Unmut über verspätetes Silvesterfeuerwerk

BETTINGHAUSEN ▪ Die Knaller in der Silvesternacht sind Tradition und gehören dazu; das sieht auch Silke Mandel aus Bettinghausen so. Gegen diese Raketen hätte sie auch nichts einzuwenden. In ihrem Dorf sei es aber immer mehr zur Gewohnheit geworden, mehr oder weniger besondere Ereignisse mit lautem Geknalle anzuzeigen. Silke Mandel möchte deshalb zur Mäßigung mahnen.

Besonders schlimm war es Mandel zufolge am Donnerstag vor dem Schützenfest. Das dorfweite traditionelle Kränzen mündete demnach in ein eineinhalbstündiges Feuerwerk. „Das war drei mal so lange wie in der Silvesternacht. Um 23.30 Uhr kehrte dann endlich wieder Ruhe ein. Nun blieben noch vier Stunden bis der Wecker klingelte, denn es war an einem ganz gewöhnlichen Wochentag“, berichtet die Bettinghauserin.

Als Reaktion auf die Knallerei hatte sie in der Nacht die Polizei alarmiert. Einen entsprechenden Einsatz bestätigte Polizeisprecher Winfried Schnieders. Als der Streifenwagen vor Ort eintraf, sei aber bereits wieder Ruhe eingekehrt.

„Es soll wohl etwas

ausgeartet sein“

Helmut Klösener, stellvertretender Brudermeister der Antoniusschützen, erklärte, dass am Abend des Kränzens in der Tat in einem der Straßenzüge Feuerwerkskörper abgebrannt wurden: „Wenn, dann ist das aus Jux gemacht worden“, sagte Klösener, „aber ich habe wohl gehört, dass das etwas ausgeartet sein soll.“ Dass es, wie Mandel schildert, in Bettinghausen vermehrt zu unerlaubtem Einsatz von Silvesterfeuerwerk und Böllern kommt, darüber liegen Schnieders und Fachbereichsleiter Frank Becker für das Bad Sassendorfer Ordnungsamt allerdings keine Erkenntnisse vor. Ausgestanden war die Sache für Silke Mandel und ihre Familie nach dem Feuerwerk vor dem Schützenfest aber offenbar nicht. So berichtet sie, dass auf ihrem Anwesen, seit sie wegen der eineinhalb Stunden dauernden Böllerei die Polizei gerufen hatte, immer wieder Raketen und Chinaböller absichtlich nah an ihrem Haus platziert worden seien. Die Familie wohne in einem 200 Jahre alten Fachwerkhaus mit angrenzendem Stall, entsprechend groß sei die Gefahr, dass durch einen Feuerwerkskörper etwas passieren könnte.

Jeder „Freudenknaller“ führe zudem zu lautem Hundegebell und aufgeschreckten Vögeln, unter anderem auch im nahe gelegenen Naturschutzgebiet der Woeste: „Die Tiere haben in so einer Nacht richtig Stress“, berichtet Mandel und appelliert an die „Knallteufel“, auch an die Tierwelt zu denken. Wunderkerzen seien schließlich auch sehr schön.

Die gesetzlichen Grundlagen

Den Umgang mit explosiven Stoffen und Feuerwerkskörpern regeln das Sprengstoffgesetz und die zugehörigen Verordnungen. In Paragraf 23 der „Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz“ ist geregelt, dass pyrotechnische Gegenstände der Kategorie II (das typische Silvesterfeuerwerk) ohne vorherige Erlaubnis nur am 31. Dezember und 1. Januar nur von Personen über 18 Jahre abgebrannt werden dürfen. Außerhalb dieser beiden Tage dürfen Feuerwerkskörper der Kategorie II nur von Personen abgebrannt werden, die eine entsprechende Erlaubnis nach den Paragrafen 7, 20 oder 27 der Ersten Sprengstoffverordnung besitzen. Ein Verstoß gegen diese Vorschriften wird als Ordnungswidrigkeit eingestuft und kann nach Paragraf 41 Sprengstoffgesetz je nach Schwere mit einer Geldbuße von bis zu 50 000 Euro geahndet werden. Wer vorsätzlich Leben oder Gesundheit eines anderen oder fremde Sachwerte gefährdet, begeht eine Straftat und kann nach Paragraf 42 SprengG mit bis zu einem Jahr Haft oder mit Geldstrafe bestraft werden. Zudem wird in einschlägigen Foren im Internet gewarnt, dass im Fall des unerlaubten Abbrennens von Raketen keine Versicherung für entstandene Schäden aufkomme. Wer unerlaubt Feuerwerkskörper abbrennt, spielt also womöglich im wahrsten Sinn des Wortes mit dem Feuer. ▪ tbg

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