Rundgang durch Naturschutzgebiet Ostinghausen

Woeste bietet artenreiche Tier- und Pflanzenwelt

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Sie wandelten auf den neuen Rundwanderweg: Von links: „Storchenvater“ Theo Schomacher, Dr. Ralf Joest und Sohn Martin, die Urlauber Gisela und Heiner Dammann, Ostinghausens Ortsvorsteherin Angelika Kolkmann und die Besitzer der Five-Star-Ranch Diana und John Royer.

Wilde Natur pur mit einer unglaublich artenreichen Pflanzen- und Tierwelt – so präsentiert sich das Naturschutzgebiet „Woeste“ bei Ostinghausen, ehemaliges Moorabbaugebiet der Saline.

Ostinghausen – Spaziergängern, Naturfreunden, Vogelkundlern und Hobbyfotografen öffnet sich hinter der St.-Christophorus-Pfarrkirche ein grünes Paradies, das mit 13 neuen Holztafeln zu einem fünf Kilometer langen Rundwanderweg aufgewertet worden ist. 

Ideengeber Vitt 

Ideengeber war der Ostinghauser Heimatfreund Karl Vitt, der immer wieder erlebt hat, dass sich Spaziergänger in Feld und Flur verlaufen hatten. Für die 2000-Euro-Finanzierung der Tafeln hatte Ortsvorsteherin Angelika Kolkmann Mittel aus dem NRW-Förderprogramm „Heimatscheck“ beantragt. Nach einem Zuschuss für die Renovierung des Ehrenmals war es die zweite Finanzspritze aus dem Fördertopf, die nach Ostinghausen floss. Heinrich Frieling, heimischer Landtagsabgeordneter, hatte beide Bewilligungsbescheide Ende 2019 übergeben und schaute sich die Beschilderung jetzt vor Ort an. Zurück zum Woeste/Lippweg. Die Wegweiser aus Eichenholz entstanden in der Loher Schreinerei Finkeldei. Mitglieder der Ostinghausener Vereine sorgten unter der Regie von Vitt und Kolkmann dafür, dass sie an prägnanten Plätzen standfest errichtet wurden. Dr. Ralf Joest von der ABU mit Söhnchen Martin, Ortsvorsteherin Kolkmann, „Storchenvater“ Theo Schomacher, die Pächter der Five-Star-Ranch und Betreuer der Wasserbüffel, Diana und John Royer sowie die Feriengäste Gisela und Heiner Dammann aus Hückeswagen erkundeten den Rundwanderweg und erlebten dabei eine schöne Stunde in der Woeste – ein toller Ausflugstipp für alle Gäste der Region und ganz besonders für Familien mit Kindern. 

Storchennest

Als erstes Ziel st steuerte die Gruppe das Storchennest an, das Naturfreunde aus Ostinghausen 2014 konstruiert, finanziert und in sieben Meter Höhe errichtet hatten. Darin geht es zurzeit recht munter zu. „Fünf Jungstörche üben das Fliegen“, erklärte Joest, der im Auftrag der Abu die Woeste betreut. Seit 2016 wird das Nest von den Störchen als Kinderstube benutzt. „Ich denke, es sind immer die gleichen Altvögel, die sich dort niederlassen“, erklärte Joest. Die Tiere zu beobachten sei für die Besucher der Woeste ein faszinierendes Erlebnis. Theo Schomacher, in Ostinghausen als „Storchenvater“ bekannt, beobachtet die Brutzeit ganz genau, kennt jede Veränderung im Nest. Der 89-Jährige hält ein Auge auf das Naturschutzgebiet. „Sonntags, wenn die Sonne scheint, ist hier besonders viel los“, berichtet er. 

Wasserbüffel 

Weiter geht der Rundgang mit der Suche nach den Wasserbüffeln, die normalerweise bei hohen Temperaturen gern in den Flachgewässern der Woeste ein Bad nehmen. An diesem Tag leider nicht. Sie hatten sich wohl ganz weit ins Gebüsch verkrochen. Dort können sie nicht gestört werden. Da konnten Diana und John Royer noch so oft rufen, die Büffel zeigten sich nicht. Das Ehepaar liebt die gutmütigen Vierbeiner, bürstet ihnen, wenn es mal nötig ist, das klumpige Fell aus und füttert sie im Herbst mit reichem Apfelsegen und im Winter mit Stroh. „Dann sind wir willkommen, im Sommer finden sie uns eher lästig“, erzählte Diana Royer von den Eigenheiten der natürlichen Rasenmäher. 

Entlang der Ostinghauser Feldflur sichteten die Wanderer einen Bauer, der seine Weidefläche abmähte. Im „Schlepptau“ hatte er einen Storch auf Nahrungssuche. Kein bisschen scheu schritt er majestätisch über die abgemähte Wiese. Gegenüber, in Flachwassergebieten, die durch den ehemaligen Moorabbau entstanden sind, schnattern verschiedene Wasservögelarten um die Wette. 

Überhaupt kennzeichnen Tümpel, Teiche, Flachwässer und Moortaschen mit zahlreichen interessanten Aussichtspunkten das Naturschutzgebiet, das eine bedeutende Brutstätte und ein Rastgebiet darstellt. 

Froschkonzert 

Am nächsten Standort des Wanderweges lädt eine Bank zum Verweilen ein. Davon gibt es auf der ganzen Strecke zehn Stück. Voller Freude hörten die Wanderer plötzlich ein Froschkonzert. „Die Woeste zeichnet sich durch eines der größten Vorkommen des Laubfrosches im Kreis aus. Möglicherweise handelt es sich sogar um das größte“, erklärte Dr. Joest. Libellen sind ebenfalls Stammgäste im Naturschutzgebiet. Interessant ist die Pflanzenwelt der Woeste: Pfefferminze, Blutweiderich, Schilf, Röhrich, Mädesüß, die Wilde Karde, Disteln und seltene Wasserpflanzen haben neben vielen anderen ihren Platz gefunden. 

Ein Stück Jakobsweg 

Am Lippweg angekommen begaben sich die Wanderer auf einen Teil des Jakobswegs der von Minden nach Soest führt. Die Empfehlung von Karl Vitt für diesen Abschnitt des Weges lautet: Einzeln und ohne Ablenkung gehen.“ Einen markanten Punkt bilden Friedenseiche und Friedenskreuz, der zum Innehalten und zum Fallenlassen der Sorgen einlädt. Das Kreuz, das aus dem Holz der ehemaligen Friedenseiche, die bei einem Gewitter dem Blitzschlag zum Opfer fiel, geschnitzt wurde, ist eines von drei Wegekreuzen auf der Strecke. Nun ging es über den Rest der Strecke zurück zum Ausgangspunkt an der Kirche St. Christophorus. Nach dem Willen von Ortsvorsteherin Angelika Kolkmann und der Abu soll der Wanderweg auch auf der Website „Naturschätze Südwestfalen“ präsent sein.

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