Verein zur Förderung der Geselligkeit Ostinghausen

Elmar-Schumacher: „Isolation ist zunehmend ärgerlich“

Wie aus einer anderen Welt: 2019 machte das Swing-Frühstück bei schönstem Wetter und zahllosen Gästen Lust auf noch viel mehr Geselligkeit.
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Wie aus einer anderen Welt: 2019 machte das Swing-Frühstück bei schönstem Wetter und zahllosen Gästen Lust auf noch viel mehr Geselligkeit.

Ostinghausen – Eine bierernste Angelegenheit steckt schon hinter dem Vereinsnamen: Der „Verein zur Förderung der Geselligkeit Ostinghausen“ entstand nämlich 1989 als eine Sammlung von Bierspendern. Später organisierten die geselligsten Ostinghausener viele Feste, ehe mit dem Lockdown die Geselligkeits-Notbremse gezogen werden musste. Anzeiger-Redakteur Jürgen Vogt ging im Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden Elmar Schumacher der Frage nach, was von einem Verein übrigbleibt, dessen Vereinszweck von einem fiesen Virus untergraben wird.  

Sie nennen sich „Verein zur Förderung der Geselligkeit Ostinghausen“. Das klingt wie eine Schnapsidee.
Das war auch eine. Es gab hier 1989 eine Clique, die es einem jungen Man ermöglichen wollte, Schützenkönig zu werden. Deshalb haben die damaligen Gründer auf der Rückseite eines Schützenfest-Plakates Bierspenden gesammelt. Später kam es dann zwar nicht zum entscheidenden Schuss auf den Vogel, dafür aber zu einer Ersatzveranstaltung inklusive inoffizieller Gründung des „Vereins zur Förderung der Geselligkeit Ostinghausen“. Ursprünglich ist dieser Name also eher ein Jux gewesen. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Verein über viele Jahre höchst aktiv war. In Spitzenzeiten gab es 150 Mitglieder.
Und wie ging es nach diesen Spitzenzeiten weiter?
Mit dem Ende der großen Landjugendpartys gab es auch die große Halloween-Party in Ostinghausen nicht mehr. Seither kümmert sich der Verein mit unterschiedlichen Veranstaltungen um die Verbesserung der Geselligkeit im Ort. Dabei sind wir in der Gestaltung völlig frei.
Der Verein will die Geselligkeit im Ort fördern. Hat Ihr Verein im letzten Jahr das Ziel verfehlt?
Ich denke „nein“ - ein „ja“ wäre für die unbekannte Situation wohl zu selbstkritisch. Wir haben lange gehofft, dass im Winter mehr möglich ist, so dass wir im vergangenen Jahr noch keine Online-Aktivitäten entwickelt haben. Für unseren Weihnachtsmarkt, bei dem wirklich viele Leute aus dem Ort mitwirken, oder das gemütliche Winterkino gibt es aber ohnehin keinen adäquaten Ersatz. Gut war, dass wir Anfang des Jahres einen Schwerpunkt auf die Bildung einer Jugendgruppe legen konnten und das wir im September unser Swing-Frühstück mit rund 60 Besuchern und Livemusik unter Hygienekonzept veranstaltet haben. Das hat allen Beteiligten viel Spaß gemacht.
Das sind vergleichsweise wenige Aktivitäten. Wie fühlt es sich an, Geselligkeit anzustreben und dann doch eher zur Isolation verurteilt zu sein?
Das geht eine Weile ganz gut, die Isolation ist aber zunehmend ärgerlich. Insbesondere wenn es darauf hinauslaufen könnte, dass wir ins zweite Jahr gehen und es womöglich noch die ein oder andere schöne Veranstaltung zum zweiten Mal betreffen wird. Egal von welchem Verein diese ausgerichtet wird, dass ist dann schon frustrierend. Gut nur, dass mit den Impfungen und dem demnächst wieder wärmeren Wetter eine echte Perspektive besteht.
