Aufnahmen aus dem Januar

Biberspuren an der Ruhr: Wildtierkamera liefert den Beweis

Am 24. Januar hat die Wildtierkamera von Jürgen Schwegmann aus Bremen diesen Biber in den frühen Morgenstunden abgelichtet.
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Am 24. Januar hat die Wildtierkamera von Jürgen Schwegmann aus Bremen diesen Biber in den frühen Morgenstunden abgelichtet.

Aufnahmen seiner Wildtierkamera aus dem Januar an der Ruhr bei Hünningen hat Jürgen Schwegmann am Mittwoch zur Verfügung gestellt. Diese zeigen eindeutig einen Biber, der an einer großen Eiche nagt. Mitglieder des Angelvereins Ense beobachten die typischen Fraßspuren seit rund drei Jahren.

Hünningen/Bremen - Die Wildtierkamera haben wir uns eigentlich mal angeschafft, um im eigenen Garten zu verfolgen, was nachts rumfliegt, erklärt der Bremer Jürgen Schwegmann. Nach den ersten Erzählungen in den vergangenen Monaten sei er neugierig geworden und habe seine Kamera an der Ruhr aufgehängt.

Biber an der Ruhr: Aufnahmen aus dem Januar

Und tatsächlich konnte Jürgen Schwegmann einen Biber bildlich festhalten. „Die Tiere sind jede Nacht aktiv“, sagt er. Aufnahmen vom 24. und 27 Januar zeigen einen Biber, der sich an einer Eiche zu schaffen macht.

Für die Mitglieder des Enser Angelvereins sind die Biber an der Ruhr nicht neu. „Vor drei Jahren haben wir die ersten Fraßspuren entdeckt“, berichtet der Vorsitzende Andreas Vetter. Nach den ersten Sichtungen des Tieres sei man sich noch unsicher gewesen, ob es sich nicht doch um ein Nutria handele. Doch die typischen Fraßspuren eines Bibers gebe es seitdem durchgehend.

Wolfgang Oeleker ist Natur- und Landschaftsführer in der Gemeinde. „Es gibt eine Faustregel“, sagt er, um Bisam, Nutria und Biber zu unterscheiden. „Bisamratten sehen aus wie große Meerschweinchen, Nutria wie größere Katzen und der europäische Biber hat ein Gesicht wie ein Reh.“ Bei der Unterscheidung dieser Tiere brauche es Erfahrung, so Oeleker und im Wasser sei es besonders schwierig.

Biber hinterlassen demnach typische Rutschen, Stellen an denen sie ins Wasser gleiten. Diese könne man an der Ruhr gut beobachten, sagt der Natur- und Landschaftsführer. Anders als Nutrias fällen Biber auch stärkere Bäume und hinterlassen größeres Spanmaterial, fügt Wolfgang Oeleker hinzu.

Er hoffe, dass Spaziergänger jetzt nicht vermehrt in den Lebensraum des Tieres eindringen, denn eine Ansiedlung in der Gemeinde sei eine gute Nachricht.

Biberspuren gibt es aber nicht ausschließlich an der Ruhr, sagt Oeleker. Auch am Enser See im Naturschutzgebiet Moosfelder Ohl bei Niederense, im weiteren Verlauf der Möhne, parallel zur Möhnestraße in Richtung Günne, sowie bei Waltringen am Bremer Bach wurden Fraßspuren entdeckt.

Biber an der Ruhr: Die Suche nach dem Revier

Ob es sich seit mehreren Jahren um dasselbe Tier oder sogar ein Pärchen handele, sei unklar. „Biber legen immense Entfernungen zurück“, sagt Oeleker, der sich durchaus vorstellen kann, dass ein Tier auf der Suche nach einem festen Revier durch die Gemeinde wandere.

Dass das Bibervorkommen dazu führen kann, den geplanten Lückenschluss zwischen der Autobahn-Anschlussstelle Hemer und der A 445 bei Arnsberg-Neheim vom Gemeindegebiet fernzuhalten, hatte zuletzt der Hünninger Detlef Budde angeregt. Denn neben dem Biber gebe es weitere schützenswerte Tierarten.

Bibervorkommen im Kreis Soest

Vor rund 150 Jahren gab es eine Biberpopulation an der Ruhr, hatte der Kreis Soest erklärt. Hinweise auf diese sogenannte Möhnepopulation stammen aus dem Jahr 1877. Anschließend sind die Biber verschwunden – unter anderem durch Bejagung. Bereits seit einigen Jahren sind die Tiere wieder im Kreis Soest beheimatet. „2018 waren es geschätzt um die 50 Einzeltiere im nördlichen Kreisgebiet“, erklärt Kreissprecher Wilhelm Müschenborn auf Anfrage. Diese Zahl sei in den vergangenen Jahren aber auf jeden Fall gestiegen. Eine aktuelle Zahl der Population gibt es demnach zurzeit nicht. „Die bevorzugten Lebensräume sind gehölzreiche Gewässer mit unverbauten Uferbereichen“, so Müschenborn. Die Hauptvorkommen der Biber leben im Kreis Soest in den Lippeauen zwischen Hamm und Lippstadt. Dort bauen die Tiere übrigens keine Dämme, da der Fluss genügend Wasser führt.

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