Verkehr, Ortsbild, Straßengestaltung: Bürger reden mit

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Sie gaben den Input und moderierten die Diskussionen mit den Bürgern (von links): Alexander Lumpe von der Planungsgruppe IVV aus Aachen stellte das Verkehrskonzept für den Jahnplatz vor, die Diskussionen an den Tischen begleiteten Bauamtsleiter Wolfgang Stember sowie vom Büro Pesch und Partner Felix Kutzera, Jacqueline Thate, Julian Schäfer und Marei Asche, unterstützt durch Bürgermeister Malte Dahlhoff.

Bad Sassendorf – Ortsbild und Ortscharakter; Grün, Freiräume und Gewässer; Ortsverträgliche Mobilität; Funktionsvielfalt und Versorgung: Diese vier Handlungsfelder haben die Experten des Büros Pesch und Partner für die Weiterentwicklung des Kurorts heraus gearbeitet. Mit diesen Handlungsfeldern als Grundlage geht das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) für den Zentralort langsam auf die Zielgerade.

Am Donnerstagabend stellte Felix Kutzera diese Handlungsfelder und die daraus abgeleiteten möglichen Maßnahmen in einer Bürgerversammlung im Tagungszentrum vor – verbunden mit der Einladung an die Bürger, über diese Vorschläge ins Gespräch zu kommen. „Sie, die Bewohner, sind die Experten für den Ort“, so Kutzera. 

Wie einzelne Vorschläge aussehen können, zeigte sich beispielhaft am Verkehrskonzept für den Jahnplatz und den Rathausbereich. Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, der öffentliche Nahverkehr, spielende Kinder auf dem Fontänenfeld, Gäste aus dem Tagungszentrum: Sie alle benötigen ihren Anteil an diesen Verkehrsflächen. Lösungsmöglichkeiten stellte in der Bürgerversammlung zum ISEK am Donnerstagabend im Tagungszentrum Alexander Lumpe von der Ingenieurgruppe IVV aus Aachen vor. Tags zuvor war das Verkehrskonzept bereits im Bauausschuss der Gemeinde erörtert worden (siehe Anhang). 

Weitere Beispiele für Maßnahmen sind die Erarbeitung eines Gestaltungshandbuchs zur Stärkung des Ortsbildes, die Revitalisierung der Rosenau, eine Aufwertung des Sälzerplatzes, die Gestaltung des Karl-Volke-Platzes als Zugang zum Kurpark, die Gestaltung verschiedener Straßenzüge wie Bismarckstraße, Bahnhofstraße oder Wasserstraße sowie die Förderung einer für den Ort verträglichen Mobilität. 

Nach diesem Input durch Alexander Lumpe und Felix Kutzera waren in der Tat die Einwohner gefragt, in einer kurzen allgemeinen Diskussion und passend zu den vier Handlungsfeldern an den jeweiligen Tischen konnten die rund 100 Teilnehmer ihre Vorschläge und Anregungen anbringen, die von den Mitarbeitern von Pesch und Partner festgehalten wurden, um sie in das ISEK einzubinden. 

Kritisch angefragt wurde unter anderem, ob es sinnvoll sei, nach den vielen laufenden Baustellen, gleich mit neuen Maßnahmen weiter zu machen, statt dem Ort etwas Ruhe zu gönnen. Bürgermeister Malte Dahlhoff erläuterte daraufhin, dass die ISEK-Maßnahmen eher abschnittsweise und der Reihe nach erfolgen würden. Manches wie die Sanierung der maroden Bismarckstraße sei zudem lange geplant und notwendig. 

Das Schicksal der Fußgängerbrücke am Jahnplatz wurde ebenfalls angesprochen, einige Teilnehmer sprachen sich für einen Erhalt aus. Dahlhoff wies jedoch darauf hin, dass es mit Brücke keine Zebrastreifen gibt, dass die Brücke zudem aber nicht barrierefrei ist. Daher sei abzuwägen zwischen Komfort für wenige oder Sicherheit für alle. 

Auch die Frage eines autofreien Zentrums durch Shuttlebusse zu den Parkflächen am Ortsrand war ein Thema. Dies sei allerdings auch eine Frage des Anreizes für die potenziellen Nutzer, so Dahlhoff. Nach der Weiterentwicklung auf der Grundlage der Bürgerversammlung wird das ISEK im Gemeinderat vorgestellt. 

Fußgängerbrücke wird kaum genutzt

Die Fußgängerbrücke am Jahnplatz erweist sich für die Verkehrsplanung als Klotz am Bein: Einerseits wird sie nur von sehr wenigen Fußgängern genutzt, so lange die Brücke da ist, wird es andererseits jedoch schwierig, für die Querung der Weslarner Straße gleichzeitig Zebrastreifen anzulegen. 

Davon würde Alexander Lumpe von der Ingenieurgruppe IVV aus Aachen gleich drei Stück empfehlen: Einen direkt am Kreisverkehr, einen in Höhe des Jahnplatzes und einen in Höhe des Parkplatzes Badestraße. Einen weiteren Zebrastreifen empfiehlt Lumpe für den Lohweg in Höhe der Sparkasse. Hier allerdings verbunden mit einer Einbahnstraße für die Umfahrt des Rathausparkplatzes. 

Wegen der Regel rechts vor links kommt es bislang nämlich zu erheblichen Stockungen, wenn Autos aus der Eichendorffstraße in den Lohweg abbiegen. Uwe Sommer (SPD) äußerte sich im Bauausschuss wegen der Idee einer Einbahnstraße skeptisch, die anderen Fraktionen waren dafür. Zumindest sollte man diese Lösung ausprobieren, so zum Beispiel Karl-Martin Lohenstein (BG). Auch die Platzierung der Zebrastreifen und eine Ausweitung der Tempo 30-Zone aus dem Lohnweg bis in den Bereich der Weslarner Straße zwischen Kreisel und Badestraße wurde im Grundsatz begrüßt. 

Bleibt das Problem mit der Fußgängerbrücke. Dass sie kaum genutzt wird, belegte Lumpe mit Zahlen. Gemäß Hochrechnung wird die Brücke tagüber zwischen 5 bis 19 Uhr von 80 Fußgängern genutzt, die Weslarner Straße Höhe Jahnplatz queren im gleichen Zeitraum 2 900 Menschen, Höhe Parkplatz Badestraße sind es 1 320, und in Höhe des Kreisels unterhalb der Brücke queren 280 Menschen die Weslarner Straße. Da die Brücke bis zum Auslaufen der Förderfrist 2020 Bestand hat, könnten die vorgeschlagenen Zebrastreifen eventuell im Probebetrieb angelegt werden, erläuterte Bürgermeister Malte Dahlhoff. Dies muss jedoch in Abstimmung mit dem Kreis Soest erfolgen. Diese Vorgehensweise wurde vom Bauausschuss bei einer Enthaltung einstimmig beschlossen.

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