Hilfsgüter und Geld verteilt

Bleibende Eindrücke: Helfer aus dem Kreis Soest kehren aus Ahrweiler zurück

Nach der Hochwasserkatastrophe - Bad Neuenahr-Ahrweiler
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Die Aufräumarbeiten in Ahrweiler laufen auf Hochtouren.

Sie haben tagelang Schlamm geschaufelt, Unrat beseitigt und Keller ausgeräumt. Am Sonntag sind viele Helfer aus Ense aus dem Hochwasser-Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz zurückkehrt. In Bad Neuenahr-Ahrweiler haben sie tatkräftig angepackt und Spenden verteilt. Die Enser berichten von bleibenden Eindrücken.

Ense/Ahrweiler - „Man guckt in vollkommen leere Gesichter“, sagt Jörg Junker. Die Menschen vor Ort realisieren nur langsam, dass sie ihr Hab und Gut verloren haben. Teilweise wird versucht ein Fotoalbum zu reinigen, ansonsten landet alles im Müll, fügt Wymar Schlösser hinzu. Die beiden Oberenser waren Teil einer 30-köpfigen-Gruppe aus Ense, die gemeinsam ins Krisengebiet gefahren sind, um zu helfen.

Mit rund 30 Helfern ist eine Gruppe aus Ense nach Bad Neuenahr-Ahrweiler aufgebrochen. Dort haben sie geholfen Häuser leer zu räumen. Das Bild zeigt Enser Helfer zwischen weiteren Ehrenamtlichen in Ahrweiler: (von links) unbekannter Helfer, Niklas Busemann, unbekannter Helfer, Kirsten Grobe, Ralf Knauf, Katharina Menke, Elmar Grobe, Christian Schlösser, Henning Grobe, Angela Wilmes, Elias Grobe, unbekannter Helfer, Theo Junker jr.

„Als wir vom Berg ins Tal gefahren sind, hatten wir den Eindruck, hier ist doch gar nicht so viel Müll“, erinnert sich Schlösser, „aber ab einer Kreuzung war alles zerstört. Uns ist die Kinnlade runtergefallen.“ Rund 200 Meter links und rechts neben der Ahr, einem 85 Kilometer langer Nebenfluss des Rheins, der sich durch die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler schlängelt, sei alles kaputt gewesen. In einigen Häusern hat das Wasser Dreck an der Decke des Erdgeschosses hinterlassen, schildert Schlösser.

Die Enser verteilten neben Hilfsgütern auch Spendengeld in Höhe von 11 000 Euro. „Die Leute waren herzlich und dankbar, einige haben angefangen zu weinen.“

Bis Montag war im Landkreis Ahrweiler der Individualverkehr gesperrt. So sollten die Straßen frei bleiben für die Lastwagen, die rund um die Uhr Unrat und Müll abtransportiert haben.

Enser in Ahrweiler: Hilfe keinesfalls selbstverständlich

Für Jörg Junker ist die Welle an Hilfsbereitschaft aus der Gemeinde fantastisch. „Ist es normal, dass sich Landwirte in der Haupterntezeit mit ihren Traktoren auf den Weg machen? Ist es normal, dass ein Getränke-Händler einen wegen der Corona-Pandemie abgemeldeten Lastwagen kurzfristig in Betrieb nimmt und sich ebenfalls auf den Weg macht? Das ein Partybus schnell zur Einsatzzentrale, Verpflegungsstation und Schlafunterkunft umfunktioniert wird? Dass junge Menschen spontan Urlaub nehmen, um zu helfen?“, fragt er. Die Helfer haben physische und psychische Grenzen überwunden, sagt Junker.

Als die Enser am Sonntag das Krisengebiet wieder verlassen haben, sei es schon deutlich aufgeräumter gewesen. „Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer, hätte es nicht funktioniert“, sagt Schlösser. Das Krisenmanagement der öffentlichen Hand sei sehr langsam angelaufen. Stattdessen hätten zunächst private Unternehmer koordiniert, sonst wäre die Hilfe der Ehrenamtlichen im Sande verlaufen, sagt Schlösser.

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