Ense feiert 50. Geburtstag mit großem Festakt

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Als Ehrengäste begrüßte Bürgermeister Hubert Wegener (zweiter von rechts) Bernard Pruneau aus Eleu, Waldemar Bug aus Burkardroth, Landrätin Eva Irrgang und RP Josef Vogel (von links).

Niederense – Dem Blick zurück folgte der Auftrag für die Zukunft.

Denn auch wenn beim Festakt zum Auftakt der Feierlichkeiten aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Gemeinde Ense am Freitagabend in der Niederenser Hubertushalle Bürgermeister Hubert Wegener der Stolz über das Erreichte in den vergangenen fünf Jahrzehnten anzumerken war, so ließ er in seiner Begrüßungsrede an einem keinen Zweifel: Das bisher so erfolgreiche „Wirken brauchen wir auch in der Zukunft. Das ist demokratische Kultur. Verantwortung übernehmen und sich mit seinen eigenen Möglichkeiten und Kräften einbringen. Wir alle sind aufgefordert, das fortzusetzen, was die vorangegangene Generation gestaltet hat. Und unsere Pflicht ist, auch, die jüngeren Leute in unsere Gemeinde einzubinden.“ 

Worte, die am Ende mit reichlich Beifall von den weit über 500 geladenen Gästen bedacht wurden. Und die rasch vergessen ließen, dass Ministerin Ina Scharrenbach ihren Besuch kurzfristig hatte absagen müssen. 

Wobei zu der Feier weitaus mehr als die 580 Einladungen hätten ausgesprochen werden können, so Hubert Wegener. Allerdings hätten Kapazitätsgründe dagegen gesprochen. Denn schon so war auch der letzte Platz in der Niederenser Hubertushalle gestern Abend besetzt. Zu den Gästen zählten auch die Partner- bzw. Freundschaftskommunen aus Eleu und Burkardroth, die durch ihre Bürgermeister und jeweils kleine Delegationen  vertreten waren. Und sie alle erinnerte Bürgermeister Hubert Wegener daran, dass – wie in vielen anderen Regionen auch – die Kommunalreform mit der Gründung der Gemeinde Ense „ziemlich holprig“ gewesen sei. Die einzelnen Dörfer seien sich nicht einig gewesen. „Lüttringen und Höingen zögerten, und Niederense wollte nach Neheim. Ich bin mir sicher, dass in der Zeit an vielen Theken laut und kontrovers über den Zusammenschluss diskutiert wurde. Da hätte ich gerne einmal zugehört“, so Hubert Wegener. Aber nachdem in Düsseldorf ein Machtwort gesprochen worden sei, hätten „alle nach vorne geschaut und an einer erfolgreichen Zukunft gebastelt.“ 

Und gerade in Ense erlebten Bürger hautnah, wie sich Entscheidungen auswirken, die auf höchster Ebene getroffen wurden. „Hier ist die Basis der Demokratie und findet das reale Leben statt. Die Enser haben es schnell gelernt, sich mit ihrer Gemeinde zu identifizieren“, zog der Verwaltungschef Bilanz. Das erlebe man nicht nur bei den vielen Veranstaltungen und bei den rund 100 Vereinen, sondern auch bei den politischen Vertretern im Gemeinderat bzw. den Ausschüssen. Intensiv werde diskutiert. „Egal, welche Probleme zu lösen sind, immer geht es um die Sache.“

Diesem Umstand sei es auch zu verdanken, dass sich die Gemeinde kontinuierlich positiv entwickelt habe und bei der Bevölkerung großen Zuspruch erfahre. „Ense und die Ortsteile sind ihre Heimat. Sie fühlen sich mit ihr verbunden und sind dafür bereit, sich für die Allgemeinheit und damit zum Wohle der Gemeinde einzusetzen.“ Ein gutes Beispiel sei das Flüchtlingswesen. Anfang der 80er-Jahre seien die ersten Asylbewerber gekommen. „Sie fielen nicht groß auf.“ Für die Mitarbeiter in der Verwaltung sei das eine neue Erfahrung gewesen. „Aber insgesamt war alles unauffällig.“ Um 1990, mit der zusätzlichen Aufnahme von Aus- und Übersiedlern, sei es schwieriger geworden. „Und teilweise reichten die Betten in den Übergangsheimen nicht mehr aus.“ Eine große Herausforderung sei dann 2015 auf die Gemeinde zugekommen. „50 neue Flüchtlinge monatlich über vier Monate. Es fanden Sondersitzungen des Gemeinderates statt. Kurzer Hand wurden 1,7 Millionen Euro in Gebäude investiert. Aber das Allerbeste und Bemerkenswerteste war die Gründung des Vereins ‘Flüchtlinge werden Nachbarn in Ense’. Sofort wurde auf ehrenamtlicher Basis die Integration gestartet und mit großem Erfolg bis heute fortgeführt“, rief der Verwaltungschef in Erinnerung. Und: „Wenn es darauf ankommt, packen die Enser an. Es gibt noch viele weitere Beispiele, wie die Gründung des FC Ense oder die Unterhaltung und Bewirtschaftung der sieben im Eigentum der Schützenbruderschaften super ausgestatteten Schützenhallen. Sie können es heute hier selbst erleben.“ Aber auch in den sozialen und kulturellen Bereichen gebe es hervorragende Beispiele.

