Soester Reha-Zentrum

Bad Sassendorf sieht Soester Pläne kritisch

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Neben der Klinik am Hellweg gehören vier weitere Reha-Kliniken und die Kinderfachklinik zu den Einrichtungen in Bad Sassendorf. Inwiefern ein Reha-Zentrum in Soest mit etwa 250 Betten sinnvoll oder gar schädlich ist, wird derzeit diskutiert.

Bad Sassendorf - Aus Bad Sassendorfer Sicht wird die Einrichtung eines Reha-Zentrums am Klinikum Soest durch die französische Orpea Gruppe überaus kritisch gesehen. In dieser Einschätzung sind sich die örtliche Politik und die Vertreter der Kliniken im Kurort einig. Befürchtet wird zum einen ein Konkurrenzkampf und Verdrängungswettbewerb, zum anderen sehen viele die Gefahr, dass die gemeinnützige GmbH, die Träger des Soester Klinikums ist, gegen den internationalen Orpea-Konzern im Zweifelsfall nicht ankommen kann – mit womöglich erheblichen Folgen für die Akutversorgung in der Region.

Vor allem die Frage, was den Investor antreibt, in einem gesättigten Markt in ein Reha-Zentrum mit rund 250 Betten zu investieren, war in den verschiedenen Stellungnahmen, die in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses abgegeben wurden, Anlass für weiter gehende Vermutungen. „Das ist kein kleiner Partner, mit dem man sich da einlassen will“, erklärte Bürgermeister Malte Dahlhoff, „mag sein, dass da eine Tür aufgemacht wird, die man nicht wieder zu kriegt.“

Vertragliche Vorkehrungen zum Schutz des Klinikums, wie sie laut Roland Maibaum (SPD), dem Vorsitzenden des Klinikum-Aufsichtsrates, vereinbart wurden, überzeugten die Sassendorfer jedenfalls nicht. Maibaum solle sich mal die einschlägigen Paragrafen im BGB zum Vertragsrecht anschauen, meinte dessen Parteigenosse Helmut Schmitz: „Kein Vertrag hat auf ewig Bestand.“

Hier lesen Sie die Stellungnahmen:

Bäder-Holding

Gemeinde

Klinik am Park

Klinik am Wiesengrund

Dass Orpea ein finanzstarker Konzern ist, betonte Geschäftsführer Hartwig Barthold von der Klinik am Park. Orpea haben einen immensen Anlagedruck, sei mit erheblicher Kapitalmacht aber auch in der Lage, mehrere Jahre Verlust ohne weiteres zu verkraften. Zwei getrennte Bereiche in Soest nebeneinander, das werde nicht laufen, sagte Barthold: „Man wird versuchen Akut und Reha aufeinander abzustimmen, alles andere ist für mich nicht sinnvoll.“

Dass es durch das Reha-Zentrum in Soest zu einem Verdrängungswettbewerb und zu einem Verlust an Qualität kommen könnte, wurde ebenfalls als Befürchtung formuliert. So erläuterte Barthold in einer schriftlichen Stellungnahme, dass der Gesundheitssektor keineswegs nach den Kriterien einer freien Marktwirtschaft funktioniere, sondern durch die Kostenträger beherrscht werde. Mehr Konkurrenz könne auf die Preise und auf die Qualität drücken. Das befürchten auch die Vertreter der Bäder-Holding. Dieser Preisdruck werde letztlich zu Lasten der medizinischen Qualität und zu Lasten der Vergütung der Mitarbeiter in den Kliniken gehen, erklärte Stephan Eydt, der Geschäftsführer der Bäder-Holding.

Neben den Folgen für den Reha-Markt in der Region sehen die Kritiker des Soester Vorhabens aus Bad Sassendorf vor allem problematische Folgen für die Akutversorgung. Schon jetzt, so Bürgermeister Dahlhoff, sei aus den politischen Kreisen in Soest zu hören, dass die Kinder- und Jugendabteilung und die Gynäkologie als erste weg wären, wenn es beim Klinikum kriseln sollte. Wenn man unterstelle, so Dahlhoff, dass das Klinikum sich dem Reha-Zentrum anpassen müsse, sei ein Abbau der bislang 17 Indikationen im Klinikum zu erwarten. Dabei gebe es schon jetzt erhebliche Probleme in der Akutversorgung. Dies zeige der Fall eines Herzinfarktpatienten, den die Soester Krankenhäuser nicht aufnehmen konnten.

Die Fraktionen des Sassendorfer Gemeinderats folgten diesen Bedenken. Die vom Bürgermeister vorbereitete Stellungnahme wurde einstimmig und ohne Enthaltungen auf den Weg nach Soest geschickt.

Der Orpea Konzern aus Frankreich

Die Orpea Gruppe mit Hauptsitz in Frankreich wurde 1989 gegründet und ist seit April 2002 an der Börse Euronext Paris notiert. Orpea ist ein international agierender Betreiber von Pflegeheimen, Reha-Kliniken und psychiatrischen Kliniken. Nach eigener Prognose rechnete die Gruppe für 2015 mit einem Umsatz von 2,38 Milliarden Euro. Stand Ende 2015 verfügte die Orpea Gruppe insgesamt über etwa 64 000 Betten. Verschiedene Indikatoren wie der Money Flow Index weisen laut www.finanzen100.de durch zufließendes Kapital eine hohe und stabile Liquidität von Orpea aus. Mit anderen Worten: Es ist reichlich Geld für Investitionen da, und dieses Geld will angelegt sein. Das tut Orpea seit Jahren durch die Übernahme von Kliniken oder Klinikgruppen unter anderem auch in Deutschland, Belgien, Österreich, Spanien, Italien und der Schweiz. 2014 vermeldete Orpea die Übernahme der Senevita-Gruppe in der Schweiz mit 2 293 Betten und der Silver Care-Gruppe in Deutschland mit 5 963 Betten. 2015 kamen unter anderem die Übernahmen von Sene-Cura in Österreich mit 3 936 Betten sowie in Deutschland der Celenus Kliniken mit 2 602 Betten, der Residenz-Gruppe Bremen mit 3 006 Betten und der Vitalis-Gruppe mit 2 487 Betten hinzu. Quelle: www.orpea.com und www.orpea-corp.com.

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