50 Jahre Himmelpforten

„Es gäbe keine schönere Heimat“: Heimatverein Niederense feiert Jubiläum

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Museumsleiter Franz-Josef Lutter hat einen hervorragenden Überblick über die zahlreichen Exponate, die die Geschichte von Niederense eindrucksvoll dokumentieren.

Niederense - Ein halbes Jahrhundert ist es bereits her, dass aus dem vom Gemeinderat gebildeten Ausschuss für Heimatpflege der Verein für Geschichte und Heimatpflege Niederense-Himmelpforten wurde.

Das will der Vorstand nun mit allen Mitgliedern sowie zahlreichen Gästen feiern: An diesem Wochenende wartet ein traditionsreiches Jubiläums-Programm zum 50-jährigen Bestehen, das allerdings auch einige Überraschungen verspricht. 

Der 1. Vorsitzende, Bernhard Söbbeler, ist seit 1989 im Verein – rund 30 Jahre. Er nennt Niederense schon lange seine Heimat. „Heimat muss nicht da sein, wo ich geboren bin“, so der 66-Jährige. „Es ist vielmehr das, wovon du erst merkst, was es ist, wenn du es nicht mehr hast.“ Heimat müsse man sich auch erarbeiten. Sie sei für ihn „da, wo ich gerne bin“ und „da, wo du hingehörst“. 

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Franz-Josef Spitthoff ist in Bremen geboren, wohnt seit 50 Jahren aber in Oberense. Der 2. Vorsitzende sagt: „Heimat ist, wenn ich mich freue, nach Hause zu kommen und alte Freunde wiederzutreffen. Für mich ist Heimat, wenn ich von einer Reise zurückkehre und das NRW-Schild sehe.“ Der 55-Jährige vergleicht Ense gern mit Europa: „Wir müssen die Gemeinde zusammenhalten und dabei die jeweilige dörfliche Identität erhalten. Dabei geht es aber nur gemeinsam, sonst kann man nichts bewegen.“ Bernhard Söbbeler betont auch, dass das Kirchturmdenken in den vergangenen Jahrzehnten zum Glück nachgelassen habe. 

Vieles schläft ein

„Je älter man wird, desto wichtiger wird einem auch die Infrastruktur eines Ortes“, erklärt Franz-Josef Spitthoff, weshalb er nicht unbedingt an Ense gebunden sei. Bernhard Söbbeler stellt fest: „Obwohl vieles im Moment einschläft, gäbe es meiner Meinung nach trotzdem keine schönere Heimat. Ich fühle mich hier wohl.“ Es sei toll zu sehen, dass es noch Traditionen wie das Osterfeuer oder Messdiener-Zeltlager gibt. 

Zu Ense als Heimat gehöre vor allem die Natur, die „Flora und Fauna, die die Gemeinde umgibt“. Wichtig ist für Franz-Josef Spitthoff auch das offene Empfangen von Fremden: „Wir müssen Türöffner sein, indem wir Auswärtige zum Beispiel mit aufs Schützenfest nehmen. Es gibt keinen Grund, Abstand zu halten.“ Auch Bernhard Söbbeler appelliert: „Wir können Kinder nur im Dorf halten, wenn wir es zu ihrer Heimat machen, damit sie nicht in Metropolen gehen.“ In ihrer Kindheit haben die beiden in der Möhne das Schwimmen gelernt, ein Floß gebaut und „viel Blödsinn gemacht“. 

"Hier groß geworden"

„Das gehört dazu, wir sind hier groß geworden“, sagt Franz-Josef Spitthoff, der sich immer gern an das Budenbauen im Wald, den alten Sportplatz in Himmelpforten und auch an den Freundschaftsklub FC Süd erinnert. Immer wieder geht es dabei um die Möhne – „Das war sensationell, nicht wegzudenken. Heute wäre sie für die Kids langweilig und für die Eltern hochgefährlich.“ Es ging mit Rad oder zu Fuß zur Schule, der Steinbruch diente als „großer Jugendspielplatz“. Zu Niederense gehöre neben dem Kloster, ohne das der Ort nicht wäre, was er ist, das Gedenken an die Möhnekatastrophe. 

Jubiläum: Franz-Josef Spitthoff und Bernhard Söbbeler blicken auf 50-jähriges Vereinsbestehen zurück.

Vieles hat sich verändert. Heute gibt es in Niederense nur noch drei Gaststätten, „das waren mal deutlich mehr“. Eine Bäckerei hat das Dorf gar nicht mehr, dabei waren es einst vier. Ein Eiswagen fuhr durch die Gegend und „die Kommunikation im Dorf war besser“. Das habe sich laut Franz-Josef Spitthoff radikal verschlechtert. Er beklagt: „Viele Neubürger wohnen einfach nur hier und nehmen nicht am sozialen Leben teil.“ Klar sei aber auch: „Früher war nicht alles besser.“ So sei beispielsweise die Edeka-Ansiedlung eine positive Entwicklung. „Uns allen geht es wirtschaftlich besser, auch wenn uns früher nichts gefehlt hat.“ 

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Man sei sich bewusst, dass der Heimatverein „längst kein Verein mehr für Jugendliche ist“. Das würden die Vorsitzenden zwar gern ändern, wissen aber noch nicht wie. „Wir haben noch nicht herausgefunden, wie wir uns für die nächste Generation attraktiv gestalten können.“ Das Heimatmuseum habe keinen Eventcharakter. Das könnte sich bei einer Veranstaltung wie der Jubiläumsfeier ändern. 

Am Samstag ist um 13 Uhr Treffen am Museum, danach geht es zum Schnadegang mit allen Bräuchen, die dazugehören. Nach der Rückkehr gibt es Kaffee und Kuchen bei der Eröffnung der Sonderausstellung zum Thema „Kloster Himmelpforten“ in der schon renovierten St.-Anna-Kapelle. Mit dabei sind neu erhaltene Exponate, unter anderem Messgewand, Monstranz sowie Heiligenfiguren. Außerdem gibt es Informationen zur Möhnekatastrophe, veranschaulicht durch alte Seeminen aus dem zweiten Weltkrieg. Am Abend ist ein gemütlicher Ausklang vorgesehen, ehe am Sonntag ein Frühschoppen bis 14 Uhr ansteht. Die Ausstellung ist auch am Sonntag noch geöffnet.

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