Wie sehen die Vereinsmitglieder die Lage? Gibt es Gegenkonzepte? Online-Geselligkeiten?
Was ich wahrnehme ist, dass es halt so hingenommen werden muss. Es gibt eine ordentliche Perspektive, das ist wichtig, bis dahin gehen wir auch mit gutem Beispiel voran. Ein paar angepasste Veranstaltungen wird es in diesem Frühjahr allerdings geben. So wollen wir mit unserer Jugendgruppe und zusammen mit dem Jugendhaus Bettinghausen Nistkästen bauen. Wenn dies vor der Brut- und Setzzeit nicht erlaubt ist, wird es die Materialien als fertige Bastelsets nach Hause geben. Am 26.Februar wird die Generalversammlung online stattfinden, genauso wie die im vergangenen Jahr ausgefallene Bierprobe. Sollte diese nicht möglich sein, planen wir jedem Teilnehmer seine Biere nach Hause zu liefern und per Videokonferenz zu verkosten.
Bier zu Hause online verkosten: Macht das Freude?
Natürlich macht das Freude. Es ist sicherlich nicht so schön wie beisammen zu sitzen. Aber wir wollen das auflockern, indem wir ein Beiprogramm anbieten und zum Beispiel alter Bilder und Videos zeigen.
Warum ist Geselligkeit so wichtig, dass es sich lohnt einen ganzen Verein dafür zu gründen?
Wenn man mit dem Wohnen im Dorf mehr als nur eine Schlafstätte verbindet, halte ich gemeinsame Veranstaltungen und damit Geselligkeit für sehr wichtig. Selbst wenn mich mit meinem Nachbarn oder dem Ort im Alltag wenig verbindet, bekomme ich so zwanglose Anknüpfungspunkte und kann Bekanntschaften schließen oder bestenfalls Vorurteile abbauen. Das Ganze schafft Identifikation und Zusammenhalt und das ist für sogenannte „Pohlbürger“ häufig genauso wichtig wie für Neubürger. Dadurch, dass unser Verein keinen anderen Zweck verfolgt ist auch die Gelegenheit zur Mitwirkung einfach und bindet nicht sofort an andere Aufgaben, die vielleicht abschrecken. Wer nur einmal im Jahr Lust und Zeit hat zum Beispiel den Weihnachtsmarkt mitzugestalten ist genau so herzlich eingeladen wie jemand der sich dauerhaft einbringen möchte. Genauso sind neue Ideen für wirksame Veranstaltungen herzlich willkommen.
Wie sind Sie ganz persönlich durch die geselligkeitslosen Monate gekommen?
Blende ich die herausfordernde berufliche Situation mal aus, war für mich die „quasi Löschung“ des privaten Kalenders, speziell während des ersten Lockdowns, auch ein interessanter Effekt. Das war eine regelrechte Entschleunigung und für den begrenzten Zeitraum keine schlechte Erfahrung. Wenn ich allerdings sehe, bei wie vielen Menschen es dabei um die Existenz geht, hätte ich auf diese Erfahrung gerne verzichtet.
Elmar Schumacher geht die Lust an der geselligkeitsarmen Zeit langsam aber sicher verloren.

Bisher geplante Programmpunkte

16. Januar: Weihnachtsbaumaktion – die Bäume werden ab 9 Uhr gegen eine Spende abgeholt (Erlös für die Vereinsjugend); Februar: Nistkästen bauen; 26. Februar: Online-Generalversammlung; April/Mai: Insektenhotels bauen; Juni:Bierverkostung (eventuell online), Palettenmöbel bauen (Jugendgruppe); 5. oder 19. September: Swing-Frühstück; 9. Oktober: Weintour; 3. November: Kirmesbummel; 11. Dezember: Weihnachtsmarkt; 17. Dezember: Winterkino; zudem ist womöglich ein Online-Bingo geplant.

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