Aysun Misirkhanova

Heimatwechsel mit 10 Jahren: Von Aserbaidschan nach Ense

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Aysun Misirkhanova kommt aus Baku, geht heute aber in Ense zur Schule.

Bremen - Aysun Misirkhanova hat trotz ihres noch jungen Alters bereits zwei Heimaten. Die 15-Jährige ist in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, geboren und lebt seit August 2015 in Ense. Für sie ist klar: „Beides ist meine Heimat.“

Denn der Rest von Misirkhanovas Familie – Großeltern, Tanten und Onkel – wohnt immer noch in Baku, wo die Schülerin aufgewachsen ist und zwei Drittel ihres Lebens verbracht hat. Andererseits machen die Wohnung, der Freundeskreis und die Conrad-von-Ense-Schule Ense zu ihrer zweiten Heimat. 

Mit ihren Eltern Sabina und Rafael ging es vor vier Jahren nach Deutschland – eine unspektakuläre Reise. Die Familie wurde nicht von Krieg im Herkunftsland vertrieben, sondern suchte wegen privater Probleme den Weg zu einem neuen Leben. Mit dem Flugzeug flogen die drei in zwölf Stunden nach Europa. Ein Jahr später kam Aysuns kleine Schwester Fidan zur Welt. Vater Rafael ist als Angestellter einer Firma berufstätig. 

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Aysun Misirkhanova hatte „Integrations-Glück“, es gab keine Startschwierigkeiten in ihrer neuen Heimat: „Der Anfang war sehr gut. Das einzige, was zu Beginn störte, war ein ganz altes Haus, in dem man kaum wohnen konnte.“ Inzwischen ist sie mit ihrer Familie in ein neues Mehrfamilienhaus gezogen, in dem sich die Jugendliche wohlfühlt. Schon nach einer Woche besuchte sie die Conrad-von-Ense-Schule und fand schnell Freunde. 

Die größte Herausforderung war für Aysun Misirkhanova die Sprache – eine Hürde, die sie allerdings schnell überwand: „Ich habe Deutsch ziemlich schnell gelernt, ohne viel Mühe.“ An einer Sprachschulung musste sie dazu nicht teilnehmen. Und das, obwohl der Umzug überraschend kam, vorher kannte sie kein einziges deutsches Wort. Heute spricht die 15-Jährige fließend deutsch – man kann sich kaum vorstellen, dass sie die Sprache erst seit vier Jahren kennt. 

Sprachtalent

Zunächst verständigte sie sich auf Englisch. Die anderen Schüler nahmen „die Neue“ gut auf. „Alle waren sehr nett zu mir.“ Zu ihren Lieblingsfächern gehören Kunst, Sport und Englisch. Dabei kann sie auch Türkisch als Amtssprache Aserbaidschans und Russisch. Aysuns Hobbys sind Tanzen, Malen und Volleyball. Sie hat auch schon einen genauen Berufswunsch: Architektur. 

Wenn sich Aysun Misirkhanova für eine Heimat entscheiden müsste, wäre das aktuell Baku: „Das ist für mich noch ein bisschen mehr Heimat. Da habe ich länger gewohnt. Aber ich gewöhne mich immer weiter an Ense. Ich wäre traurig, wenn ich jetzt zurück müsste.“ Von der Großstadt mit einer Bevölkerung von über 2 Millionen Menschen in die kleine Gemeinde im Kreis Soest: eigentlich ein Kulturschock, nicht aber für die junge Aserbaidschanerin. „Hier ist es ruhiger, nicht so viel los. Und mir gefällt besonders die Landschaft.“ 

"So kann und soll es bleiben"

„Zurzeit sei alles perfekt.“ Ein Ziel sei dennoch, in den nächsten Jahren die Familie in der „alten Heimat“ zu besuchen, zu der täglicher Kontakt gepflegt wird. Aber vorerst gilt: „So kann und soll es bleiben. Ich fühle mich, als wäre ich schon immer hier gewesen.“

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