Erinnerung an NS-Opfer

Stolpersteine verschwunden - Bürgermeister klärt auf

Stolpersteine Bad Sassendorf
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Die Stolpersteine, die Gunter Demnig im Juli 2012 setzte,  erinnern an Hedwig Weinberg und ihren Sohn Gerd.

Wo sind die „Stolpersteine“. Das fragte sich eine Besucherin. Wir haben uns im Rathaus erkundigt.

Bad Sassendorf – Warum liegen die beiden „Stolpersteine“ – Teil eines großen, internationalen Projektes des Künstlers Gunter Demnig – nicht mehr vor dem Haus Kaiserstraße 5? Fraktionsvorsitzende Tanja Deichmann berichtet, die Grünen seien von einer Besucherin aus Berlin angesprochen worden, die diese kleinen, ins Pflaster eingelassenen Gedenktafeln vermisst.

Die in einen Betonquader gegossenen Messingplatten seien im Sommer 2012 zum Gedächtnis von Hedwig Weinberg und ihren Sohn Gerd verlegt worden, so die Ratsfrau. Regina Weinberg aus Brasilien, eine Nachfahrin, sei wenige Jahre zuvor auf den Spuren ihrer Familie mit ihren drei Töchtern in Bad Sassendorf gewesen. Sie habe damals angeregt, die Stolpersteine zu setzen und erklärt, sie wolle das Geld für diese Aktion geben.

In einer Stellungnahme der Grünen heißt es: „Nun fragen sich natürlich auch die Grünen, wo die Steine geblieben sind. Möglich ist es, dass sie bei Baumaßnahmen abgeräumt worden sind. Gut wäre es zu wissen, was mit ihnen geplant ist und wann und wo sie wieder verlegt werden sollen. Immerhin sehen die Grünen die Gemeinde in der Pflicht, zumal die Familie Weinberg die Kosten privat übernommen hatte.“

Bürgermeister Malte Dahlhoff liefert auf Anzeiger-Anfrage die Antwort: Als im vergangenen November im Zentrum des Kurortes der Abriss der Fußgängerbrücke anstand, seien die Stolpersteine sicher eingelagert worden. Im Zuge der Neugestaltung des Jahnplatzes sollen sie wieder eingebaut werden, teilt er mit.

Mit seinem Einsatz erinnert Gunter Demnig an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Sie sollen nicht in Vergessenheit geraten, Anliegen des gebürtigen Berliners ist es, ihre Biografien und das, was sie erlitten, im Bewusstsein zu verankern. Viele starben einen anonymen Tod, deshalb stehen ihre Namen und Daten auf der Oberfläche. Wer die Inschrift lesen will, muss innehalten, sich bücken und den Kopf neigen, eine Verbeugung vor den Opfern und ein Mahnmal, das zum Nachdenken anregen soll.

Die jüdische Bewohnerin Hedwig Weinberg war 1942 nach Zamosc ins Getto deportiert worden, später wurde sie für tot erklärt. Ihr Sohn, Gerd Weinberg, 1924 in Bad Sassendorf geboren, wurde nach seiner Emigration in die Niederlande dort verhaftet, 1943 in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt und ermordet. Besonders wichtig sei es ihm, mit den Stolpersteinen die Jugend zu erreichen, betonte Gunter Demnig, als er im Juli 2012 sein Kunst-Denkmal in Bad Sassendorf fortsetzte. Er möchte die Plätze markieren, an denen die Opfer lebten und die Verbrechen einst begannen. Ihr Schicksal soll greifbar werden.   

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