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Tobias Wilms kritisiert das Projekt Trauercafé

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Von: Ludger Tenberge

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Das Nebengebäude der Trauerhalle Lohne wurde inzwischen entkernt. Ohne Vorliegen der Baugenehmigung, kritisiert Tobias Wilms. Ist im Rahmen der Landesbauordnung erlaubt, sagt die Kreisverwaltung.
Das Nebengebäude der Trauerhalle Lohne wurde inzwischen entkernt. Ohne Vorliegen der Baugenehmigung, kritisiert Tobias Wilms. Ist im Rahmen der Landesbauordnung erlaubt, sagt die Kreisverwaltung. © Peter Dahm

Die freiwilligen Helfer haben schon kräftig in die Hände gespuckt, um die Umnutzung von Nebenräumen der Trauerhalle Lohne auf den Weg zu bringen. Diesem Engagement entgegen steht die kritische Haltung des Lohners Tobias Wilms, der das Vorhaben wegen der Nähe zum Friedhof ablehnt.

Lohne – Neben inhaltlichen führt Wilms inzwischen auch baurechtliche Vorbehalte an. „Nach meinen privaten Informationen soll sich zwischenzeitlich gezeigt haben, dass die Umnutzung der Trauerhalle in einen Landjugend- und Veranstaltungsraum baurechtlich nicht genehmigungsfähig ist“, berichtet er in einer E-Mail an diese Zeitung. Um eine Baugenehmigung zu erhalten, habe die Gemeinde Bad Sassendorf offenbar nur noch die Nutzung als Trauercafé beantragt. Damit seien alle anderen Nutzungen baurechtlich nicht zulässig. Bei aller Unterstüzung für das Ehrenamt dürfe ein solches Vorgehen der Verwaltung nicht das Handeln bestimmen. Die Rechte der Angehörigen seien „der Spaßgesellschaft geopfert worden“.

Diese Ausführungen will Bürgermeister Malte Dahlhoff nicht gelten lassen. Auf Nachfrage bestätigt er, dass das Vorhaben unter dem Oberbegriff „Trauercafé“ laufe. Dies werde in dem vom Regionalrat der Bezirksregierung bewilligten Förderantrag aber weiter präzisiert. So laute der entscheidende Abschnitt in dem Antrag, dass das bislang praktisch ungenutzte Nebengebäude der Trauerhalle baulich und nutzungstechnisch zu einem multifunktionalen Mehrzweckgebäude für die ganze Dorfbevölkerung weiterentwickelt werden soll. Weiter heißt es in dem Antrag: „Neben der Herrichtung eines witterungsunabhängigen Begegnungsraums zum Beispiel für Friedhofsbesucher nach dem Beispiel eines Öffentlichen Wohnzimmers soll ebenfalls ein Gemeinschaftsraum mit entsprechenden Außenanlagen für Trauerfeiern und andere dorftypische Nutzungen/Veranstaltungen errichtet werden; im Sinne des Dorfinnenentwicklungskonzeptes ist hier ebenfalls soziale und intergenerationelle Interaktion zwischen den unterschiedlichen Nutzergruppen das Ziel.“ Das Öffentliche Wohnzimmer und der Gemeinschaftsraum sollen durch eine mobile Trennwand abgrenzbar sein. Bei Bedarf könnten die Einzelbereiche zu einem großen Begegnungsraum, etwa für Trauercafé nach größeren Beerdigungen, verbunden werden, heißt es in der Begründung des Förderantrags weiter.

Nach Einschätzung des Bürgermeisters könnte unter diesen Rahmenbedingungen sehr wohl ein Raum für die Landjugendgruppe geschaffen werden. Maßgeblich sei eine Nutzung gemäß dem beantragten Konzept, so Dahlhoff: „Es wird auf keinen Fall in Richtung Partybude gehen, die Maxime war immer, dass die Nutzung des Friedhofs nicht eingeschränkt werden darf.“ Die Gemeinde habe als Eigentümerin des Gebäudes immer die Möglichkeit, im Fall des Falles sofort gegenzusteuern.

Der Bürgermeister räumt aber ein, dass baurechtlich gesehen in dem Areal eine friedhofsnahe Nutzung vorgeschrieben ist. Auf dieser Grundlage, bestätigt der Kreis Soest als Baugenehmigungsbehörde, sei das Projekt Trauercafé beantragt worden; etwas anderes sei auch nicht genehmigungsfähig. Dass, wie Wilms im Gespräch mit dieser Zeitung ebenfalls kritisierte, bereits ohne Vorliegen der Baugenehmigung mit der Entkernung begonnen wurde, ist dem Kreis zufolge kein Problem. Vorbereitende Arbeiten gemäß Paragraf 62 der Bauordnung NRW seien genehmigungsfrei. Überdies, so der Kreis, seien die Arbeiten inzwischen aber auch eingestellt.

Ergänzend erläuterte Bürgermeister Dahlhoff, dass wegen Änderungen bei einer Wand eine Genehmigung bezüglich der Statik beantragt werde. Ebenso sei ein Bestuhlungsplan nachgereicht worden, um zu belegen, dass bei weitem keine Versammlungsstätte für 200 Personen und mehr entstehe. Der Bauantrag sei inzwischen vollständig und entscheidungsfähig, bestätigte der Kreis.

Die grundsätzliche Bewertung des Vorhabens bleibt indessen verschieden. Bürgermeister Dahlhoff: „Das Dorf steht dahinter und Wilms versucht das Projekt auf formalem Wege kaputt zu machen.“

Verteidigt wird das Vorhaben ebenfalls von Rötger Sander vom Trägerverein „Lohner in Westfalen“: „Von einer Spaßgesellschaft kann keine Rede sein“, sagte Sander und führt als Beispiel den Frühschoppen der Schützen an, mitsamt rhetorischer Frage und mitgelieferter Antwort: „Ist das Spaßgesellschaft? Das ist Gemeinschaft, das ist Dorfzusammenhalt.

Wilms wiederum hält an seiner grundsätzlichen Ablehnung fest. Die Sache sei von vornherein falsch gelaufen. Gegenargumente seien beiseite gewischt worden, keineswegs werde das Projekt von 80 Prozent der Einwohner befürwortet und das Spannungsfeld Friedhof versus Dorfgemeinschaftshaus sei nicht gelöst, gleiches gelte für den Landjugend-Raum.

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