Tierfreunde sabotieren die Nutria-Jagd im Kurpark

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Die Nutrias im Kurpark zeigen wenig Scheu vor den Menschen, das kann zu Problemen führen, wenn sie zubeißen.

Bad Sassendorf - Die Nutrias im Kurpark entwickeln sich aus Sicht der Gemeinde zu einer Plage. Daher hat sich der Umweltausschuss im Juli für Gegenmaßnahmen ausgesprochen. Die Bemühungen gestalten sich jedoch schwierig, so öffnen Nutria-Freunde bisweilen die aufgestellten Lebendfallen und machen einen Jagderfolg damit zunichte.

Wasser, Böschungen aus weicher Erde für die Bauten – und dann noch Spaziergänger, die mit Möhren und anderen Leckereien verwöhnen: Den Nutrias im Kurpark geht es richtig gut. Zu gut, sagen die Verantwortlichen. Die ursprünglich in Amerika beheimatete Nagetierart breite sich im Kurpark all zu sehr aus. 

Dies wohl auch, weil die Maßnahmen, um die Zahl der Tiere einzudämmen, immer wieder konterkariert werden. So bestätigte Bürgermeister Malte Dahlhoff, dass zugeschnappte Lebendfallen, die im Kurpark aufgestellt wurden, um der Tiere habhaft zu werden, von Nutria-Freunden wieder geöffnet werden. 

Ein Problem sind die Tiere im Kurpark aus verschiedenen Gründen: Wenn sie ihre unterirdischen Wohnbauten anlegen, unterminieren sie die Böschungen der Gewässer. Zudem sieht die Gemeinde die Gefahr, dass Nutrias Menschen oder Haustiere beißen könnten. Dass dies verschiedentlich sehr wohl vorkommt, zeigt eine Suchabfrage im Internet. So berichtete die Kölnische Rundschau im Februar, dass Spaziergänger in den Rheinauen von Nutrias gebissen worden seien. Da die Nager dort an Menschen gewöhnt seien, ließen sie sich streicheln, dabei sei es zu Bissverletzungen gekommen. Der Bonner Stadtrat habe daher ein Fütterungsverbot für Wasservögel und Nutrias beschlossen. 

Von Bissverletzungen durch Nutrias berichtete auch die Nordwest-Zeitung Oldenburg. Wenn Nutria sich bedroht fühlen, könnten sie ihren Kiefer weit aufklappen und gefährlich zubeißen. So sei ein Jagdhund durch einen Nutria tödlich verletzt worden, kleinere Hunde würden von ihnen unter Wasser gezogen, auch Menschen seien schon von Nutria angesprungen und gebissen worden. 

Das Land Niedersachsen wiederum lässt Nutrias gezielt bejagen – sechs Euro gibt’s pro Schwanz als Nachweis für einen erlegten Nutria. Niedersachsen ist alarmiert, weil die Wühltätigkeit der Nutrias eine große Gefahr für Deiche und Dämme darstellt. Bei 650 Kilometern Sturmflutdeichen und 1 000 Kilometern an Deichen im Landesinneren rechnet der Wasserverbandstag Niedersachsen Zeitungsberichten zufolge mit siebenstelligen Schadenssummen pro Jahr. 

Zurück in den Kurpark: Hier möchte die Gemeinde den Nutriabestand aus den genannten Gründen wenigstens klein halten: Es handle sich eben um eine invasive Art, so der Bürgermeister. Keinesfalls sollten die Tiere von Kurparkbesuchern auch noch gefüttert werden.

Das sagt der Naturschutzbund über Nutrias

Nutrias stammen ursprünglich aus Südamerika, seit den 1920er Jahren wurden sie in Pelztierfarmen auch in Deutschland gehalten, einzelne Exemplare entkamen jedoch immer wieder und vermehrten sich in freier Wildbahn, in Deutschland gilt die Art daher inzwischen als etabliert. Nach Einschätzung des Naturschutzbundes Deutschland in NRW (NABU) kann die Art Lebensräume wie Uferröhrichte und die in ihnen beheimateten Arten schädigen. 

Eine reguläre Bejagung würde aber weder die aktuelle Ausbreitung noch die erreichte Populationsdichte verringern, so der NABU. Wenn die Neozoen (also in Deutschland eigentlich nicht heimischen Tiere) aus wirtschaftlichen oder artenschutzrechtlichen Gründen lokal bekämpft werden, sei dies jedoch hinnehmbar. Wie sehr sich Nutrias in Deutschland vermehrt haben belegt der NABU mit der Jagdstrecke in NRW: Im Jagdjahr 2001/2002 wurden 1 733 tote Nutrias gezählt, davon 74 als Fallwild. Im Jagdjahr 2017/2018 waren es bereits 16 759 tote Nutrias, darunter 601 als Fallwild. Quelle: https://nrw.nabu.de

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