Runder Tisch Insektenschutz: Idee ist erfolgreich gestartet

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Ein Großes Grünes Heupferd klettert über eine Brennnessel: Auch die vielen unscheinbaren Insekten und Pflanzen sind für die Artenvielfalt wichtig.

Bad Sassendorf – Eine ganze Reihe von Maßnahmen für die Artenvielfalt haben die Teilnehmer des Runden Tisches Insektenschutz vereinbart. Am Montag trafen sich die Vertreter verschiedener Institutionen auf Einladung der Gemeinde, um gemeinsam zu beraten, wie der Insektenschutz in der Gemeinde verbessert werden kann.

In sachlicher Atmosphäre sei lösungsorientiert und konstruktiv beraten worden, berichtete Bürgermeister Malte Dahlhoff. Dazu dürfte beigetragen haben, dass die Teilnehmer sich von vornherein darauf verständigt haben, eine umfangreiche Diskussion über die Ursachen des Insektensterbens zu unterlassen. Das seien Fragen, die auf anderer Ebene angesiedelt seien, meinte Dahlhoff. 

Stattdessen habe die Erörterung verschiedener konkreter Maßnahmen im Vordergrund gestanden, wie einzelne Einwohner oder Berufsgruppen wie die Landwirte sich für ein besseres Umfeld zugunsten der Insekten einsetzen können. 

Dabei solle es nicht nur um Bienen und Wildbienen gehen, weil gerade auch viele Insekten eine Lebensgrundlage für viele Vögel darstellen, so ein Hinweis aus der Jägerschaft. In den Blick nehmen will der Runde Tisch mit seinen Maßnahmen insbesondere die Landwirte, die Haus- und Gartenbesitzer, die Gemeinde selbst mit ihren Grünflächen und die Gewerbebetriebe. 

So sollen beispielsweise für die Zielgruppe der Landwirte einschlägige Informationen zusammengetragen werden, wie das Lebensumfeld der Insekten, etwa durch Greening-Maßnahmen, verbessert werden kann und welche Fördermöglichkeiten es gibt. 

Landwirte oder Hausbesitzer als Zielgruppen

Für Haus- und Gartenbesitzer sollen ebenfalls Informationen aufbereitet werden, wie ein Garten insektenfreundlicher gestaltet werden kann. Gerade bei Neubauten ergebe sich über das Baugenehmigungsverfahren oder den Anschluss an die Kanalisation automatisch ein Kontakt, den die Gemeinde künftig nutzen will, um Bauherren anzusprechen und zu sensibilisieren, kündigte der Bürgermeister an. 

Die Kommune selbst werde sich bemühen, ihrerseits mit gutem Beispiel voran zu gehen. So sollen weitere Blühflächen angelegt werden, für die Feier des Gemeindejubiläums im Rahmen des Künstlerpicknicks werde überlegt, Musterflächen im Kurpark anzulegen, anhand der sich die Einwohner ein Bild machen können. Die Pflege von grünen Wegen sowie Straßen- und Wegerändern soll ebenfalls überdacht werden und weniger intensiv ausfallen, um diese Lebensbereiche für Insekten, Bodenvögel oder Hasen zu schonen. 

Anbieten für das Anlegen von Blühflächen für Bienen und Insekten würden sich auch viele Gewerbegrundstücke. Auch hier will die Gemeinde die Betriebe gezielt ansprechen, kündigte Dahlhoff an. Letztlich könnten auch solche Blühflächen pflegeleicht gestaltet werden. 

Bienen und Insekten sind wegen der Bestäubung von hohem wirtschaftlichen Nutzen. 

Zudem wollen die Imker untersuchen, welche Zusammenstellung von Blühpflanzen sich jeweils besonders eignet, schließlich gibt es in der Gemeinde von den eher trockenen und mageren Böden am Haarstrang bis zu den fetten Löss- und Lehmböden der Börde sehr unterschiedliche Standorte. Zugleich mahnten die Imker an, dass die Versorgung der Bienen, Wildbienen und Insekten mit einer ausreichenden Nahrungsgrundlage übers Jahr hinweg gewährleistet sein sollte. Auch dies sei eine Frage der richtigen Blühmischungen. 

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Professor Dr. Martin Ziron vom Fachbereich Agrarwirtschaft der FH Südwestfalen, indem er erforscht, welche einjährigen oder mehrjährigen Mischungen für die Landwirtschaft besonders in Frage kommen. Eine Art Versuchsfläche können die Einwohner mit der von Ziron angelegten Bienenweide am Lohweg zwischen Lohne und Sassendorf begutachten. 

Angesprochen wurden auch häufig kaum beachtete Aspekte wie die Lichtgestaltung rund um die Wohnhäuser, hier könne zum Beispiel auf Lichtfarben geachtet werden, die wenig Anziehungskraft auf die Insekten ausüben. 

Ein Beispiel für konkrete Maßnahmen ist das Aufstellen von Insektenhotels, dafür wollen die Naturfreunde Bad Sassendorf werben und entsprechende Informationen verbreiten – zum Beispiel die, dass es mit einfachen Bohrlöchern in den Holzstücken nicht getan ist, weil die Insekten solche Löcher meiden.

Runder Tisch Insektenschutz

An dem Runden Tisch Insektenschutz nahmen Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU), der Imker, der Landwirtschaftskammer, des landwirtschaftlichen Ortsverbandes, des Hegerings, des Naturfreunde Bad Sassendorf, des Kleingartenvereins und der Gemeindeverwaltung teil. Den Runden Tisch hatte der landwirtschaftliche Gemeindeverband Bad Sassendorf vorgeschlagen, der Ausschuss für Landschaftspflege hatte daraufhin im November die Einberufung beschlossen. Der Runde Tisch Insektenschutz soll sich etwa jedes halbe Jahr treffen, um Maßnahmen zu besprechen und die bereits eingeleiteten im Auge zu behalten.

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