1. Soester Anzeiger
  2. Lokales
  3. Bad Sassendorf

Familie Vitt aus Ostinghausen heizt emissionsfrei

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ludger Tenberge

Kommentare

Karl Vitt aus Ostinghausen und seine emissionsfreie Heizungsanlage: Vorne ist die Oberkante des Schranks mit der Wärmepumpe zu sehen. Hinten steht ein Warmwasserspeicher als Puffer für die Heizenergie.
Karl Vitt aus Ostinghausen und seine emissionsfreie Heizungsanlage: Vorne ist die Oberkante des Schranks mit der Wärmepumpe zu sehen. Hinten steht ein Warmwasserspeicher als Puffer für die Heizenergie. © Ludger Tenberge

Die Technik macht es möglich: Familie Vitt aus dem Kreis Soest heizt emissionsfrei. So hat sie es geschafft.

Ostinghausen – Umweltschutz und sparsamer Umgang mit den Ressourcen: Das ist angesichts des Klimawandels eine wichtige Aufgabe. Aufgrund der technischen Entwicklungen bietet sich immerhin einiges an Lösungen an, man muss sie nur umsetzen. Das zeigt das Beispiel von Karl Vitt und seiner Familie aus Ostinghausen im Kreis Soest (NRW). Ergänzend zu der seit 2012 installierten Photovoltaikanlage auf dem Dach wurde das Einfamilienhaus jetzt mit einer Wärmepumpe ausgestattet.

Die Wirkung dieser Maßnahme ist beeindruckend. Denn durch die Heizleistung des neuen Systems sparen Karl Vitt und die Seinen nun jedes Jahr 2.000 Liter an Heizöl ein. Dort, wo früher die Heizöltanks aufgestellt waren, stehen nun der Schrank mit der Wärmepumpe und ein Warmwasserspeicher als Puffer.

Familie Vitt aus Ostinghausen heizt emissionsfrei

Die Photovoltaikanlage reicht mit einer Leistung von 7.500 Kilowattstunden pro Jahr locker aus, um die Wärmepumpe anzutreiben. Die Außenluft wird durch den Kellerschacht eines Fensters angesaugt, im Wärmetauscher wird die enthaltene Wärmeenergie übertragen, die Abluft wird durch den Kellerschacht eines weiteren Fensters wieder nach außen geleitet. Dick ummantelte Rohre gewährleisten dabei, dass auf den Rohren kein Wasser kondensieren kann.

Vitt beschreibt die Vorteile der Anlage so: Die Leistung der Photovoltaikanlage mit 7500 Kilowattstunden pro Jahr reicht locker aus, um die Wärmepumpe und die Komponenten der Heizungsanlage mit Strom zu versorgen. Die Anlage stößt also keinerlei CO2 aus. Zudem hat der Wärmeentzug nach Vitts Überzeugung einen kühlenden Effekt auf die Außenluft.

Die Anlage hat zwar rund 40 000 Euro gekostet, sie sei aber allemal sinnvoller, als das Geld bei Negativzinsen bei der Bank zu belassen. Angesichts der ersparten Kosten für das bisher benötigte Heizöl dürfte sich die Anlage zudem in wenigen Jahren amortisiert haben.

Wärmepumpe produziert Heizenergie, Strom liefert die Photovoltaikanlage

Klimaschutz sei wichtiger denn je, sagt der Ostinghauser und verweist dazu auf den Astrophysiker Steven Hawking und dessen Buch „Das Universum in der Nussschale“. Welche Energiemengen die Menschheit inzwischen benötigt, verdeutlicht eine Grafik in dem Buch. Im vergangenen Jahrhundert stieg der weltweite Stromverbrauch um das Zwölffache. Betrug der Stromverbrauch im Jahr 1900 eine Milliarde Tonne Steinkohleeinheiten, waren es im Jahr 2000 zwölf Milliarden Tonnen (SKE). Und der Bedarf an Strom werde weiter kräftig steigen, angesichts neuer Einsatzgebiete wie der E-Autos, sagt Vitt.

Er mahnt: „In den letzten 200 Jahren sind der Energieverbrauch und die Lufterwärmung stark angestiegen. Offensichtlich kann es mit dem gegenwärtigen Anstieg nicht unendlich weitergehen.“ Die Lufterwärmung führe schon jetzt zu Hitzeperioden und Trockenheit. Die Folgen seien im Sauerland deutlich sichtbar: „Der Borkenkäfer ließ die Fichte zur Zeigerpflanze werden.“ Vitts Schlussfolgerung: „Es gibt viel zu tun, fangen wir’s an!“

Wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt

Eine Wärmepumpen-Heizungsanlage besteht aus drei Teilen: Der Wärmequellenanlage, die der Umgebung Energie entzieht; der Wärmepumpe, die die gewonnene Umweltwärme nutzbar macht; sowie dem Wärmeverteil- und Speichersystem, das die Wärmeenergie im Haus verteilt oder zwischenspeichert. Das Prinzip einer Wärmepumpe gleicht der Wirkungsweise eines Kühlschranks, nur umgekehrt: Die Wärmepumpe entzieht dem Außenbereich die Wärme und gibt sie als Heizenergie an das Haus ab. Mehr dazu findet sich hier.

Es wird wieder geheizt, was das Zeug hält. Aber wie sorgen Sie dafür, dass sich die Räume schneller erwärmen? Wir haben Tipps.

Auch interessant

Kommentare