Weniger Kunden im Geschäft

Sozialkaufhaus droht das Aus

Denken sogar über die Schließung nach: Hans-Werner Neumann, Georg Bruckner, Wilfried Pater und Carsten Schneider (von links).
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Denken sogar über die Schließung nach: Hans-Werner Neumann, Georg Bruckner, Wilfried Pater und Carsten Schneider (von links).

„Unser Umsatz ist um 70 Prozent zurückgegangen“, klagt Hans-Werner Neumann, Vorsitzender des Vereins Enser Möbel & Mehr. Neumann spricht dabei über das Sozialkaufhaus, das der Verein in Niederense betreibt. Seit Wiedereröffnung nach coronabedingter Schließung bleiben die Kunden aus. Statt 50 Kunden kommen täglich nur noch 15 in das Geschäft, erklärt Hans-Werner Neumann. Dem Sozialkaufhaus steht das Wasser bis zum Hals, selbst die Schließung des Geschäfts hält Neumann für möglich, ändert sich die Situation in den nächsten Monaten nicht dramatisch.

Dabei ist das Lager des Vereins voll. „Jeder hat zu Hause aufgeräumt – es kommt viel rein“, sagt Wilfried Pater vom Verein. „Die Leute stehen mit vollen Kofferräumen vor dem Geschäft und wollen ihre Sachen loswerden.“ Die Vereinsmitglieder müssen dann ablehnen. Dabei kommen die potenziellen Spender auch aus der weiteren Umgebung. „Andere Sozialkaufhäuser haben das gleiche Problem und nehmen auch keine Sachen mehr an“, sagt Neumann mit Blick in die Nachbarschaft. Nimmt der Verein weitere Sachen an, muss zunächst Platz geschaffen werden. „Alles, was wir nicht verkaufen können, müssen wir bei der Deponie in Werl teuer entsorgen“, erklärt Uwe Tasler.

Der Verein bittet Spender sich telefonisch anzukündigen, dann könne man abklären, welche Sachen abgegeben werden können und welche nicht.

„Soziale Dienstleistung erhalten“

Denn auch das Sozialkaufhaus kann sich keine Ladenhüter leisten. „Die Leute suchen junge und moderne Möbel, große Wohnlandschaften zum Beispiel, alte Eichenschränke werden nicht mehr verkauft“, sagt Hans-Werner Neumann.

Der Vorsitzende erklärt, dass auch die anderen Gruppen des Vereins am Sozialkaufhaus mitwirken. So reparieren und überprüfen die handwerklich begabten Helfer des Rapair Cafés die elektronischen Geräte, die an das Kaufhaus gehen.

Bei einem Besuch im Sozialkaufhaus machte Carsten Schneider, Bundespolitiker der SPD, den Ehrenamtlichen Hoffnung auf Hilfe vom Bund. So habe sich der Koalitionsausschuss aus SPD, CDU und CSU auf ein Hilfspaket in Millionenhöhe für Vereine geeinigt. Davon könne auch Enser Möbel & Mehr profitieren. „Wir wollen unsere soziale Dienstleistung unbedingt erhalten“, sagt Hans-Werner Neumann.

Kompletter Kollektionswechsel

Im Kaufhaus soll in wenigen Tagen ein kompletter Kollektionswechsel erfolgen. Die Sommermode fliegt raus, Herbst- und Winterbekleidung hält Einzug. Dazu soll es einen Saison-Schluss-Verkauf unter dem Motto „Alles muss raus“ geben, heißt es vom Verein. Lassen es die Corona-Einschränkungen zu, will der Verein in der Vorweihnachtszeit die Kaffee-Ecke und monatliche Kaffeetafel wieder aufleben lassen.

Bis dahin hoffen die Vereinsmitglieder, dass sich der Publikumsverkehr im Sozialkaufhaus wieder normalisiert.

Info und Kontakt

Das Sozialkaufhaus ist dienstags und donnerstags (14.30 bis 18 Uhr) geöffnet. Wer Gegenstände spenden will, soll sich zuvor bei Georg Bruckner unter Telefon 0159/21212121 melden.

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