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Circus Manjana zieht nach zwei Jahren in Ense weiter

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Von: Philip Maack

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Die „Koffer“ sind gepackt, in Bad Sassendorf soll es jetzt für die Familie weitergehen.
Die „Koffer“ sind gepackt, in Bad Sassendorf soll es jetzt für die Familie weitergehen. © Uta Müller

Die Familie Köllner ist 2020 wegen der Corona-Pandemie in Ense gestrandet. Zwei Jahre lang hat sie auf einer Wiese campiert. Jetzt kann ihr Circus endlich weiterziehen.

Bremen – Eine intensive Zeit geht für den Circus Manjana zu Ende. Fast zwei ganze Jahre lang hat die Familie Köllner in Bremen festgesessen.

Die Wiese gegenüber der Conrad-von-Ense-Schule wurde für die Schausteller in dieser Zeit notgedrungen zum Zuhause. Nun aber geht es weiter für die Köllners.

Das Auftrittsverbot trifft den Circus 2020 hart

Am Montag hat die Familie ihre Wagen beladen und sich auf den Weg nach Bad Sassendorf gemacht. „Seit zwei Uhr nachts waren wir damit beschäftigt“, erzählt Direktor Williams Köllner.

Bis in den Nachmittag hinein hat der Umzug mit Sack und Pack gedauert.

Im März 2020 erwischte die Corona-Pandemie den Circus Manjana mit voller Härte. Zwar befand sich die Pandemie damals noch in ihren Anfängen, trotzdem herrschte für die Schausteller bereits ein Auftrittsverbot.

Daher musste Williams Köllner alle Besucher kurzfristig nach Hause schicken. Ein echtes Problem, denn so konnte die Familie ihre Kasse nicht füllen.

Doch eine gefüllte Kasse braucht der Circus, um seinen großen Fuhrpark volltanken zu können. Ohne Sprit gibt es schließlich keine Chance, die vielen Wagen zu bewegen.

So hing die Familie also in Ense fest. Dass der ungeplant längere Aufenthalt erst nach zwei Jahren zu Ende gehen würde, hätten die Köllners damals nicht gedacht.

Monatelang kam keinerlei Bewegung in die Arbeit des Circus. Den ganzen Sommer 2020 über durften die Köllners nicht auftreten.

Die Einnahmen blieben aus, während die Kosten für Krankenversicherung, Wartung der Wagen und Verpflegung allerdings weiterliefen.

„Doch zum Glück haben uns die Menschen in Ense so unglaublich geholfen“, erzählt Williams Köllner gerührt. „Alle waren sehr nett zu uns.“

Viele Kommunen wollen die Circus nicht bei sich auftreten lassen

Die ehemalige Tierärztin Dr. Maren Neumann-Aukthun war eine der ersten Helferinnen. Sie stellte Kontakt zur Gemeinde her, wodurch der Circus auf der Wiese zumindest mit Wasser und Strom versorgt wurde.

Auch Spendensammlungen hat sie initiiert. „Sie war immer für uns da“, sagt der Direktor.

Doch trotz all der Unterstützung hat sich die Lage für den Circus zunächst nicht verbessert. Im März 2021, nach einem Jahr in Ense, mussten die Köllners sogar einen Wohnwagen samt Zugmaschine verkaufen.

Anders wären sie nicht mehr über die Runden gekommen. Eine Phase, die auch psychische Spuren bei der Familie hinterlassen hat. „Wir sind mittlerweile ein Fall für den Psychologen“, hat Williams Köllner damals berichtet.

Im Sommer 2021 durften die Schausteller endlich wieder auftreten, allerdings fanden die Köllners keinen Ort, an dem sie ihr Zelt aufstellen konnten.

In zahlreichen Kommunen handelten sie sich Absagen ein. Da, wo es Zusagen gab, sollten sie eine Kaution hinterlegen. Mit einer leeren Kasse jedoch unmöglich. Und auch die Vorstellungen in Ense brachten nicht genug ein.

Im August 2021 sah es schließlich sogar so aus, als würde der Circus Manjana den Kampf um seine Existenz verlieren. „Meine Kinder leben für den Circus“, erzählte Williams Köllner in dieser Zeit unter Tränen.

„Ich werde ihnen jetzt beibringen müssen, dass wir unseren kleinen Circus, unser Zuhause, wohl verlieren werden.“

Direktor: „„Natürlich sind wir auch etwas traurig, dass wir Ense jetzt verlassen“

Für ihr Gastspiel in Hüsten durften die Köllners nicht mit Plakaten werben, in Eslohe verkauften sie gerade einmal 14 Tickets für die Samstagsvorstellung.

Zu allem Überfluss verwandelten starke Regenfälle auch noch die Fläche, auf der die Familie campiert hat, in ein Sumpfgebiet. „Wir sind komplett abgesoffen und mussten alles absagen“, meinte Williams Köllner.

Zum Jahreswechsel haben die Schausteller aber wieder neuen Mut gefasst. Von Aufgeben war nun keine Rede mehr. Stattdessen wollten sie jetzt Auftritte in der Enser Umgebung in Angriff nehmen.

Mit Erfolg. Am Montag ist der Circus weiter nach Bad Sassendorf gezogen. „Zum Abschied haben uns alle viel Glück gewünscht“, berichtet Williams Köllner. „Es sind sogar ein paar Tränen geflossen.“

In den vergangenen zwei Jahren habe seine Familie immerhin einige tolle Menschen in Ense kennengelernt, sagt er.

„Natürlich sind wir auch etwas traurig, dass wir Ense jetzt verlassen“, gibt der Direktor zu. „Doch wir müssen die Gunst nutzen.“ Ab Donnerstag treten die Köllners dann an ihren neuen Standort in Bad Sassendorf auf.

Von dort aus soll es später weiter nach Brilon gehen. Und bestimmt kommt Circus Manjana auch mal wieder nach Ense – wenn auch nicht wieder für zwei Jahre.

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