Ex-Sanatorium wird auf Denkmal-Status geprüft

Ein Denkmal oder zu stark verändert? – diese Frage stellt sich beim Haus Lohweg 22. - Foto: Dülberg

Bad Sassendorf - Soll das historische „Kinder-„Sanatorium“ – heute Haus am Lohweg 22 trotz einiger Veränderungen unter Denkmalschutz gestellt werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich zurzeit die zuständigen Denkmalbehörden und Politiker in Bad Sassendorf. Errichtet wurde das Haus 1909 von dem Badearzt und Sanitätsrat Dr. Wilhelm Lüsse und seiner Ehefrau Henriette. Betrieben wurde das markante Gebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende als private Kinderheilanstalt für 30 bis 40 Kinder.

Zur Geschichte des Hauses Lohweg 22 berichtet Ortsheimatpfleger Volker Kneisel: Um 1900 erwarben Sanitätsrat Dr. WilhelmLüsse und seine Frau Henriette in Bad Sassendorf die etwa 7000 Quadratmeter großen Grundstücke am heutigen Lohweg. Im Jahre 1909 erbauten die Lüsses das mehrstöckige Sanatorium für Kinder (Haupthaus mit Nebengebäude). Sanitätsrat Dr. Lüsse war auch der erste Arzt von Bad Sassendorf und betreute als Hausarzt die umliegenden Ortschaften mit seiner Kutsche.

Eine der Keimzellen des Heil- und Badeortes

Das markante, baugeschichtlich dem Jugendstil zuzuordnende Haupthaus ist bis heute erhalten. Es ist jedoch nicht nur aufgrund seiner Baugeschichte interessant, sondern vielmehr auch weil es eine der entscheidenden Keimzellen zur Entwicklung des Ortes hin zu einem Heil- und Kurort ist, welcher nun dieser Entwicklung mit dem Beisatz „Bad“ im Namen Rechnung trägt.

Zum Komplex Lohweg 22 gehörte bis zum Verkauf an die Hoteliersfamilie Dunkel ein Nebengebäude, im Fachwerkstil, dass vor einigen Jahren abgerissen wurde. An seiner Stelle steht nun ein Apartmenthaus mit 8 Wohneinheiten. Zu erwähnen wäre noch, dass in dem Fachwerkhaus, das vormals als Kutscherhaus des Sanitätsrats Lüsse und als Ruheraum für die Kinder diente, vor Jahrzehnten die Gemeindeverwaltung von Bad Sassendorf zu Zeiten des Bürgermeisters Timmermann aus Lohne untergebracht war.

Das Gelände hinter den Gebäuden wurde parkähnlich ausgebaut. Auf dem großen schönen, hoch und frei gelegenen Parkgelände befanden sich Spielgeräte wie Schaukel, Wippe, Rutsche undsoweiter für die Kinder, ein großer heute noch vorhandener Sandkasten sowie entsprechende Freiflächen mit angelegten Spazierwegen.

Daneben legten die Lüsses im hinteren Bereich eine Obstwiese an. Zwei mächtige Blutbuchen als Solitärbäume, die wahrscheinlich über 200 Jahre alt sind, prägen den nördlichen Gartenbereich. Sie sind vom Kreis Soest seit längerem als im höchsten Maße schützenswerte Naturdenkmäler eingestuft und werden auch vom Kreis gepflegt.

Gebäude und Park bildeten über 100 Jahre eine Einheit. Zu Zeiten des Kindersanatoriums gingen hier Gesundheitsförderung und Natur eine natürliche Symbiose ein. Das Zusammenspiel von Freiraum und Gebäuden ist für Bad Sassendorf als Kurort von entscheidender Bedeutung und findet sich vergleichbar nur noch im Bereich des Bad Sassendorfer Schlosses wieder. Das Ensemble ist somit als eines der letzten noch verbliebenen Zeugnisse der beginnenden Kultur des Kur- und Gesundheitswesens in Bad Sassendorf anzusehen. Dieses Zusammenspiel mit altehrwürdigem Baumbestand zeigt beispielhaft die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes zu einem Kurort auf dem Lande um die Jahrhundertwende auf. Das bis heute in seiner Grundsubstanz unverändert erhaltene Gartenjuwel stellte für die späteren Bewohner bis heute ein kleines Paradies dar und fungiert schon jahrzehntelang als grüne Lunge für die umliegenden Anwohner. - an/dümi

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