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Müllgebühren steigen um 20 Prozent

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Von: Philip Maack

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Auf die Abfuhr warten diese Mülltonnen in Lohne: Für den Service der Abfallabfuhr müssen die Einwohner vom nächsten Jahr an wegen allgemeiner Preissteigerungen mehr zahlen, kündigt der Bürgermeister an.
Die Kosten für die Abfuhr der Mülltonnen steigt auch in Ense. © Peter Dahm

Die Abfallgebühren in Ense steigen. Und zwar deutlich. Fast 20 Prozent mehr müssen die Enser ab 2023 für die Abfuhr ihrer Mülltonnen bezahlen. „Es gab in den letzten Jahren immer wieder Hinweise darauf, dass dieser Punkt kommen würde“, erklärte Nikolaus Windsheimer, beim Kreis Soest zuständig für das Abfallwirtschaftskonzept, dem Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Umwelt. „Wir haben die Rechnung allerdings ohne die aktuellen Entwicklungen gemacht.“ Die Krisen hätten die erforderliche Kostenerhöhung noch mal verschärft.

Ense - Grund für die Erhöhung der Gebühren sind erhebliche Mehrkosten in allen Bereichen des Müllentsorgungsbereichs. Schon in den letzten Jahren sind die Kosten durch immer höhere Umweltauflagen gestiegen. Bis zu diesem Jahr hat der Kreis diese noch durch die Nutzung von finanziellen Rücklagen ausgeglichen. Dafür brachte der Kreis jährlich 6,4 Millionen Euro auf.

Nun aber sinkt diese Summe auf 3 bis 3,5 Millionen Euro. Dazu kommen Mehrkosten von 1,5 Millionen Euro. „Wir mussten etwa unser Bioabfall-System komplett umstellen“, sagte Windsheimer. Statt die Abfälle zu kompostieren wie früher, musste der Kreis eine teure Industrieanlage in Anröchte für die Entsorgung bauen. Immerhin stellt die Anlage auf diese Weise Strom her.

Dazu kostet die Restmüll-Entsorgung jetzt deutlich mehr. Früher verkaufte der Kreis diese Abfälle an Zementwerke, die damit ihre Öfen anfeuerten. Mittlerweile sind die Werke jedoch auf Stoffe aus dem Gelben Sack umgestiegen. „Das ist für die eine wirtschaftliche Entscheidung“, erklärte Windsheimer. „So bekommen sie einen höheren Brennwert für weniger Geld.“ Und der Kreis bleibt auf seinem Restmüll sitzen, muss ihn zu Müllverbrennungsanlagen nach Bielefeld oder Hamm bringen. „Und das kostet eben“, so Windsheimer.

Durch die aktuelle Preisentwicklung werden solche Transportleistungen jedoch ebenfalls teurer. Allein in den letzten Monaten sind die Kosten für die Transporte um 10 bis 12 Prozent gestiegen. „Diese Kostensteigerungen können aber noch durch gewisse Einsparungen kompensiert werden“, sagte Windsheimer. Durch kreiseigene Photovoltaik-Anlagen und das Kompostwerk in Anröchte könne die ESG zum Beispiel höhere Stromerlöse erzielen.

Nicht kompensierbar hingegen ist die im Oktober von der Bundesregierung beschlossene CO2-Bepreisung. Die betrifft nämlich auch die Müllverbrennung – und damit auch die ESG. Damit kommen in den nächsten Jahren rund 873 000 Euro pro Jahr an Kosten dazu. „Diese Regel gilt erst ab 2024“, so Windsheimer. „Doch diese Kosten mussten wir trotzdem jetzt schon berücksichtigen. Deshalb beziehen wir das in die aktuellen Gebührenerhöhungen mit ein.“ Ziel sei es schließlich, bis 2025 die Gebühren nicht noch einmal erhöhen zu müssen.

Damit das gelingt, will der Kreis seine noch vorhandenen Rücklagen – immerhin etwa 10,5 Millionen Euro – einsetzen, um den Effekt auf den Bürger abzuschwächen. Die finanziellen Überschüssen, die die ESG in den nächsten Jahren erzielt, will sie dann ab 2026 dafür nutzen. „Doch uns muss klar sein, dass die goldenen Zeiten, was die Wertstofferlöse angehen, vorbei sind“, stellte Windsheimer fest. Dementsprechend sei es nicht mehr möglich, noch mal solch üppige Rücklagen aufzubauen. „Wir können froh sein, dass wir für die nächsten Jahre noch über solch ein Puffer verfügen.“

Für einen Vier-Personen-Haushalt bedeuten all diese Faktoren eine kreisweite Kostensteigerung ab 2023 von etwa 60 Euro pro Jahr. Dazu kommen noch die Kosten, die auf kommunaler Ebene anfallen. Da die Gemeinde Ense allerdings noch eigene Überschüsse zum Dämpfen der Kosten für ihre Bürger einbringt, fallen diese Zusatzkosten hier weg.

So zahlen die Enser ab dem kommenden Jahr genau 59,81 Euro mehr für ihre Abfallentsorgung. „Wir sprechen hier also von fünf Euro im Monat“, rechnete Windsheimer vor. „Es hält sich also noch im Rahmen. Man sollte auch beachten, dass wir auf 17 Jahre zurückblicken, in denen wir die Gebühren nicht um einen Cent erhöht haben.“

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