Vor diesem Hintergrund wolle man an diesem Wochenende „unser Jubiläum feiern, und ich hoffe, dass alle mitmachen. Wir haben es uns verdient.“ Waldemar Burg, Bürgermeister aus Burkhardroth, sprach der gesamten Gemeinde Ense einen Glückwunsch zum 50. Geburtstag aus und ging auf die Unterschiede der Gebietsreform ein, die in seiner Heimat drei Jahre später stattgeunden habe. „Unsere zunächst zehn Dörfer fanden sich 1972 zusammen. Die Markt Burkardroth in seiner heutigen Gestalt ergab sich dann mit sanftem politischem Druck erst im Jahre 1978.“ Zeit und Fortschritt seien seither unaufhaltsam. Und „so jährt sich in diesem Jahr auch die Freundschaft zwischen der Gemeinde Ense und dem Markt Burkardroth zum 30. Mal.“ Die am 8. April 1989 unterzeichneten Freundschaftsurkunden tragen die Unterschriften der beiden „Bürgermeister-Großväter“, Clemens Tillmann und Rudolf Rost, so Waldemar Bug. 

Interessant und damit auch wertvoll sei die Entwicklung der beiden Kommunen. Hätten die Einwohnerzahlen zum Zeitpunkt der Gebietsreformen noch nahe beieinander gelegen, so sei Ense zwischenzeitlich um das eineinhalbfache gewachsen, während sich diese Zahlen im Markt Burkardroth „eher rückwärts bewegt haben.“ Dies zeige den Unterschied zwischen „einer Kommune im Nahbereich einer Metropolregion und einer Kommune mittig, aber trotzdem abgelegen, zwischen den Wirtschaftsregionen der Großräume Frankfurt, Nürnberg sowie Mittelthüringen. Und zudem eingebettet in ein umfangreiches Werk von Schutzgebieten jeglicher Art.“ Trotz der unterschiedlichen Entwicklung, glaubt Waldemar Bug, „sind die Sorgen und Nöte in beiden Kommunen sehr ähnlich. Und das macht unsere Freundschaft mit Ense so interessant.“ Insofern freue er sich, auf das 30-jährige Bestehen dieser Freundschaft anstoßen zu dürfen und wünsche einen weiterhin „fruchtbaren Austausch auf der kommunalen Ebene, aber auch zwischen den zahlreichen persönlichen Freundschaften unter unseren Bürgern.“ Bernard Pruneau, Bürgermeister der Gemeinde Eleu-dit-Leauwette, verglich das 50-jährige Bestehen der Gemeinde Ense mit dem Fest der Goldenen Hochzeit. Wie ein Ehepaar feiere man in Ense an diesem Wochenende die Vereinigung von 14 Gemeinden. „Meiner bescheidenen Meinung nach ist diese Gemeinschaft ein wirksames Instrument, mit dem man besser zusammenarbeiten, die Bedürfnisse der einzelnen Kommunen besser einschätzen, einen Geist der Zusammenarbeit entwickeln und die kommunalen Ressourcen bündeln kann.“ Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, um eine Parallele zur Städtepartnerschaft zu ziehen, „die aufgrund ihrer Struktur zwei Nationalitäten und Sprachen vereint und durch ihren Austausch die Menschen einander näher bringt, sich entdecken und schätzen lässt.“ 30 Jahre seien vergangen, seit diese Partnerschaft unterzeichnet wurde „Und ich hoffe aufrichtig, dass sie noch sehr lange bestehen bleibt.“

Großes Lob zollte Regierungspräsident Hans-Josef Vogel, der in Vertretung für Ministerin Ina Scharrenbach die Festrede hielt, der Gemeinde. „Ense hat immer positiv nach vorne geschaut, die Ärmel hoch gekrempelt und Stück für Stück die Gemeinde zur Gemeinde für die Bürger gemacht.“ Eines der Erfolgsgeheimnisse sei die frühe Öffnung für Industrie und Gewerbe. Und er nannte fünf Gründe für die „Erfolgsgeschichte Ense“: die über 1 000 Jahre alte, gemeinsame Geschichte; der Weg hin zur produktiven Wirtschaftsgemeinde; die Entwicklung zur Gemeinde als „Heimatmacher“ und zur „Gemeinde der Erneuerbaren Energien“; sowie das „finanzstarke Ense“. Und der Regierungspräsident riet: „Bleiben Sie so.“ 

Moderiert wurde der Abend von Bernd Thiekötter. Die „Bilmer TonArt“, die „Frischlinge“, und „Young generation“ sorgten für die musikalische Unterhaltung.

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