Corona-Krise

Gastronom rechnet mit deutlichem Umsatzeinbruch im Dezember - „Weihnachtsfeiern finden nicht statt“

Gastronom Hans Bauten hat ein ganzes Archiv an alten Bildern – viele zeigt er in seiner Gaststätte.
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Gastronom Hans Bauten hat ein ganzes Archiv an alten Bildern – viele zeigt er in seiner Gaststätte.

Dem Lockdown im März und April konnte Hans Bauten, Eigentümer der Gaststätte Himmelpforten in Niederense, noch positive Aspekte abgewinnen. „Es gab ruhige Tage mit der Familie. Wir konnten endlich mal zusammen abends vorm Fernseher sitzen“, sagt Bauten. Außerdem habe man die Zeit genutzt, um die eine oder andere kleine Baustelle abzuarbeiten – unter anderem konnte das „kleine Zimmerchen“ renoviert werden. Mehr als sechs Monate später ist noch immer kein Ende der Pandemie in Sicht – in der anstehenden Weihnachtszeit fürchtet Hans Bauten mit Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent.

Niederense - „Normalerweise haben wir an den beiden Weihnachtsfeiertagen zwischen 220 und 230 Gästen, in diesem Jahr werden es 85 Gäste, wenn es optimal läuft“, rechnet der Gastronom vor. Die bestehenden Hygiene- und Abstandsregeln lassen nichts anderes zu. Bauten hat Verständnis, ärgert sich aber über schwarze Schafe in der Branche. Dreimal sei er in der Corona-Zeit in einem Restaurant gewesen, dreimal seien die Hygieneregeln nicht vollends umgesetzt worden.

Fehlende Weihnachtsfeiern

Hans Bauten, der normalerweise in der Gaststätte Himmelpforten Gesellschaften mit bis zu 100 Personen bewirtet, fehlen vor allem die Weihnachtsfeiern. „Das Geschäft ist tot“, sagt er, denn keine größere Gruppe habe sich bislang angekündigt. „Es sind höchstens kleine Tische, ein Handwerker mit seinen zwei Angestellten oder Ähnliches.“ Auch der ausgefallene Allerheiligenmarkt treffe die Gastro-Familie, die normalerweise mit einem Getränkestand auf dem Markt vertreten war.

Einzig das À-la-carte-Geschäft laufe einigermaßen ordentlich. Während der Corona-Pandemie hat sich Bauten dazu entschieden, einen zweiten Ruhetag einzuführen. Mittlerweile ist die traditionsreiche Gaststätte, die sich seit 1958 in Besitz der Familie Bauten befindet, nicht mehr nur dienstags geschlossen, sondern auch montags.

„Wer kennt die Männer auf diesem Bild?“, wollte Hans Bauten im September wissen, jetzt hat er die Namen der Runde zusammen: Das Foto zeigt (von links) Anton Hartmann, Wilhelm Feldmann, Bernhard Nordhoff, Franz Wilmes, Josef Wuppke (Schiermeister), Josef Fischer und Wilhelm Hellmann.

Neben einer festangestellten Kellnerin stehen Hans Bauten einige Aushilfen zur Verfügung, „ansonsten erledigen wir alles in Eigenleistung“, sagt Bauten. Zum Glück sei die Familie handwerklich begabt, erklärt er.

Altes Bild

Dass sich Hans Bauten auf seine Gäste verlassen kann, hat sich im vergangenen Monat gezeigt. Bauten hatte in einem alten Fotoalbum ein Bild mit einer siebenköpfigen Männerrunde gefunden und dazu genutzt, Corona-bedingt für seinen Biergarten zu werben. Im Anzeiger stellte Bauten die Frage „Wer sind die Männer auf diesem Bild?“. Mit Erfolg – „am Donnerstagmorgen haben wir den letzten Namen herausgefunden“, freut sich der 50-Jährige. Die Namen hat sich Bauten notiert, um später die Aufnahme, die auch im „kleinen Zimmerchen“ einen Platz gefunden hat, zu beschriften. Für Vater Franz Bauten braucht es den kleinen Notizzettel nicht. Er hat die Namen verinnerlicht. Allerdings ist noch immer offen, wann die Aufnahmen überhaupt entstanden sei. „Wohl in der Nachkriegszeit“, sagt Franz Bauten. Bei den Mützen der Männer handele es sich nicht um die Kleidung des Musikvereins, hat Hans Bauten bei einem alten Musiker erfahren, sondern um die Kopfbedeckungen eines Kegelvereins.

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