Taschengeldbörse im Kurort ist gut gestartet, hat aber nun ein Problem

+
Hilfe beim Staubsaugen ist eine der Aufgaben, die die Jugendlichen bei der Taschengeldbörse übernehmen können.

Bad Sassendorf – Vor gut einem Jahr rief das Seniorenbüro die Taschengeldbörse ins Leben, jetzt zogen Edelgard Große-Brauckmann und Hety Büchte eine erste Bilanz.

74 Einsätze seien von vier Jugendlichen bei insgesamt 17 Jobanbietern übernommen worden, erzählen die beiden Frauen, die sich intensiv um das Angebot kümmern. Dieses werde vorwiegend von älteren Menschen in Anspruch genommen. Ein bis zweimal wöchentlich, je nach Zeit und Bedarf, sind die Jugendlichen im Alter von 14 bis 20 Jahren ein bis anderthalb Stunden in Bad Sassendorf im Einsatz. 

Dafür wird ein Mindestlohn von fünf Euro pro Stunde, gern auch etwas mehr, gezahlt. Die Dienstleistungen sind vielfältig, beschränken sicht nicht nur auf Haus- und Gartenarbeiten oder Einkäufe. „Ich habe für eine ältere Frau einen biografischen Text, Gedichte und Erzählungen in den Computer übertragen. Das hat mir viel Spaß gemacht“, berichtet Jessica Reichart, eine junge Frau „der ersten Stunde“. Sie fand nicht nur die Arbeit toll, sondern auch den Kontakt mit den älteren Leuten. So sei sie schon mal zu einer Tasse Tee oder sogar zum Mittagessen eingeladen worden. 

Sie zogen eine erste Bilanz der Taschengeldbörse (von links): Edelgard Große-Brauckmann, Jessica Reichart, Hety Büchte und Brigitte Punde.

„Sie hat alles sehr gut gemacht“, berichtet Brigitte Punde, eine der Jobanbieterinnen, begeistert. Für die 18-jährige Schülerin, die mit dem Taschengeld ihren Führerschein mitfinanziert hat, endet ebenso wie für ihre drei Mitstreiterinnen jetzt die Zeit, in der sie ihr privates Budget ein wenig aufbessern konnte. Sie tritt nach dem Abitur am 1. September ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Medienpädagogik an. Da bleibt für den Nebenjob keine Zeit mehr. Die drei anderen jungen Frauen geben ihre Tätigkeit wegen Abitur, Auslandsaufenthalt und aus Krankheitsgründen auf. 

Zwei Nachfolgerinnen haben sich bereits gemeldet. „Es dürfen aber gern noch mehr sein“, hofft Edelgard Große-Brauckmann auf eine Fortsetzung des Projekts, das vielen mobilitätseingeschränkten älteren Menschen dabei hilft, Arbeiten im Alltag zu stemmen. Unkraut jäten, Türen, Zäune, Fenster und Regenrinnen reinigen, den Balkon winterfest machen, Efeu auf Grabstätten schneiden, Steinterrasse von Unkraut befreien, Vogelkäfig reinigen, Fotos einscannen, bügeln, staubsaugen – die Liste der bisherigen Hilfestellungen ist lang. Manche Senioren freuen sich, wenn die jungen Leute ihnen vorlesen, Rollstuhl-Ausfahrten begleiten, mit ihnen spielen oder einfach nur ein bisschen plaudern. 

Kontakt zwischen Alt und Jung ist wichtiger Nebeneffekt

„Der Kontakt zwischen Alt und Jung ist ein wichtiger Nebeneffekt der Taschengeldbörse“, berichtet Edelgard Große-Braukmann. „Es gibt sogar schon sechs neue Anwärterinnen“, weist sie auf großes Interesse bei den Senioren hin, das sogar über Bad Sassendorf hinaus geht. „Das geht aber leider nicht. Denn die jungen Leute können nicht bis nach Hultrop fahren. Sie sind ja zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.“ Die gesundheitlichen Einschränkungen der Senioren reichen von Schultergelenks- und Hüftoperationen über Arthrose, Rheuma, Sehbehinderungen, Gleichgewichtsstörungen, unsicherem Gehen oder einer allgemeinen Gehbehinderung bis hin zu Überlastung durch häusliche Pflege. Viele ältere Menschen haben keine Angehörigen und Freunde mehr oder sind auf den Rollstuhl angewiesen. Für sie alle ist das Angebot des Seniorenbüros ein Segen.

Wer mitmachen will, soll sich melden

Edelgard Große-Brauckmann hofft, dass sich junge Leute melden, die ihr Taschengeld aufbessern möchten. Mit Werbung in der Ini-Gesamtschule, im Jugendzentrum, bei kirchlichen Jugendgruppen oder der Jugendfeuerwehr sowie mit Flyern und über eine eigene Internetseite  macht sie auf das Projekt aufmerksam. Weitere Informationen sind im Seniorenbüro dienstags zwischen 15 und 17 Uhr oder unter Telefon 02921/3448642 und per E-Mail an die Adresse taschengeld.bs@gmail.com zu erfragen. Ansprechpartnerinnen sind Edelgard Große-Brauckmann und Hety Büchte. 

Bei Interesse führen sie ein persönliches Gespräch mit den jungen Leuten und suchen den geeigneten Aufgabenbereich aus. „Bei der ersten Kontaktaufnahme ist eine von uns dabei, anschließend gehen die Jugendlichen allein zu den Jobanbietern“, berichten Große-Brauckmann. Sie sind bereit, Fragen zu beantworten oder Probleme zu lösen. Die Eltern werden informiert und müssen die Anmeldeformulare unterschreiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare