Zwischen Masken und Tränen

An der Belastungsgrenze: Erzieher aus dem Kreis Soest sehnen sich nach Normalität

Derzeit fahren die Kitas wie vom Land verordnet im reduzierten Regelbetrieb, hüten die Kleinen also zehn Stunden pro Woche weniger.
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Derzeit fahren die Kitas wie vom Land verordnet im reduzierten Regelbetrieb, hüten die Kleinen also zehn Stunden pro Woche weniger.

Der Aufwand ist hoch, die Auslastung trotz des reduzierten Regelbetriebs auch. Die Erzieherinnen und Erzieher sind an der Belastungsgrenze. Eine Bestandsaufnahme.

Ense - Einmal habe es doch schon Tränen gegeben. Nicht, weil ein Kind eine Maske hätte tragen müssen, denn dem ist ja nicht so. In der Kindertagesstätten flitzen die Kleinen ohne Masken herum. Die Erzieher dagegen nicht. „Und so hat mir ein Elternpaar berichtet, dass ihr Kind geweint habe, weil es endlich mal die Menschen, die ihm wichtig sind, wieder ohne Masken sehen möchte“, berichtet Verena Roth, Leiterin des Niederenser Kindergartens „Die Möhneräuber“. „Unser Hauptbestreben besteht darin, den Kindern so weit wie möglich ein Stück Normalität zu vermitteln.“

Kitas und Corona: Hohe Auslastung in den Einrichtungen

Während von den 40 Kindern ihrer zweigruppigen Einrichtung derzeit nur ein Kind daheim betreut wird, kommt das Familienzentrum Lummerland in Lüttringen bei 55 Kindern in drei Gruppen auf eine 80-prozentige Auslastung, so Leiterin Andrea Vinkemeier. Die übrigen 20 Prozent seien Kinder mit Vorerkrankungen, oder ihre Mütter sind schwanger und zählen somit zur Risikogruppe. Sollte die Inzidenz auf über 165 steigen, gilt zwar Notbetreuung – „doch ich gehe nicht davon, dass wirklich weniger Kinder kommen als bislang“. Grund ist: Beim ersten Lockdown musste wirklich nachgewiesen werden, dass man selber nicht in der Lage ist, den Nachwuchs daheim zu betreuen. Nun jedoch reicht eine einfache Erklärung, „und die werden die meisten Eltern dann auch einreichen. Denn wir alle sind einfach Corona-müde.“

Derzeit fahren die Kitas wie vom Land verordnet zwar allesamt im reduzierten Regelbetrieb, hüten die Kleinen also zehn Stunden pro Woche weniger, kompensiert werde die Arbeitszeit jedoch mit anderen Aufgaben, die sich erst durch Corona ergeben hätten. Vinkemeier: „Die Trennung der Gruppen, die auch im Außenbereich nicht aufeinandertreffen dürfen, ist mit einem hohen Aufwand verbunden. Schließlich dürfen sich auch die Erziehererinnen nicht begegnen. Insofern gibt es nicht eine Dienstbesprechung mit allen, sondern mehrere kleine.“ Hinzu kämen Planungen, die vom Normalgeschehen abweichen: Wie kann man die Schulanfänger angemessen verabschieden? „Obendrein haben zurzeit zwei Mitarbeiterinnen quasi Berufsverbot wegen schwerer Vorerkrankungen und dürfen erst wieder einsteigen nach ihrer zweiten Impfung.“

Dieses Problem kennt Gabriele Liedhegener, Leiterin des Kindergartens St. Josef Höingen, besser, als es ihr lieb ist: „Uns fehlen zurzeit ebenfalls Leute. Mich mit eingeschlossen, sind wir nur zu sechst, und das bei drei Gruppen. Und zwei von uns sind Halbtagskräfte. Wenn noch einer ausfällt, greift das nächste Notfallprogramm.“ Heißt: noch weniger Stunden die Woche, „dabei haben wir uns eigens so aufgestellt, dass wir trotzdem bis 16 Uhr da sind und die Eltern sich selber so organisieren können, dass sie sich mit ihren Arbeitszeiten oder im Homeoffice abwechseln oder die Großeltern einspannen.“

Kitas und Corona: Selbsttests werden weniger genutzt

Verabschiedet hätten sich dagegen viele Eltern von der Bereitschaft, ihre Kinder daheim zu testen: „Die Selbsttests, die wir zur Mitnahme anbieten, werden immer seltener mitgenommen. Anfangs haben wir sie den Eltern noch mitgegeben. Aber wozu? Es gibt Eltern, bei denen wir davon ausgehen, dass die Tests nur ungenutzt daheim herumliegen werden. Und dazu sind sie zu schade.“

Diese Erfahrung wiederum teilt Gabriele Liedhegener nicht: „Unsere Eltern nehmen die Tests mit und teilen uns mit, dass sie negativ waren.“ An diesen Aussagen zweifele sie nicht. Auch Roth sieht hier keine Probleme: „Unser Träger ist eine Elterninitiative, und wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu den Eltern. Wir hatten ihnen in einem Brief mitgeteilt, das wir nicht abfragen, ob getestet wurde, aber sie tun es.“

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