin Brigitte Kösling“, erinnerte Bürgermeister Hubert Wegener.

Hinsichtlich der Räumlichkeit boten sich Kapazitäten im ehemaligen Schlecker-Markt in Bremen an. „Im Schutz von Kirche und Heimathaus ist dies ein idealer Ort, um den Besuchern den nötigen Schutz und die Anonymität zu geben.“ Gleichzeitig bestehe eine gute Erreichbarkeit durch die zentrale Lage. Die Nähe zum Rathaus sei zusätzlich von Vorteil. „Ich kann mich auch noch gut erinnern, wie ich damals gemeinsam mit Doris Keysselitz zur Prüfung, wie eine ‘Tafel’ eingerichtet werden kann, die ‘Arnsberger Tafel’ besucht habe. Von der tollen Leistung, die dort erbracht wurde, waren wir vollauf begeistert“, so Hubert Wegener. Als man dann berichtete, in Ense auch eine Tafel gründen zu wollen, „kam das Dilemma“.

Denn „die ‘Tafeln’ haben Gebietsschutz, und von Arnsberger Seite wurde einer ‘Tafel’ in Ense nicht zugestimmt.“ Aber: Mit dem Einfallsreichtum der Personen, die in Ense dieses Sozialangebot einrichten wollten, habe man wohl in Arnsberg nicht gerechnet, so Hubert Wegener weiter. Kurzerhand nämlich wurde der Verein „Enser Warenkorb“ gegründet und dieses soziale Angebot umgesetzt. Allerdings konnten die Vergünstigungen, die „Tafeln“ in Deutschland erhalten, nicht für den „Enser Warenkorb“ genutzt werden. „Das hat den Anfang auch sicher nicht erleichtert. Trotzdem sei ein sehr erfolgreicher Start hingelegt und aus der damaligen kleinen Pflanze ein großer Baum geworden.

Gleichwohl: „Das Handeln der Verantwortlichen in der ‘Arnsberger Tafel’ fand ich damals nicht besonders human und hätte mir bei dem angestrebten Ziel, das dieses Sozialangebot mit der Hilfe für Mitmenschen vor Augen hat, eine andere Unterstützung im Sinne der Menschlichkeit gewünscht“, so Hubert Wegener.

 Indes: „Heute können wir sagen, dass der ‘Warenkorb’ unabhängig von den ‘Tafeln’ ist und selbstständig und selbstbestimmend arbeiten kann. Ihre Institution ist von Anfang an sehr gut in Ense angenommen worden, sowohl von der Kundschaft wie auch von Menschen, Geschäften und Unternehmen, die Geld und Waren spenden.“ Doris Keysselitz sei es gelungen, in kurzer Zeit und bis heute einen tragfähigen Mitarbeiterstamm aufzubauen.

Seit der Gründungsversammlung am 1. Dezember 2010 in der „Alten Post“ in Bremen hat sich die Mitgliederzahl des Vereins auf 130 erhöht. Wurden zu Beginn die Waren mit den Privatfahrzeugen eingesammelt, stehen heute zwei Fahrzeuge zur Verfügung, davon ein Kühlfahrzeug. „Die Hilfe, die Sie – liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ‘Enser Warenkorbs’ - für die Menschen aus unserem eigenen Umfeld erbringen, würde es nicht geben, wenn Sie für diese Tätigkeit nicht Ihre Freizeit opfern. Und ihre Kunden leben sicherlich nicht an der Sonnenseite dieser Gesellschaft. Eine kommunale oder staatliche Organisation könnte das nicht leisten. Diese Unterstützung würde es einfach nicht geben“, fand Bürgermeister Hubert Wegener deutliche Worte. „So ist es auch nur selbstverständlich, dass Ihr Wirken weiterhin unterstützt wird. Ihrem Handeln dürfen wir nicht im Wege stehen, sondern im Gegenteil; wir müssen Sie animieren, Ihre Arbeit fortzusetzen. Sie entwickeln eine Einsatzbereitschaft und zeigen ein Potential auf diesem Tätigkeitsfeld, wie es das in Ense nicht ein zweites Mal gibt und von einer großen sozialen Verantwortung geprägt ist. Nur mit der Begeisterung und Leidenschaft, die Sie wöchentlich erbringen, ist dieser Erfolg möglich“, so Hubert Wegener. „Der ‘Enser Warenkorb’ ist zu einem Erfolgsmodell von Ense geworden und aus der sozialen Landschaft nicht mehr wegzudenken.“ 

Als äußeres Zeichen des Dankes und der Anerkennung überreichte Bürgermeister Hubert Wegener dem Verein eine Urkunde und der „Ideengeberin und Vorsitzenden, Doris Keysselitz,“ Blumen.

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