Bei Ense-Hünningen

Biberspuren an der Ruhr entdeckt: Sind die Tiere nach 150 Jahren zurück?

Detlef Budde hat die Spuren des Bibers in der Ruhr bei Hünningen mit Bildern dokumentiert. In zahlreichen Bäumen findet sich die für diese Nagetiere so typische „Sanduhr-Form“. Kleinere Bäume sind auch schon umgefallen.
+
Detlef Budde hat die Spuren des Bibers in der Ruhr bei Hünningen mit Bildern dokumentiert. In zahlreichen Bäumen findet sich die für diese Nagetiere so typische „Sanduhr-Form“. Kleinere Bäume sind auch schon umgefallen.

Noch hat ihn niemand so richtig gesehen, doch sicher sind sich die Beteiligten: In der Ruhr bei Hünningen lebt ein Biber. Die Spuren sind eindeutig, bestätigt der Kreis Soest.

Hünningen - Der Hünninger Detlef Budde hat die Hinterlassenschaften des Tieres dokumentiert – viele Bäume weisen die so typischen Fraßspuren auf. In Hünningen wächst die Hoffnung, dass die Ansiedlung des Tieres ein Baustein sein kann, um den geplanten Lückenschluss zwischen der Autobahn-Anschlussstelle Hemer und der A 445 bei Arnsberg-Neheim vom Gemeindegebiet zu verbannen.

Detlef Budde hat eine Videoaufnahme gemacht, die ein größeres Tier beim Schwimmen in der Ruhr zeigt. „Leider sieht man den Schwanz nicht, deswegen könnte das auch ein Nutria sein“, sagt er. Mit einer Wildtierkamera aus dem Internet will er in den nächsten Wochen das Tier endgültig einfangen.

Doch schon jetzt gilt das Vorhandensein des Tieres als gesichert. Zwar könne die Sichtung des Tieres nicht bestätigt werden, erklärt Wilhelm Müschenborn, Sprecher des Kreises Soest, „allerdings gilt es aufgrund der Spuren, die diese Tiere hinterlassen, als sicher, dass Biber in diesem Bereich tätig gewesen sind.“ Das sei durch die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) bestätigt worden. Demnach beobachtet diese seit rund drei Monaten Biberaktivitäten in diesem Bereich.

Biberspuren an der Ruhr: Hinweise auf Population im 19. Jahrhundert

Mindestens 150 Jahre lang habe es keine Biber mehr bei Hünningen gegeben. „Es gibt Hinweise auf eine Möhnepopulation von 1877“, teilt Müschenborn nach Rücksprache mit der Abteilung Umwelt mit. Kaum eine Tierart könne seinen Lebensraum so gut selbst gestalten, weswegen konkrete Maßnahmen zunächst nicht erforderlich seien, heißt es weiter. „Vielmehr liegt die Beachtung in der Vorbeugung von Konflikten. Kartierarbeiten werden in naher Zukunft notwendig sein, um einschätzen zu können, wie hoch das Aufkommen ist.“ Derzeit sei unklar, ob die Tiere nur durchziehen oder eigene Reviere bilden. Sollte das Bibervorkommen bestätigt werden, sollen Landwirte und Jäger informiert und falls notwendig Uferstreifen mit Gehölzen geprüft und gesichert werden. So dürfen angenagte Bäume beispielsweise keine Gefährdung für den Menschen darstellen.

An der Lippe haben sich die Biber bereits ausgebreitet, dort reicht ihr Revier von Uentrop bis nach Lippstadt.

Henry Tünte, Biber-Experte vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Nordrhein-Westfalen erklärt, dass die Tiere auf der Suche nach einem festen Revier bis zu 100 Kilometer weit wandern können. Die Reviergröße hänge dabei von der Naturvielfalt ab und umfasse einen Gewässerrand von rund 20 Metern. Biber fällen angefressene Bäume in der Regel sehr schnell, sagt Tünte, dennoch sei es nicht ratsam, in den Revieren spazieren zu gehen. Ohnehin seien die Tiere sehr scheu.

Biberspuren an der Ruhr: Verhindert der Nager den Autobahn-Lückenschluss?

In Hünningen keimt die Hoffnung, dass unter anderem die Sichtung der Biber für eine Ausweitung des dortigen Schutzgebiets für Natur und Landschaft (FFH-Gebiet) sorgt und damit eine weitere Hürde für den in der Planungsphase befindlichen Autobahn-Lückenschluss (Projekt 46sieben), der voraussichtlich durch Enser Gemeindegebiet führen soll, sei. Alleine der Biber reiche dafür nicht, aber gibt es dort auch mehrere Fledermausarten, Uferschwalben, tausende Zugvögel und eine besonders schützenswerte Uhu-Art, erklärt Detlef Budde.

Bestrebungen, das Schutzgebiet auszuweiten, gebe es zurzeit nicht, heißt es vom Kreis Soest. Die Zuständigkeit für die Meldung von FFH-Gebieten liege ohnehin beim Land NRW.

Deutschlands größtes Nagetier

Der Biber ist das größte Nagetier Deutschlands und mit seinem Körper perfekt an den Lebensraum Wasser angepasst, obwohl er nur ein paar Stunden täglich dort verbringt. Die harten Schneidezähne der Biber – je zwei im Ober- und Unterkiefer – sind bis zu dreieinhalb Zentimeter lang und hören nie auf zu wachsen. Der Eurasische Biber war ursprünglich in Europa und Asien heimisch, wurde jedoch im 19. Jahrhundert durch Bejagung in weiten Teilen Europas und Deutschlands ausgerottet.

Durch Schutzmaßnahmen und Auswilderungen haben sich die Bestände in den vergangenen Jahrzehnten wieder erholt. Biber leben in langsam fließenden und stehenden Gewässern mit Gehölzen nahe dem Ufer. Wie kein anderes Tier gestaltet der Biber seinen Lebensraum: er fällt Bäume, baut Burgen und Dämme und staut Bäche auf. Bis zu 20 Jahre alt und 20 bis 30 Kilogramm schwer können die Tiere werden. Sie ernähren sich von Trieben, Knospen, Blättern, Rinde, Gräsern und Kräutern sowie Feldfrüchten. Mit ihren Zähnen fällen sie Bäume, auf ihren Hinterneinen sitzend, nagen sie die typische „Sanduhr-Form“ in den Baum, bis dieser fällt. Quelle: Deutsche Wildtier Stiftung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare