"Concordia" in Niederense steht vor der Auflösung

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Für langjährige Treue zur „Concordia“ ehrten Cilly Kampmann (zweite von rechts) und Friedhelm Radine (rechts) Heinz Tölle und Johannes Rohleder für 50-jährige Mitgliedschaft (von links). Alfons Winterpacht gehört dem Chor seit 65 Jahren an.

Niederense - Der Gemischte Chor „Concordia“ Niederense steht vor dem Aus. Nur noch einmal möchte man sich der Öffentlichkeit präsentieren, und zwar beim „Enser Musik- und Gesangfest“ am 23. März. Aber auch nur dann, wenn man singfähig ist.

Insofern war die Generalversammlung am Samstagabend im Gasthaus Himmelpforten eine historische. „Ich hoffe, ihr seid euch bewusst, was ihr gerade miterlebt habt“, so der alte und neue Vorsitzende Friedhelm Radine nach seiner Wahl.

„Denn es war die letzte Wahl eines 1. Vorsitzenden des Gemischten Chores MGV ‘Concordia’ Niederense 1895.“ Es werde, Friedhelm Radine weiter, „in drei Jahren keine neue Wahl mehr geben, aber auch keinen Gemischten Chor ‘Concordia’ mehr.“ So zähle der Chor noch 25 Aktive, davon 13 Personen über 75 Jahre, von diesen sind neun über 80 Jahre alt.

Logische Folge für ihn: Bei den jüngsten Auftritten habe man gespürt, dass der Gesang „recht dünn geworden“ sei. „Man merkt, das ihr euch anstrengen müsst.“ Die schwach besetzten Stimmen erklängen nicht mehr so klar und kräftig „Man hört einzelne Stimmen heraus, und damit ist kein runder Chorklang mehr gegeben.“

Da man als Vorstand und auch als Vorsitzender „den Tatsachen ins Auge sehen“ müsse, sei es an der Zeit, Konsequenzen zu ziehen. Nach 21 Jahren als Vorsitzender glaube er, „den Ist-Zustand des Chores gut genug zu erkennen und zu beurteilen und somit die Weichen für die Zukunft richtigzustellen.“ Von daher habe man am 14. Januar in einer Vorstandssitzung erstmals vom „Ende“ des Chores und vom Aufhören gesprochen und darüber diskutiert. Am 16. Januar habe man Chorleiter Dr. Heinz Gramann informiert und ihn für den 23. Januar zu einer Sitzung eingeladen. Am Nachmittag des 28. Januar habe man Cilly Kampmann, die 2. Vorsitzende, und den Ehrenvorsitzenden Heinz Tölle in seinem Haus über das Vorhaben unterrichtet. Am 30. Januar schließlich wurden die Sänger vorab informiert. 

Mit Blick in die kommenden Wochen kündigte Friedhelm Radine an, dass der Chor beim „Enser Musik- und Gesangfest“ noch einmal auftreten möchte. „Doch nur mit einer Besetzung, die den Anforderungen gerecht wird. Sollte der Chor durch Krankheit oder Abwesenheit einiger Aktiven geschwächt sein, wird es keinen Auftritt geben.“ Die wöchentlichen Mittwochsproben will man aufrechterhalten, auch nach Absprache mit Chorleiter Dr. Heinz Gramann. Weitere Auftritte sind nicht mehr geplant.

Wie die einzelnen Schritte der Auflösung im Laufe des Jahres erfolgen werden, wolle man im Vorstand festlegen und besprechen. „Es werden mit Sicherheit noch einige Vorstandssitzungen nötig sein, um alles in die Wege zu leiten.“ 

Chorleiter Dr. Heinz Gramann sprach am Samstagabend die Hoffnung aus, dass man eine Auflösung des Chores wenigstens noch bis zum Jubiläumsjahr 2020 aufschieben könne und erinnerte an das Konzert in der Niederense Kirche, bei dem der Gemischte Chor mit dem Musikverein und dem Spielmannszug Niederense die Besucher begeistert habe. Auch solle man noch einmal versuchen, weitere Sänger für den Gemischten Chor zu begeistern. Dieser Meinung schlossen sich Meinolf Dohle als Sprecher der Niederenser Ortsvereine und Brudermeister Reinhold Schwane von der Hubertus-Schützenbruderschaft an.

Friedhelm Radine wiederum hält von dem Aufschieben einer Auflösung bis in das kommende Jahr hinein eher wenig und bezeichnete derartige Überlegungen im Anzeiger-Gespräch als „ein Sterben auf Raten“.

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