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Rollstuhlfahrer stößt auf Hindernisse

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Von: Heyke Köppelmann

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Hier geht’s für ihn nicht weiter: Wolfgang Schasse am neuen Spielplatz.
Hier geht’s für ihn nicht weiter: Wolfgang Schasse am neuen Spielplatz. © Köppelmann, Heyke

Wolfgang Schasse aus Bad Sassendorf findet im Kurpark einige Stellen, die seiner Meinung nach nicht den Anspruch der Barrierefreiheit erfüllen.

Bad Sassendorf – Der E-Rollstuhl verschafft Wolfgang Schasse ein großes Stück Bewegungsfreiheit. Jeden Tag dreht er seine Runden und ist daher häufig im gerade grundlegend modernisierten Kurpark unterwegs. Schasse ist bekannt dafür, Klartext zu sprechen und Kritik präzise auf den Punkt zu bringen. Daher weist er deutlich auf Hürden in der grünen Oase hin, bei deren Neugestaltung sich das Augenmerk ja insbesondere auch auf die Situation behinderter Menschen richten sollte.

Der 59-jährige Justizbeamte, der in Lohne wohnt, leitet den Contergan-Stammtisch, setzt sich zudem als Vertrauensperson für behinderte Kollegen ein und nennt das barrierefreie Bauen als eines seiner wichtigsten Themen. In Bad Sassendorf ärgert er sich über Randsteine im Bereich der Wiesenstraße mit Zugang zum Adventure-Golf-Platz, die seiner Meinung zu hoch und zu schräg gesetzt sind. Mit dem Rollstuhl sei es schwierig, diesen Huckel zu überwinden, erklärt er und spricht von einer hochgradigen Kippgefahr, vor allem bei Ortsunkenntnis. Der Lohner berichtet von Passanten mit Rollatoren, die er beobachtet habe, die sich beim Laufen unterhielten und plötzlich ins Leere traten, weil sie nicht mit dem Niveau-Unterschied im Verlauf des Weges gerechnet hätten.

Gut dreieinhalb Jahre ist am neuen Kurpark gearbeitet worden. Das Ergebnis könne sich im Großen und Ganzen durchaus sehen lassen, erläutert Wolfgang Schasse. Er weiß auch: „Alle Menschen 100-prozentig zufriedenzustellen, das geht nicht. Man kann einfach nicht für jeden Topf einen Deckel finden.“ Er verlange gar nicht, nun wirklich jede Stelle ungehindert und mit Leichtigkeit erreichen zu können. Doch an einen Reha-Ort wie Bad Sassendorf stelle er schon den Anspruch, körperliche Beeinträchtigungen besonders in den Blick zu nehmen. „Wäre das der Fall gewesen“, sagt Schasse, „könnte man mit dem Resultat zumindest zu 98 Prozent zufrieden sein.“

Er weist auf Probleme für Rollstuhlfahrer im Bereich des neuen Spielplatzes hin. Die große Feinsplittfäche, auf der die Geräte stehen, sei für sie nicht zu befahren. „Stellen Sie sich mal vor, ein Rollstuhlfahrer hat ein Kind dabei, er hätte keine Chance, ihm zu folgen, weil er mit den Rädern steckenbleiben würde.“

Bürgermeister Malte Dahlhoff gibt Schasse in diesem Punkt Recht, weist aber auch auf den notwendigen Unfallschutz hin, der hier sicher in Diskrepanz zur Barrierefreiheit stehe. „Das ist manchmal eine Gratwanderung“, räumt er ein.

„Man hätte rote Gummimatten legen können“, schlägt Schasse vor. Doch dieses Material werde bei Regenwetter sehr rutschig, so der Bürgermeister.

Er macht auch deutlich, die von Wolfgang Schasse monierte Schwelle an der Wiesenstraße sei nach DIN-Norm zugelassen und mit der Behinderten-Arbeitsgemeinschaft Kreis Soest abgestimmt. „Es geht um die Wasserführung“, begründet er diese technische Lösung. Eine Rinne zu setzen und einen Anschluss an den Kanal zu schaffen, wäre mit sehr viel höherem baulichen Aufwand verbunden gewesen. Das Thema Barrierefreiheit habe Planung und Ausführung ständig begleitet. Ziel sei es, den Park für möglichst viele Nutzer zu erschließen.

„Ich bin ein positiv denkender Mensch“, betont Schasse. Doch er ist sehr enttäuscht darüber, dass in der Börde-Therme trotz umfangreicher Sanierung kein Lifter vorhanden ist – seiner Ansicht nach ein Unding für eine derart „tolle Einrichtung“.

Schasse hält auch den grauen Split auf der wassergebundenen Decke der Promenade nicht gerade für ideal, weil bei feuchtem Wetter die Räder sowohl von Rollstühlen als auch Kinderwagen verschmutzen.

Unerträglich findet er die Hinterlassenschaften der Wasservögel auf den Wegen hauptsächlich rund um den Teich – „eine ekelige Sauerei“. Worte, von denen sich die Spaziergänger angesprochen fühlen sollten, die die Tiere trotz Verbots reichlich füttern. Mit dem Bauhof seien schon erhöhte Reinigungsintervalle vereinbart worden, hatte der Bürgermeister kürzlich erst mitgeteilt.

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