Fernsehserie weckt Berufswunsch

Die Doktorin und das liebe Vieh

Tierarztbegleithund Rudi mit Lieblingsspielzeug und Dr. Katharina Krummel
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Tierarztbegleithund Rudi mit seinem Lieblingsspielzeug und seinem Lieblingsmenschen Dr. Katharina Krummel.

Dr. Katharina Krummel blickt auf ein Jahr als Kleintierärztin in Ense zurück. Eine legendäre TV-Serie weckte ihr Interesse an dem Beruf.

Ense - Es gibt Szenen, da möchte man allem Ruhm und Reichtum zum Trotz mit einem Schauspieler nicht tauschen müssen. Wie mit jenen britischen Mimen, die als Tierärzte in der legendären TV-Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“ des Öfteren den kompletten Arm im After einer echten Kuh versenken mussten.

Ganz anders Katharina Krummel: Während manch Jugendlicher bei dem Anblick seine Pläne, vielleicht Tierarzt zu werden, komplett über den Misthaufen geworfen haben mag, meint sie rückblickend: „Die Serie, die Romanvorlagen und uns eigenen Haustiere haben mich angefixt. Ich habe das immer mit meinem Vater geschaut. Und eigentlich wollte ich tatsächlich eine Weile lang Rindertierärztin werden und habe in dem Bereich auch meine Doktorarbeit geschrieben.“

Dabei kennt sie die Serie nur aus Wiederholungen: Als die Serie abgesetzt wurde, war die gebürtige Höingerin gerade erst vier Jahre alt – da standen weniger Milchkühe als Teddybären im Fokus. Und während sich später ihre Altersgenossen eher für die Abenteuer eines animierten Schwamms in kurzen Hosen begeisterten, verfolgte sie im Nachmittagsfernsehen die Erlebnisse des Landtierarztes James Herriot.

31 Jahre später blickt sie auf das erste Jahr als Nachfolgerin von Dr. Maren Neumann-Aukthun zurück, die ihre Praxis aus gesundheitlichen Gründen im September 2020 hatte aufgeben müssen.

„Die Kundschaft hat sich etwas umstrukturiert“, räumt sie ein. Zwar seien neue Kunden hinzugekommen, doch habe der eine oder die andere doch zu sehr an ihrer Vorgängerin gehangen und sich umorientiert – zumal kaum jemand die „Neue“ nach ihrem tatsächlichen Alter fragen dürfte. Denn mit Mitte 30 geht sie locker für Mitte 20 durch, wirkt also auch fälschlicherweise als unerfahrener Jungspund im Vergleich zur Vorgängerin mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung. Dabei arbeitete sie nach ihrem Studium neun Jahre lang in einer großen Mendener Praxis, „dort hat man mich wohl anfangs noch gefragt: Was willst Du denn werden, wenn Du mal groß bist?“ Dann hörte sie, dass in der Heimat eine bestehende Praxis zur Übernahme bereitstand.

„Dorftierarzt zu sein, ist schon schöner als eher anonym in einer Großstadt zu arbeiten“, fühlt sie sich auf dem Land genau richtig aufgehoben, „Und die Arbeit mit kleinen Tieren macht mir doch mehr Spaß, als ich anfangs dachte.“ Das sieht man ihr auch im Umgang mit ihrem neunjährigen Hund Rudi an. Der quirlige Rüde aus dem Tierschutz hat nur Unsinn im Kopf und hält die ganze Truppe bei Laune.

Mit ihrem vierköpfigen Team habe sie den Charakter der etablierten Landpraxis erhalten, sie aber dabei dennoch zu ihrer eigenen machen können: „Mittlerweile ist sie im Wachstum begriffen, mein ursprüngliches Team hat sich zunächst um die aushilfsweise Verstärkung durch die Tiermedizinische Fachangestellte Sabine Robbert erweitert, und seit August beschäftige ich meine erste Auszubildende, Jasmin Schäfer, aus Niederense.“

All dies inmitten der Pandemie. Von der war sie allenfalls indirekt betroffen: „Wir mussten nicht schließen, und mehr Menschen legten sich Haustiere zu. Ich konnte lediglich nicht nennenswert werben. Ich hätte ja gerne mal einen Tag der offnen Tür gemacht. Auch jetzt, zum ersten Geburtstag, ist mir das noch immer nicht möglich.“

Stattdessen plant sie einen Fotowettbewerb unter dem Motto #tierischense, zu dem Tierbesitzer ihr schönstes oder Lieblingsbild von ihrem Tier einsenden können: „Unter den Einsendern werden mit einer Fotografin zusammen die Finalisten ausgewählt, aus denen dann in einer Abstimmung auch in den Sozialen Medien die Gewinner ermittelt werden sollen.“ Für die drei besten Fotos solle es Preise geben.

Die Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“ wird derzeit übrigens neu verfilmt. Hier würde Katharina Krummel dagegen ganz bestimmt nicht mit den Darstellern tauschen wollen – denn für Szenen mit inneren Untersuchungen von Kühen wird hier aufgrund geänderter Tierschutzvorschriften nur noch ein künstliches Kuhhinterteil verwendet.

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