Schwerer Raub

Ex-Enser wegen Überfall auf Bäckerei vor Gericht

Am 17. Mai verhandelt die 2. Große Strafkammer des Arnsberger Amtsgerichts gegen einen 28-jährigen Sauerländer.
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Am 17. Mai verhandelt die 2. Große Strafkammer des Arnsberger Amtsgerichts gegen einen 28-jährigen Sauerländer.

Der Fall liegt schon zweieinhalb Jahre zurück, aber nun packt den mutmaßlichen Täter doch noch der lange Arm der Justiz am Schlafittchen: Am Morgen des 24. Oktober 2018 wurde die Bäckerei Jürgens an der Schützenstraße Tatort eines Überfalls. Der Täter konnte zunächst zwar fliehen, wurde zwischenzeitlich aber gefasst. Am 17. Mai verhandelt die 2. Große Strafkammer des Arnsberger Amtsgerichts in diesem Fall gegen einen 28-jährigen Sauerländer.

Höingen – Die Anklage lautet auf „schweren Raub“. Dem Mann wird vorgeworfen, an jenem Morgen gegen 6.25 Uhr vermummt mit einer schwarzen Kapuze, einem Schal über der Nase und bewaffnet mit einem ungefähr 30 Zentimeter langen Messer die Bäckerei betreten und das Messer sichtbar für die Verkäuferin gehalten zu haben. Er soll sodann das Messer höher gehalten und einen Schritt auf die Verkäuferin bis zu einer Distanz von circa 60 bis 70 Zentimeter zugegangen sein und sich 95 Euro in Scheinen aus der Kasse genommen haben.

Ex-Enser vor Gericht: Mit Beute zu Fuß geflohen

Im Polizeibericht hieß es damals: „Mit der Beute floh er zu Fuß in Richtung Kirchplatz. Ein aufmerksamer Zeuge beobachtete, wie der Täter weiter auf dem Winnenweg lief. Im Bereich der Gemeinschaftsgrundschule verlor sich seine Spur.“ Mit mehreren Streifenwagen verfolgte ihn die Polizei, jedoch ohne Erfolg. Die Bäckerei beschrieb ihn in einem Facebook-Beitrag als „männlich, nicht sehr groß, deutsch sprechend, auffallend blaue Augen“. Bereits im Januar 2019 deutete die Staatsanwaltschaft dem Anzeiger gegenüber an, einen tatverdächtigen Enser ermittelt zu haben, der die Tat jedoch abstritt. Ob er auch heute noch auf seine Unschuld pocht, wird sich am kommenden Montag zeigen.

Auf Anfrage bestätigte sie nun, dass es sich bei dem Angeklagten um genau jenen Mann handele, der zwischenzeitlich aber ins Sauerland umgezogen sei. Dass die Sache erst jetzt verhandelt werde, habe mehrere Gründe: Zum einen sah das Gericht keinen Anlass, ihn in Untersuchungshaft zu nehmen, sah also weder die Gefahr, dass er flieht, Beweismittel vernichten kann oder erneut zuschlägt. Wäre er in U-Haft genommen worden, hätte der Fall priorisiert innerhalb weniger Monate verhandelt werden müssen.

Ex-Enser vor Gericht: Das ist das Strafmaß

Vor allem aber sollte die Angelegenheit zunächst vors Amtsgericht. Das monierte jedoch zu Recht, dass das zu erwartende Strafmaß seine Kompetenzen sprenge: Mehr als vier Jahre Gefängnis kann ein Amtsgericht nicht verhängen. Selbst das stünde bereits in keinem Verhältnis zur mageren Beute. Das zu erwartende Strafmaß dagegen liegt aber noch einmal deutlich darüber: Schwerer Raub wird laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren bestraft, „wenn eine Waffe, ein gefährliches Werkzeug, sonst ein Werkzeug oder Mittel mitgeführt wird, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden oder eine Person in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung gebracht wurde“. Dem Angeklagten drohen sogar mindestens fünf Jahre Gefängnis, wenn er die Waffe auch „verwendet“, so der juristische Fachterminus. Darunter fallen auch bereits das Zücken des Messers und das Bedrohen der Verkäuferin, ohne sie damit auch nur zu berühren.

Ganz gleich, welche strafschärfenden oder -mildernden Umstände wie Vorstrafen oder Reue das Gericht in seinem Urteil auch berücksichtigen mag, eine Bewährung ist im Falle eines Schuldspruchs wohl ausgeschlossen, denn grundsätzlich können nur Freiheitsstrafen von weniger als zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Und dass das Gericht zu der Erkenntnis kommt, dass es sich doch nur um einen minderschweren Raub gehandelt haben könnte, ist aufgrund des Einsatzes des Messers so gut wie ausgeschlossen.

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