Straßenname erinnert an historische Papiermühle

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Dieses Foto zeigt Leiffermanns Mühle. Das  Fachwerkhaus als relikt aus den Zeiten der Papiermühle wurde 1979.

Lohne – Der verborgene Ort, um den es hier geht, liegt sozusagen gut versteckt in der Vergangenheit. Die Ortsbezeichnung Papierne Trift erinnert noch daran, aber auch mit dieser Bezeichnung wissen viele nur wenig anzufangen. Eine Trift ist insbesondere ein von Vieh benutzter Weg zwischen Weide und Stall, aber warum ein solcher Weg als papieren bezeichnet wird? Der verborgene Ort hat damit zu tun, denn für lange Zeit befand sich in diesem Bereich, direkt an der Ahse gelegen, eine Papiermühle.

Angelegt wuerde diese technische Einrichtung gegen Ende des 17. Jahrhunderts durch den Soester Buchdrucker Anthon Utz. Das berichtet Alma Langenbach, die 1937 mit ihrer Dissertation „Westfälische Papiermühlen und ihre Wasserzeichen“ an der Uni Münster promoviert hat. 

Im Bördekataster von 1685 wurde die Mühle demnach noch nicht erwähnt, in den Akten der Stadt Soest findet sich aber der Vermerk, dass Anthon Utz 1693 „ohngefähr umb Michaelis“ die Mühle an die Stadt Soest verkauft habe. 

Danach wurde die Mühle wohl erst in Stand gesetzt, ab Michaelis 1694 wird dann „der Papiermacher zu Lohne“ als Lieferant der Stadt Soest überliefert, Georg Elmerhausen wird als erster Pächter genannt. 

Papier galt zu der damaligen Zeit als wertvolles Gut. Wobei die Herstellung aus, modern gesprochen, recycelten Lumpen, etwas weniger appetitlich erscheinen mag. Gleichwohl waren Lumpen bis weit ins 19. Jahrhundert hinein der einzige Rohstoff für die Papierherstellung. 

Dafür mussten die Lumpen in einem ersten Schritt zerkleinert werden. Durch Wasserkraft wurde dazu in der Mühle ein Stampfgeschirr angetrieben. In einem flachliegenden Eisentrog schwammen die zerkleinerten Leinenlumpen, die durch schwere eiserne Hämmer zerstampft wurden, aus den Bestandteilen entstand so eine Art Brei aus Wasser und Fasern. 

Dieses Foto zeigt Leiffermanns Mühle um 1950. Gut zu erkennen sind das Mühlenwehr und -teich und dahinter das Mühlengebäude aus dem 19. Jahrhundert.

Wichtig für die Herstellung eines reinen und weißen Papiers waren ein sorgfältiges Aussortieren und Arbeiten. Der „Lumpenbrei“ aus Fasern und Wasser kam in die Bütte, eine Art Fass, in dem der Brei angewärmt wurde. Der Büttgeselle schöpfte nun mit dem Schöpfrahmen, der ein feines Sieb aus Messingfäden enthielt, portionsweise den Brei ab. 

Den feuchten Papierbogen aus dem Rahmen zu lösen war die Aufgabe des zweiten Gesellen, des Gautschers. Jeweils 181 feuchte Papierbögen wurden, jeder für sich zwischen 182 Filzbahnen aufgestapelt. Aus diesem Stapel, dem Pauscht, wurde nun das Wasser ausgepresst, anschließend wurden die Papierbögen auf dem extra hohen Dachboden der Papiermühle getrocknet. 

Die Papiermühle an der Ahse erlebte je nach Tatkraft der Pächter ein gewisses Auf und Ab, der „achtbare Papiermeister Johannes Langenbach zu Lohne“ war um 1700 einer der erfolgreichen Betreiber. Verbunden war mit der Papiermühle die Sicherung des Rohstoffnachschubs. 

So wird Alma Langenbach zufolge in den Soester Akten überliefert, dass um 1803 die Witwe Schmidt zu Lohne das Lumpenmonopol in der Stadt Soest und der Börde habe. Lumpensammler durften die Lumpen nur an die Lohner Papiermühle liefern, keinesfalls durften die Lumpen ins „Ausland“, also ins Münsterland oder das Kurkölnische Sauerland verkauft werden, um der einheimischen Papierherstellung den Nachschub zu sichern. 

Die Nutzung als Papiermühle wurde Mitte des 19. Jahrhunderts unrentabel, weil sich die industrielle Produktion zunehmend durchsetzte. 1843 wurde daher stattdessen durch die Kaufleute Bettmann und Leiffermann eine Graupen-, Schrot- und Mahlmühle eingerichtet. Für diese Mühle wurden 1855 und 1892 eine Scheune und eine Mühle neu errichtet, und schon damals gehörten wahrscheinlich nur noch Teile eines alten Fachwerkhauses in die Zeit der Papiermühle. 

Dieses Fachwerkhaus wurde 1979 abgerissen, aus der Mühle wurde ein Wohngebäude. An den Standort der historischen Papiermühle erinnert heute daher vor allem der Straßenname „Papierne Trift“.

Aus dem Heimatarchiv 

Die historischen Fotos und weiteres Material für diesen Beitrag hat Ortsheimatpfleger Axel Droste dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt.

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