"Ausprobiert"-Serie im Thermalbad

Anzeiger-Mitarbeiter schwitzt beim Aufgießen in der neuen Siedehütte

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Anzeiger-Reporter Nico Nölken beim Vergießen des Duftwassers auf die 300 Grad heißen Steine.

Bad Sassendorf - Bei ihnen kommen alle ins Schwitzen: Die Aufgießer und Saunameister der Soletherme Bad Sassendorf gießen mit ihren Kellen in der Saison täglich rund 90 Gästen Duftwasser auf 300 Grad heiße Steine und wedeln ihnen knapp 90 Grad heiße Luft zu. Wir probieren es aus.

Im Kurort sind vor allem regionale Düfte en vogue: Thomas Kaplon ist Teamleiter und erklärt, dass sich jeder Mitarbeiter vor dem Aufguss gründlich Gedanken um das Thema des jeweiligen Duftes machen muss. Dafür gibt es einen eigenen Aufguss-Vorbereitungsraum: „Wir versuchen mit holzigen Düften wie Fichte, Kiefer und Tanne regional zu bleiben und Gerüche aus der Soester Börde aufzugreifen.“ Der 47-Jährige ist selbst Quereinsteiger, war zunächst nebenberuflich Teil des Therme-Teams und ist seit 2016 fest dabei. Er weiß: „Der Job wird häufig unterschätzt. Die Leute denken, man haut Wasser auf den Ofen und wirbelt nur mit dem Handtuch herum.“ 

Dass der Beruf viel facettenreicher ist, zeigt sich schnell: Im Kochtopf bereiten wir den Aufguss „Kräutergarten“ vor. Die in der Rezeptur enthaltenen mediterranen Kräuter umfassen Thymian, Rosmarin, Lavendel und Zierbelkiefer. Bevor der Duft über zwei Runden jeweils acht bis zehn Minuten lang an den Gast gebracht wird und man dabei Tee verteilt, muss ich die Grundlagen des Aufgießer-Jobs erlernen. Hierfür ist jetzt die neue Siedehütte unser Terrain: Bevor sie am 6. September eröffnet werden soll, proben die Mitarbeiter hier die Aufgüsse in der neuen Anlage. 

Die Welt der Wedeltechniken: Unser Reporter konnte in der neuen Siedehütte viel lernen.

Fünf Minuten vor jedem Aufguss soll hier künftig die Glocke „Alfons“ aus Österreich läuten. Vor der offiziellen Eröffnung verzichten Thomas Kaplon und ich zwar auf dieses Ritual, die authentische Bekleidung eines Saunameisters ist jedoch Pflicht: Während der Teamleiter ein Saunakilt trägt, umwickle ich mir ein Handtuch sowie ein kleines Schweißtuch, von dem ich bei einer Temperatur von 92 Grad rasch Gebrauch machen werde. 

Im Schweiße meines Angesichts erlerne ich nun die wichtigsten Regeln, die normalerweise in einem 14-tägigen Seminar vermittelt werden: „Bei einem Aufguss hast du viel Verantwortung“, unterstreicht Kaplon. „Du kannst deinem Gast auch viel Schlechtes tun und bei falscher Dosierung im schlimmsten Fall eine Verpuffung herbeiführen.“ Die Herausforderung bestehe darin, nicht zu viel aufzugießen und die richtige Wedeltechnik anzuwenden. 

200 Milliliter Schweiß

Unser nach Rezeptur zubereitetes Duftwasser darf ich nun mit einer Kelle auf die knapp 300 Grad heißen Steine gießen. Um Verbrennungen am eigenen Körper zu vermeiden, gilt es, das Wasser stets zu mir hin zu verteilen. Bevor mich Thomas Kaplon in die Welt der Wedeltechniken einführt, muss ich die brandneue Siedehütte verlassen: Die Hitze setzt mir zu, ich trinke gerne einen Schluck aus der von Kaplon mitgebrachten Wasserflasche. Sieben Aufgüsse pro Tag wirken auch auf den Körper des erfahrenen Teamleiters ein, weshalb er sich stets ausreichend Wasser mitnimmt. „Pro Aufguss verliert man in dem Job rund 200 Milliliter an Schweiß“, sagt er. 

Zurück in der hölzernen Sauna soll der verdunstete Kräutergarten-Duft an die potenziellen Gäste gebracht werden. Bevor ich das Kondensat mit den Handtüchern durch den Raum wedeln kann und so einen zusätzlichen Hitzereiz schaffe, erklärt mir Thomas Kaplon verschiedene Wedeltechniken. „Dabei muss man einen Schauspieler in sich haben. So ein Aufguss ist ein kleiner Auftritt“, sagt der zertifizierte Saunameister. Eine Darbietung, die sein Publikum immer wieder mit einem Lächeln und netten Worten honoriert. Neben dem älteren Publikum kommen laut Kaplon mittlerweile verstärkt junge Pärchen in die Saunawelt, um bei ruhiger Musik und schönen Düften zu entspannen. 

Thomas Kaplon, zertifizierter Saunameister.

Dabei ist der Job des Saunameisters viel mehr als nur die Durchführung eines Aufgusses: Die Pflege der Anlage, das Allgemeinwohl des Gastes und die Vorbereitung von Zeremonien, Traumreisen und Duftreisen liegen Thomas Kaplon spürbar am Herzen. „Es ist kein Job, den man abarbeiten kann. Man muss eine Leidenschaft für die Sauna mitbringen“, sagt er. Ihm sei auch klar, dass nicht jeder vor etlichen nackten Menschen arbeiten kann. 

Fazit

Als Aufgießer muss man sich bei Temperaturen von über 90 Grad viel bewegen und seine Gäste mit gekonnten Wedeltechniken, Tee und schauspielerischen Inszenierungen verwöhnen. Der Beruf erfordert viel Leidenschaft – an Hingabe fehlt es den Mitarbeitern in der Soletherme nicht. Zur Eröffnung der neuen Saunen suchen die Bad Sassendorfer Aufgießer jetzt neue Kollegen, in denen ein ebenso großes Feuer für den Hitze-Job lodert.

Die Serie: Was? Anzeiger-Mitarbeiter Nico Nölken probiert Berufe und Tätigkeiten aus, die er bis dato nicht gekannt hat.

Wie? Der Anzeiger hat bei verschiedenen Betrieben gefragt, einige haben zugesagt.

Die nächsten Folgen? Nach dem Auftakt heute, zieht es Nico Nölken in andere Landgemeinden. So fährt er beispielsweise auf einem Mähdrescher mit und arbeitet mit anderen im Wald.

Videoeindrücke auf unserem Instagram-Kanal: instagram.com/soester.anzeiger.

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