"Stille Heldin des Alltags": Denkmal für Johanna Volke in Planung

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Johanna Volke hat sich Zeit ihres Lebens mit hohem Engagement für ihre Mitmenschen eingesetzt.

Bad Sassendorf - Die Hebamme Johanna Volke (1892 - 1963) hat sich Zeit ihres Lebens unermüdlich und aufopferungsvoll um Mütter und Neugeborene gekümmert. Um an diesen Einsatz zu erinnern, setzt sich ein Initiativkreis für die Errichtung eines Denkmals ein. Der Kulturausschuss der Gemeinde signalisierte dafür jetzt breite Zustimmung.

Ein Leben für die Menschen: So fasst der Kirchenkreis Soest in einer Lebensbeschreibung, nachzulesen auf der Homepage, das Wirken der Bad Sassendorfer Hebamme Johanna Volke zusammen. Die 1892 als Johanna Eweler geborene und aus Großdornberg bei Bielefeld stammende Hebamme hatte sich nach ihrer Ausbildung seit 1925 in Sassendorf und den umliegenden Dörfern aufopferungsvoll und engagiert um die Mütter und ihre Neugeborenen gekümmert. 

Dazu war sie gerade auch in den Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit bei Wind und Wetter unterwegs. 1960 wurde dieser Einsatz durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt.

Das Andenken an die Hebamme, die ungezählten Menschen aus der Region auf die Welt verhalf, soll in der Gemeinde wach gehalten werden. So wurde das im März 2012 eröffnete Johanna-Volke-Familienzentrum nach der Hebamme benannt. Das soll aber nicht alles bleiben, mit Blick auf den Todestag der Hebamme, der sich im nächsten Jahr zum 55. Mal jährt, soll eine Skulptur an Volke erinnern.

Diese Idee stellte der Sassendorfer Ortsheimatpfleger Volker Kneisel jetzt im Kulturausschuss vor. Ebenso wie der frühere Kurseelsorger Christian Casdorff, heute Pfarrer in Soest, verfolgt Kneisel den Gedanken schon seit einiger Zeit. „Johanna Volke war eine stille Heldin des Alltags, sie hätte ein Denkmal verdient“, bekräftigte Kneisel.

Während des Krieges und in der Zeit danach habe Volke sich ohne Ansehen der Person auch um Zwangsarbeiterinnen oder Flüchtlinge gekümmert. Und da sie unzähligen Menschen aus der Region durch ihr Wirken als Hebamme auf die Welt geholfen hat, wäre eine Skulptur zudem identitätsstiftend für die Einwohner.

Klar sei, dass die Skulptur auch die typischen Attribute Volkes beinhalten sollte: Das Fahrrad, mit dem sie zu ihren Einsätzen eilte, mitsamt der schwarzen Hebammentasche auf dem Gepäckträger und dem Hirtenhund „Asso“ an ihrer Seite, den die Hebamme mit gebrochenem Bein in einem Straßengraben gefunden und gesund gepflegt hatte und der sie seither auf ihren Touren stets begleitete.

Der Finanzrahmen für das Denkmal ist auf 10 000 Euro festgesetzt, die Gemeinde steuert einen Betrag von 6 559 Euro bei, der kürzlich aus der Versteigerung antiker Möbel zusammengekommen ist. Der Rest soll durch Spenden aufgebracht werden.

Im Gespräch für eine Umsetzung sind auch die Möhneseer Bildhauer Michael und Christof Winkelmann. Eine Bronzestatue sei für das festgelegte Budget aber nicht zu verwirklichen, so Kneisel. Er regte daher an, Kontakt zu der Künstlerin Christel Lechner aufzunehmen, die mit ihrer Serie „Alltagsmenschen“ bei der Bevölkerung sehr gut ankommt. Lechners Skulpturen aus Beton sind unter anderem in Rietberg und im Hammer Maxipark zu sehen.

Kneisels Vorschläge fanden im Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Kultur durch die Bank breite Zustimmung. Auch seine Fraktion unterstütze die Idee sehr, erklärte beispielsweise Karl Rusche von den Grünen. Zudem regte er an, eventuell eine Verknüpfung mit dem regelmäßig in Bad Sassendorf stattfindenden Hebammenkongress herzustellen. Helmut Schmitz (SPD) regte für das weitere Vorgehens die Bildung eines Arbeitskreises an. Dem stimmten die Ausschussmitglieder einstimmig zu.

Eine Schilderung des Lebens der Hebamme, verfasst von Ernst H. Wulfert, findet sich unter www.kirchenkreis-soest.de.

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