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21-Jährige startet nach Unfalltod ihrer Schwester eine Online-Petition

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Von: Tobias Hinne-Schneider

Das Ziel der Online-Petition: Die „Unfallhäufungsstelle“ – Einmündung Bahnhofstraße zur Bundesstraße 516 – wird durch einen Kreisverkehr entschärft.
Das Ziel der Online-Petition: Die „Unfallhäufungsstelle“ – Einmündung Bahnhofstraße zur Bundesstraße 516 – wird durch einen Kreisverkehr entschärft. © Karin Hillebrand

Die Zahl der Unterschriften steigt beinahe minütlich. Nach einem tödlichen Unfall im August an der Einmündung Bahnhofstraße (K 8) zur Bundesstraße 516 zwischen Niederense und Bremen hat die Schwester der Verstorbenen die Online-Petition gestartet: „Kreisverkehr kann Leben retten!“ Ihre Hoffnung: Ein Kreisverkehr an der Unfallstelle verhindert künftige Unfälle. Am Montagnachmittag hatten bereits mehr als 9500 Personen unterschrieben.

Bremen/Niederense - „Wir kämpfen dafür, dass das keiner anderen Familie mehr passiert“, sagt Valentina Becker. Die 21-Jährige hat nach Absprache mit ihren Eltern die Petition am Samstag veröffentlicht.

Online-Petition nach Unfall: Gespräch mit dem Bürgermeister

Am 25. August hatte ein Autofahrer ihrer 16-jährigen Schwester die Vorfahrt genommen. Der Fahrer übersah an der Einmündung Bahnhofstraße / B 516 das Kleinkraftrad, auf dem die Jugendliche unterwegs war. Die 16-Jährige konnte nicht mehr ausweichen, beim Aufprall erlitt sie tödliche Verletzungen. Es war der dritte Unfall an der gleichen Stelle innerhalb von nur drei Wochen – der erste, der tödlich endete.

„Wir haben viele Gespräche geführt“, sagt Valentina Becker, „mit Freunden und Bekannten. Die haben uns von Situationen an der Einmündung erzählt, da mussten wir schlucken.“ Auch mit Enses Bürgermeister Rainer Busemann habe die Familie gesprochen, berichtet Valentina Becker. Im Rathaus habe man erfahren, dass die Gemeinde an der Stelle schon länger einen Kreisverkehr in Betracht gezogen hat. Da die Gemeinde weder Straßenbaulastträger der Bahnhofstraße (Kreis Soest) noch der B 516 (Straßen NRW) ist, habe das bislang nicht geklappt.

Wilhelm Müschenborn, Sprecher des Kreises Soest, hatte nach dem Unfall angekündigt, dass sich die Unfallkommission, dazu gehören neben den Verkehrsexperten des Kreises auch Polizei und Straßen NRW, mit der Einmündung beschäftigen werden.

Online-Petition nach Unfall: „Ich unterschreibe, weil ein Kreisverkehr meiner Freundin das Leben gerettet hätte ...“

Zuvor war es an der Stelle häufiger zu Unfällen gekommen, wenn Fahrer von der Bundesstraße auf die Bahnhofstraße einbiegen wollten. Alleine deshalb hatte der Kreis die Kreuzung bereits als „Unfallhäufungspunkt“ auf dem Zettel.

Auf der Petitionsplattform Change.org trifft der Aufruf von Valentina Becker auf eine breite Unterstützung. Die Petition dort ist gerichtet an das Land Nordrhein-Westfalen, Straßen NRW und NRWs Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU). Auf der Plattform heißt es, „bei 10 000 Unterschriften wird die Petition mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Antwort der Entscheidungsträger bekommen“.

„Ich unterschreibe, weil ein Kreisverkehr meiner Freundin das Leben gerettet hätte und noch vielen Weiteren das Leben retten wird, damit niemand diesen Schmerz ertragen muss, einen geliebten Menschen zu verlieren“, schreibt eine Unterstützerin. Eine Andere gibt an: „Ich unterschreibe, weil mit einfachsten Mitteln (Geld!) Tod nicht mehr billigend in Kauf genommen und unsägliches Leid verhindert werden könnte, wenn man das Leben über allem stellt.“

Insgesamt haben sich dort viele Menschen für eine Kreisverkehr-Lösung ausgesprochen. Die Zahl der Unterschriften steigt unterdessen immer weiter: Eine Stunde später waren es bereits mehr als 9700.

Die Petitionsplattform

Change.org ist nach eigenen Angaben die weltweit größte Kampagnenplattform. „Wir ermöglichen Menschen, die Welt im positiven Sinne zu verändern“, heißt es auf der Homepage des Vereins „Change.org e.V.“ Derzeit nutzen demnach mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland die Plattform. „In Zeiten der digitalen Vernetzung kann ein einzelner Mensch ganze soziale Bewegungen auslösen. Wir glauben, dass Menschen durch gemeinsames Handeln beginnen, ihren eigenen Möglichkeiten wieder stärker zu vertrauen und die Gesellschaft voranzubringen“, schreibt der Verein zu seiner Motivation.

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