Bürger haben sechs Wochen Zeit für Suche nach Funkmast-Standort in Ense-Lüttringen 

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Rede und Antwort standen (von links) Andreas Fresen und Tim Gretenkort von der Verwaltung sowie Ralf Panske von der Funkturm GmbH

Lüttringen – Der Bau des 36,60 Meter hohen Funkmastens in Lüttringen ist zwar aufgeschoben, nicht aber aufgehoben.

Das ist das Ergebnis der mit 105 Teilnehmern sehr gut besuchten Bürgerversammlung im Siedlerheim am Donnerstagabend. Und die Lüttringer Gegner des geplanten Standorts am Höinger Weg verbuchen das als einen Teilerfolg für sich. 

Denn die Zusage von Frank Weinbrenner als Sprecher für die Telekom, den Bürgern die Möglichkeit zu geben, eine „tragfähige Alternative“ zu finden, verschafft ihnen zumindest Zeit für die Suche nach einem anderen Standort. 

Und Ralf Panske, Mitarbeiter der Deutschen Funkturm GmbH, machte am Freitag im Gespräch mit dem Anzeiger deutlich: Bei diesem Angebot handele es sich nicht um eine „Beruhigungspille“. Vielmehr sei man „offen“, was die Standortsuche angehe, auch wenn der Pachtvertrag für das umstrittene Areal am Höinger Weg schon unterzeichnet sei. Vier bis sechs Wochen ist man bereit, auf Vorschläge der Lüttringer zu warten. 

Wobei für ihn klar ist: Der ins Spiel gebrachte Alternativ-Standort in der Nähe des Windrads am Soestweg sei keine „optimale“ Alternative. Das habe man der Bürgerinitiative Lüttringen bereits mitgeteilt.

Denn dass viele Kriterien für den Standort eines Funkmastens stimmen müssen, das hatte Ralf Panske am Donnerstagabend ausgiebig erläutert. Anhand von Grafiken machte er deutlich, dass erst eine genaue Berechnung aus der Höhe des Standorts und der damit verbundenen Höhe des Stahlgittermastens den optimalen Empfang für die Bürger gewährleiste. Je tiefer der Standort liege, desto mehr Hindernisse müssten die Funkwellen durchdringen, fügte Frank Weinbrenner an.

Er erläuterte ferner, dass bei Sendern, die direkt auf Windrädern gebaut sind, schnell eine Materialermüdung eintrete. Auf die Sorgen der Bürger zur Magnetfeldbelastung ging Ralf Panske ebenfalls mit einer Grafik zur Abstrahlung der Funkwellen ein. „Man müsse schon 26 Meter hoch springen können, um in den schädlichen Bereich zu kommen.“ Und die Betreiber der Funkmasten stellten klar, dass die Messungen unterhalb des Grenzwertes des Bundes-Immissionsschutzgesetzes liegen, was auch nachgewiesen werden muss. Bei 5 G und höher, schränkte Frank Weinbrenner ein, seien die Prüfungen noch nicht abgeschlossen. Aber diese Größenordnung sei am Standort in Lüttringen nicht relevant. 

Neben technischen Kriterien müsse auch der Naturschutz bei der Standortsuche berücksichtigt werden. Und: Nicht zuletzt dürfe es für den Betreiber nicht erheblich teurer werden. 

Marita Kühle, eine der Sprecherinnen der Bürgerinitiative, wollte wissen, „warum in der Bauanfrage für das Vorhaben erwähnt wird, ob ein Kindergarten in der Nähe ist.“ Es gäbe einen freiwilligen Selbstverzicht der Anbieter, in der Nähe von Kindergärten keine Funkmasten aufzustellen, so Frank Weinbrenner. Wie er das zusammen bringe, wollten die Besucher wissen. „Man baue sein Haus ja nicht für eine Generation“, so Marita Kühle.

Die Sorge, dass durch den Bau eines Funkmastens Immobilien in der Nähe an Wert verlieren könnten, wurde kontrovers diskutiert. Mit Verlusten von bis zu 35 Prozent müsse man rechnen, hieß es aus Reihen der Zuhörer. Indes: Studien hierzu gebe es nicht. Andreas Fresen, Beigeordneter der Gemeinde Ense, argumentierte wiederum, dass er es als Aufwertung empfinden würde, wenn sich in der Nähe eines Baugebietes ein Funkmast befinde. Ein gutes digitales Netz sei durchaus ein Kaufkriterium in Immobilienportalen.

Deutlich fiel die Kritik der Bürger in Richtung Verwaltung und Politik aus: Die Gemeinde, so der Vorwurf, habe die Bürger nicht mitgenommen. „Ich hätte mir gewünscht, dass im Vorfeld solch eine Bürgerinformation zustande gekommen wäre“, so Alfred Bieker von der Bürgerinitiative Lüttringen. Kritisch wird gesehen, dass über eine Tischvorlage im Planungs- und Umweltausschusses die Entscheidung getroffen wurde. Andreas Fresen widersprach allerdings energisch. „Wir haben alles richtig gemacht“, zumal man „keine gesetzliche Verpflichtung zur Information“ gehabt habe. Er sei vielmehr stolz auf die Mitarbeiter im Rathaus, die den Antrag so schnell bearbeitet hätten. 

Alfred Bieker zeigt sich nach der Versammlung erleichtert über das Ergebnis. Man werde jetzt das Gespräch mit der Gemeinde suchen. Zumal man ihnen „keine Chance“ eingeräumt habe.

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